Wolfgang Funkel über seinen Bruder

»Friedhelm? Ein Schlitzohr!«

Am Samstag trifft Friedhelm Funkel mit der Hertha auf seinen alten Verein Frankfurt. Wir sprachen mit seinem jüngeren Bruder Wolfgang über Funkels Trainerstationen, sein Vorbild und gemeinsame Bolzplatzschlachten. Wolfgang Funkel über seinen Bruder

Wolfgang Funkel, Sie und Ihr Bruder Friedhelm haben als Brüderpaar den deutschen Fußball geprägt...

Naja, erfolgreiche Spielerkarrieren verbindet man ja immer mit Titeln. Wir haben ja nur einen geholt, den Pokalsieg 1985 gegen Bayern München.

Immerhin haben Sie beide über 300 Bundesligaspiele und mit Underdogs wie Bayer Uerdingen und dem 1. FC Kaiserslautern beachtliche Ergebnisse erzielt.

Stimmt, speziell mit Uerdingen waren wir als »No-Name-Truppe« sehr erfolgreich. Wir hatten mit Karlheinz Feldkamp einen sehr guten Trainer, unter dem mein Bruder schon vorher in Kaiserslautern gespielt hatte. Wir kamen aus bescheidenen Verhältnissen, waren ein eingespieltes Team.

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Welchen Einfluss hatte Feldkamp auf Ihren Erfolg?

Er hat den totalen Einsatz an der Linie vorgelebt. Abwarten und taktieren gab es bei ihm nicht. Nach Rückständen hat er uns immer sofort Mut gemacht, wir haben oft Spiele noch gedreht. Meinem Bruder und mir kam diese Einstellung entgegen, wir haben immer alles gegeben und uns nie auf einzelnen Erfolgserlebnissen ausgeruht.

Viele erfolgreiche Trainer geben als Vorbild eine Persönlichkeit aus ihrer aktiven Karriere an. Ist Kalli Feldkamp das für die Funkels?

Ich selbst bin ja bis auf sechs Spiele auf der Bank des FCK als Co-Trainer hängen geblieben. Ich fühle mich einfach wohler in der zweiten Reihe. Aber meinen Bruder hat Kalli Feldkamp sicher sehr geprägt, mit seiner Art, die Mannschaft vor den Spielen heiß zu machen und mit dem Einsatz, den er immer forderte.

Haben Sie beide beim gleichen Verein angefangen?

Der VfR 06 Neuss war nicht nur unser Stammverein, sondern für uns beide auch die erste Trainerstation. Ich habe immer noch Kontakt zu einigen alten Mitspielern aus der ersten Mannschaft. Ich bin anders als Friedhelm spät Profi geworden und habe noch fünf Jahre nach der Jugend in Neuss gespielt.

Sie sind fünf Jahre jünger als Ihr Bruder. Durften Sie mitspielen, wenn Friedhelm mit seinen Kumpels auf den Bolzplatz gezogen ist?

Als ich ganz klein war nicht. Aber mit ungefähr zehn Jahren durfte ich dann schon mit. Wir sind damals bei uns im Viertel immer gegen andere Straßen angetreten. Wir von der Alemannenstraße haben zum Beispiel gegen die Further Straße gespielt. Zu der Zeit gab es ja noch jede Menge Bolzplätze. Wir waren die stärkste Straße, Hans-Jörg Criens spielte auch bei uns.

Spielte Wolfgang damals schon hinten und Friedhelm vorne?

Ja, das hat sich schon zu Kinderzeiten so ergeben. Mein Bruder hat immer gerne Tore gemacht, war von klein auf ein Schlitzohr. Und ich war schon immer recht groß und kopfballstark gewesen. An der Verteilung hat sich dann nie mehr etwas geändert.

Als Spieler war Ihr Bruder Friedhelm ein Schlitzohr. Als Trainer sprechen Weggefährten wie Heribert Bruchhagen von einer fast stoischen Ruhe. Gilt das nur für den Trainer oder auch für den Privatmann Friedhelm Funkel?

Er ist privat schon ein anderer. Das Fußballgeschäft ist zu brutal, als dass er da lachend herumrennen könnte. Außerdem hat er ja meistens bei Vereinen gearbeitet, bei denen es um den Klassenerhalt ging. Er musste immer kämpfen, um Erfolg zu haben. Friedhelm hat seit seinem Trainerdebüt 1991 bei Uerdingen sicher auch viel dazu gelernt. Er ist ja aktuell einer der erfahrensten Bundesligatrainer überhaupt, nur Jupp Heynckes hat mehr Spiele.

Ihr Bruder sagt, Hertha sei die schwerste Aufgabe, die er je hatte. Weshalb nimmt er immer wieder solche Herkulesaufgaben auf sich?

Die ganz großen Angebote hat er nie bekommen, Bayern, Stuttgart oder Bremen haben nie angeklopft. Einen großen Verein zu trainieren, der oben mitspielt, würde ihn sicherlich auch mal reizen.

Wusste er, worauf er sich bei der Hertha einließ?


Bei Hertha wusste er schon, was auf ihn zukommt, er hat ja oft schon Mannschaften in ähnlicher Lage gerettet. In Berlin wird es natürlich verdammt schwer.

Auf dem Frankfurter Pulverfass ritt Ihr Bruder immerhin fünf Jahre, in Duisburg stellte er mit über drei Jahren sogar den Vereinsrekord auf.

Es ist wichtig, dass man jemanden hinter sich weiß, der einem Rückendeckung gibt und die Erwartungen relativiert – so wie das Heribert Bruchhagen in Frankfurt gemacht hat. Das war sehr wichtig für Friedhelm, dass er diesen Unterstützer hatte.

In Rostock haben die Funkels einige Monate als Trainer und Co-Trainer zusammen gearbeitet. Als Bruder hatten Sie sicherlich einen besonderen Blick auf den Trainer Friedhelm Funkel. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Friedhelm ist ein akribischer Arbeiter. Wenn er etwas anpackt, dann zu hundert Prozent. Er geht mit allen Spielern fair um und putzt keine einzelnen herunter. Im Training ist er nicht extrem hart, aber konsequent. Während unserer gemeinsamen Zeit in Rostock wurde er kein einziges Mal richtig laut.

Ist der Trainer Friedhelm Funkel nach Ihrer Erfahrung eher konservativ oder modern?

Er führt zwar auch Laktattests durch, übernimmt aber nicht alles blind von der Wissenschaft. Er macht am Ende, was er für richtig hält. Friedhelm setzt da auf seinen großen Erfahrungsschatz.

Ihre Zusammenarbeit in Rostock blieb die einzige. Könnten Sie sich vorstellen, noch einmal als Co-Trainer Ihres Bruders zu arbeiten?

Ich blieb damals noch mehrere Jahre in Rostock, nachdem Friedhelm entlassen worden war. Es hat sich seitdem einfach nicht mehr ergeben. In Frankfurt hatte er mit Armin Reutershagen einen festen Co-Trainer, ich war unter Wolfgang Wolf in Kaiserslautern. Aber man soll ja niemals nie sagen...

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