28.06.2013

Wolfgang Holzhäuser über seinen Rücktritt bei Bayer Leverkusen

»Viele haben mich ausgelacht«

Wolfgang Holzhäuser tritt vom Posten als Geschäftsführer bei Bayer 04 Leverkusen zurück. Mit seinen Ideen für Reformen hat der Hesse die Bundesliga geprägt – und immer wieder auch genervt. In 11FREUNDE #140 zieht der streitbare Funktionär eine sentimentale Bilanz.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago

Wolfgang Holzhäuser, Sie treten als Geschäftsführer von Bayer 04Leverkusen zurück. Haben Sie die Lust am Meckern verloren?
Im Gegenteil. Wenn mir etwas fehlen wird, dann das Meckern. Etwas zu entwickeln, war und ist Teil meiner Mentalität.

Warum hören Sie dann auf?
Ich wollte den Tag meines Abschieds selbst bestimmen. Mir klang der Satz des ehemaligen Telekom-Chefs Ron Sommer im Ohr, der sagt, dass die Leistung einer Laufbahn stets vom Ende aus beurteilt wird. Als wir in dieser Saison bei den Bayern gewannen, fing ich an zu überlegen, ob diese Spielzeit vielleicht die richtige für den Abschied sein könnte.

Und wann waren Sie sicher?
Vor einem Spiel, dass wir mal wieder »unbedingt gewinnen mussten«, wie es so schön heißt. Ich stand einen Kilometer von der BayArena im Auto an einer Ampel und grübelte, ob ich mich eigentlich aufs Spiel freue oder ob ich Angst vor der Niederlage habe. Das erste Mal überlegte ich, ob es nicht besser wäre, wieder nach Hause zu fahren. Mir wurde klar, dass ich mit dem Druck nicht mehr so umgehen kann wie früher.

Sie haben die Liga häufig mit Reformvorschlägen konfrontiert. Welche Ihrer Ideen halten Sie im Nachhinein für völligen Quatsch?
Ob es völliger Quatsch war, lasse ich mal dahin gestellt, aber ich habe mal den Vorschlag gemacht, die Spannung in der Liga durch ein zeitlich aufeinanderfolgendes Hin- und Rückspiel zu erhöhen und dabei dem Gesamtsieger Europapokalmuster einen Extrapunkt zu geben. Stellen Sie sich vor, wir verlieren durch ein Abseitstor in München, und am Samstag drauf folgt das Rückspiel bei uns. Der Vorschlag war so brisant, dass Sepp Blatter einen Brief schrieb, um uns davon abzubringen und Franz Beckenbauer sagte: »Fußball muss einfach bleiben, den muss sogar meine Oma verstehen.« Die Diskussion anzustoßen war politisch falsch, auch wenn ich die Idee nach wie vor für nicht schlecht halte.

Welche Ideen waren noch politisch unvermittelbar?
Ich plädiere weiterhin dafür, ein Halbfinale und Finale um die deutsche Meisterschaft zu spielen.

Eine Play-Off-Runde.
Falsch, es soll nicht jeder gegen jeden spielen, sondern am Saisonende ein Halbfinale Erster gegen Vierter und Zweiter gegen Dritter stattfinden. Da würde die Nation beben. Ist aber nicht durchsetzbar.

Warum eigentlich nicht?
Weil wir Deutschen konservativ sind und der Fußball erzkonservativ.

Vielleicht kommt Bewegung in die Sache, wenn der FC Bayern auch nächstes Jahr mit 25 Punkten Vorsprung Meister wird.
Glaube ich nicht, dafür werden allein schon die Bayern sorgen.

Welche Idee haben Sie nie zu äußern gewagt.
Zu spät, ich habe sie leider vor einem halben Jahr geäußert.

Welche meinen Sie?
Der Fußball hat fast alle Sportarten aus dem Fernsehen verdrängt. Das finde ich fürchterlich. Wissen Sie, wer Deutscher Meister über 100 Meter ist?

Ähem.
Sehen Sie, das weiß kein Mensch. Durch den neuen TV-Vertrag haben alle Vereine nun gut zehn Millionen Euro mehr im Jahr. Mein Vorschlag war, ob wir Bundesligisten uns nicht darauf verständigen könnten, einen geringen Prozentsatz davon anderen Sportarten zur Verfügung zu stellen. Weil das Geld sonst wieder nur in die Taschen der Spieler und derer Berater wandert. Aber viele haben mich ausgelacht.

Und welche Reform darf niemals kommen?
Die Abschaffung der Verzahnung zwischen den Ligen. Die Bundesliga darf nie ein geschlossenes System werden. Auf- und Abstieg muss es immer geben.

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