13.01.2011

Wolfgang Holoch über das Stuttgart-Derby

»Mit MV im Festzelt«

Das ewige Duell: Der kleine Stadtverein gegen den großen Bruder. Nur ein einziges Mal, am 4. Oktober 1975, konnten die Stuttgarter Kickers gegen den VfB gewinnen. Der damalige Torschütze Wolfgang Holoch erinnert sich.

Interview: 11Freunde Bild: imago

Wolfgang Holoch, erinnern Sie sich noch an den 4. Oktober 1975?

Ja, natürlich. Da fällt mir sofort das Derby ein, Stuttgarter Kickers gegen den VfB. Wir haben damals mit 2:0 gewonnen.



Das Spiel war das erste Aufeinandertreffen zwischen den Kickers und dem VfB in einem Pflichtspiel seit 16 Jahren. Waren die Anhänger besonders heiß auf dieses Derby oder hatte die Rivalität in einer solch langen Zeitspanne nachgelassen?

Nein, das war schon etwas Besonderes. Wir haben ja eigentlich jedes Jahr zur Saisoneröffnung ein Freundschaftsspiel ausgespielt, das heißt, es gab fast immer so etwas wie ein Saisonauftaktspiel Kickers gegen den VfB oder umgekehrt. Insofern haben wir eigentlich häufig gegeneinander gespielt, aber nie um Punkte.

Im damaligen Spielbericht im »kicker« wird der VfB als »großer Bruder« bezeichnet. Kam das dem Verhältnis in der Realität nahe?

Naja, bei uns Spielern war es schon so, dass wir gute Kontakte zu den VfB-Spielern hatten, da gab es eigentlich keine Ressentiments. In der Anhängerschaft gab es aber schon eine gewisse Rivalität, auch wenn es keine Ausschreitungen oder ähnliches gab. Natürlich war dieser Sieg im Derby gerade für die Anhänger der Stuttgarter Kickers etwas Besonderes. Da haben die schon ganz ordentlich gefeiert. Das Spiel fand damals während der Volksfestzeit in Stuttgart statt und beide Teams gingen nach dem Spiel rüber auf den Festplatz. Da hatten wir natürlich deutlich mehr zu feiern als der VfB.

Haben Sie damals auch mit Spielern des VfB angestoßen?

Ich kann mich an Gerhard Mayer-Vorfelder erinnern, das war Zufall, wir sind damals zusammen ins Festzelt. Er hatte frisch nach dem Abstieg die Präsidentschaft übernommen und da hab ich mir noch gedacht: Oh, der arme Kerl, der muss sich  einiges anhören. Die Rufe der VfB-Anhänger waren jedenfalls nicht ganz freundlich.

Was riefen die Anhänger?

Das weiß ich nicht mehr. Ich dachte nur: Mann, bin ich froh, dass wir heute gewonnen haben. Sonst hätten wir diese Äußerungen abbekommen. Für den VfB war es schon heftig, das erste Spiel um Punkte seit langem gegen die Kickers zu verlieren.

Sie selbst haben in der Jugend des VfB gespielt, bevor Sie für die Kickers in der 2. Bundesliga spielten. Blau gegen Rot – war das früher für Sie eine Glaubensfrage?

Nein, es war eigentlich kein Thema. Ich bin im Stuttgarter Osten aufgewachsen, relativ nahe zum Stadion des VfB, insofern war es klar, dass ich in der Jugend dort spiele. Und das habe ich auch gerne gemacht. Später hat es mich dann zu den Kickers verschlagen, da hab ich dann auch sehr gerne gespielt. Insofern war das Spiel gegen den VfB für mich sehr besonders. Ich hab ja immer Kontakt nach dort unten, nach Cannstatt, gehabt. (lacht) Es gab damals sogar Fans von den Kickers, die sind nie über den Neckar rübergefahren, weil sie dann im VfB-Revier waren.

Sie haben damals den Führungstreffer erzielt. Können Sie sich noch an Ihr Tor erinnern?

Na klar! Es gab damals einen Freistoß, geschlagen von Horst Haug...

...der vorher ja auch lange Jahre beim VfB gespielt hatte.

Ja, genau, er war ursprünglich auch ein Kickers-Spieler, ging lange Zeit zum VfB und kam dann wieder zurück. Also, der Freistoß kam von ihm, der Torwart ließ den Ball nur abprallen und ich staubte ab – Instinkt. Das 1:0, kurz vor der Halbzeit.

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