11.02.2011

Wolfgang Fuhr über den Handel mit Memorabilia

»Beckenbauer ist ein Ladenhüter«

Wolfgang Fuhr fällt nicht auf gefälschte Trikots und kopierte Eintrittskarten rein: Der Geschäftsführer vom Agon-Verlag über falsche Meisterschalen, dubiose Anbieter und 110.000 Euro für Pelés Endspieltrikot von 1970.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Katrin Binner
Wolfgang Fuhr, jüngst tappte das Fußball-Museum des DFB in eine Plagiatsfalle und präsentierte einen angeblichen Original-Finalball von 1954. Wie normal sind Fälschungen im Geschäft mit Fußball-Memorabilia?

Wolfgang Fuhr: Täuschungsversuche sind alltäglich. Da der Handel mit Fußball-Raritäten noch sehr jung ist, gibt es kaum Experten. Gleichzeitig werden ständig neue Fußballmuseen eröffnet, was die Nachfrage massiv ansteigen lässt. In den Museen mag wissenschaftlich einwandfrei gearbeitet werden, aber es fehlt das Know-how im Umgang mit Fußball-Antiquitäten.



Was wird denn am häufigsten gefälscht?

Wolfgang Fuhr: Bei den Eintrittskarten ist die Quote unglaublich hoch. Viele wissen nicht, wie sich eine Finalkarte von 1954 anfühlt. Welches Papier wurde verwendet? Welches Druckverfahren? Man darf nicht mehr jedem glauben, der seriös auftritt.

Kennen dubiose Anbieter eine Schamgrenze?

Wolfgang Fuhr. Nein. Ein Beispiel: 2004 gab es eine Ausstellung, bei der Ottmar Walters Endspieltrikot von 1954 präsentiert wurde. Wir hatten die Echtheit bestätigt. Gleichzeitig hat uns jemand jenes Finaltrikot angeboten. Wir teilten dem Anbieter mit, dass wir betonen müssen, dass es nicht das Endspieltrikot sein kann. Alles andere wäre Betrug gewesen. Er zog sein Angebot zurück.

Haben Sie den weiteren Weg des Trikots verfolgt?

Wolfgang Fuhr: Es wurde in einem englischen Auktionshaus als Finaltrikot angeboten und verkauft. Es gibt eben keine Grenze mehr.

Wie hoch ist die Fälschungsrate auf dem Markt?

Wolfgang Fuhr: Bei den Autographen liegt sie locker bei 50 Prozent. Bei Tickets noch höher. Jüngst wurden massenweise gefälschte Karten von den Weltmeisterschaften 1930 und 1950 auf den Markt gespült. Realistisch geschätzt liegt die Fälschungsquote in diesem Bereich über 90 Prozent.

Online-Auktionshäuser gelten als der Feind des seriösen Sammlers.

Wolfgang Fuhr: Seit es sie gibt, blüht die Fantasie ins Unermessliche. Was da für Geschichten kursieren, ist haarsträubend. Das 74er-Finaltrikot von Franz Beckenbauer wird uns praktisch monatlich angeboten. So viele Hemden kann selbst der Kaiser nicht getragen haben.

Gibt es Wege, um das ausufernde Angebot einzudämmen?

Wolfgang Fuhr: Wir von Agon starten eine Initiative, um im dokumentarischen Bereich mehr Überblick in den Markt zu bringen.

Ein Gütesiegel für Fußball-Antiquitäten?

Wolfgang Fuhr: Händler müssen zertifiziert werden. Nur so weiß der Kunde, dass er nicht betrogen wird.

Wie geht man vor, um Fälschungen auszuschließen?

Wolfgang Fuhr: Oft reicht schon ein Blick ins Fotoarchiv. Aber selbst diesen Weg sparen sich manche. Auch bei der Ball-Posse des DFB wurden Fehler gemacht: Auf dem präsentierten Ball prangte der Schriftzug »Champion«. Ein Blick in die Jahrbücher hätte gezeigt, dass der echte Finalball ohne diesen Schriftzug auskam. Da hätte man skeptisch werden können.

Aber von manchen Gegenständen gibt es schlichtweg keine Bilder.

Wolfgang Fuhr: Bei besonders teuren Stücken recherchieren wir bis ins kleinstmögliche Detail. Einmal wurde uns die Ersatz-Meisterschale von 1971 angeboten. Da muss man in Gladbach anrufen und fragen: Wurde diese Schale überhaupt übergeben? Das wurde bestätigt, die Schale ist echt. Bei so exponierten Objekten muss alles wasserdicht sein, sonst wird es peinlich.

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