21.07.2007

Wolf Werner im Interview

„Die Trainer müssen es ausbaden“

Nach der kommenden Saison werden die beiden Regionalligen zu einer 3. Bundesliga zusammengelegt. Wir sprachen mit Wolf Werner, Sportdirektor von Fortuna Düsseldorf, über Fluch und Segen der neuen Spielklasse.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Sie waren damals Leiter des Werder-Jugendinternats. Damals haben sie diese Entscheidung sicherlich begrüßt. Wie sehen sie das heute als Verantwortlicher einer ersten Mannschaft?

Auch wenn ich jetzt bei der Fortuna bin, ist es immer noch meine Auffassung. Wenn wir schon eine Konzentration der guten Spieler schaffen, dann kann man die herausragenden Spieler der U23-Teams nicht ohne weiteres in die 4. Liga stopfen. Zumindest sportlich muss die Möglichkeit bestehen, dass die zweiten Mannschaften aufsteigen können. Die bisweilen heraufbeschworene Gefahr, dass die Reserveteams die Liga dominieren werden, ist nicht sonderlich groß. Die vergangene Saison hat gezeigt, dass sich diese Teams vielfach in den unteren Tabellenregionen bewegen. Es sind sogar drei U-Teams abgestiegen.

Aber Hand aufs Herz, als Geschäftsführer Sport der Fortuna muss Ihnen doch an attraktiven Gegner gelegen sein.


Natürlich. Aber es kann ja nicht sein, dass beispielsweise ein Tim Borowski zu seiner Zeit in der Amateurmannschaft von Bremen, nur weil er in der zweiten Mannschaft spielt, in die 4. Liga runtergestuft wird. Spieler dieser Kategorie müssen die Chance haben, sich in der 3. Liga zu beweisen. Die besten deutschen U23-Spieler müssen zumindest theoretisch dort spielen können. Da hat sich meine Meinung nicht geändert.

Und die Gefahr, dass die 3.Liga langfristig nur als Nachwuchsreservoir für die Profimannschaften funktioniert...

Insgesamt kommt mit der 3. Bundesliga ein gesunder Wettbewerb auf uns zu. Vieles wird sich aber ohnehin von alleine regulieren, denn die zweiten Mannschaften werden keinen Cent Fernsehgelder mehr erhalten. Das heißt die finanzielle Belastung ruht allein auf der Profimannschaft, welche die zweite Mannschaft in Zukunft komplett subventionieren muss. Deshalb wird es von den Profivereinen nur ein sehr eingeschränktes Interesse geben, sich mit ihren Reserveteams in der 3. Liga zu etablieren.

Die BVB-Amateure haben auch durch ein Tor von Profispieler Lars Ricken am letzten Spieltag die Klasse gehalten.

Man muss noch über die eine oder andere Regularie nachdenken und bestimmte Dinge einschränken. Nach den Statuen und Durchführungsbestimmungen war die Handlungsweise von Borussia Dortmund durchaus legitim. Aber dass in der Endphase der Meisterschaft Sebastian Kehl eingesetzt wurde, mag zumindest moralisch gewertet werden. Man darf nicht vergessen, dass es sich bei Kehl um einen Nationalspieler handelt, der folglich fußballerisch aus einer ganz anderen Sphäre kommt.

Die Traditionsmannschaften haben die Reform angestoßen, wer hat sich denn dagegen gesträubt?

Es gab zum einen von den Vereinen Widerstand, die nicht so viel Tradition haben, besonders von den kleineren Vereinen aus dem Süden. Diese mussten die Befürchtungen haben, dass sie sich nicht für die 3. Liga qualifizieren, da sie nicht die dafür notwendigen finanziellen Mittel haben. Zum anderen gab es großen Widerstand von den Profivereinen, die damals eine Reservemannschaft in der Regionalliga hatten. Es war von der zuständigen Kommission ja praktisch schon beschlossen, die zweiten Mannschaften zu eliminieren. Erst auf Intervention der Profiteams, die mit ihren Reserveteams in der Regionalliga vertreten waren, wurde ein vernünftiger Kompromiss gefunden. Für die erste Drittligasaison dürfen sich nun maximal vier Reserveteams qualifizieren, ab dem zweiten Jahr gibt es diesbezüglich dann keine Beschränkungen mehr.

Glauben Sie, dass das kommende Modell mit drei Bundesligen in dieser Form langfristig Bestand haben wird? Schließlich hat es in der Vergangenheit unterhalb der 1. und 2. Liga aus verschiedenen Gründen immer wieder Änderungen gegeben.

Man hat sich international umgesehen und hat erkannt, dass man mehr für die Nachwuchsförderung tun muss. Im Breitensport sind wir in Deutschland super aufgestellt, aber wir haben Defizite, was die Spitzenforderung betrifft. Um die Jahrtausendwende gab es in dem Bereich den größten Mangel. Der Nachwuchs ist vor allem ein Opfer des Bosman-Urteils geworden. Erstens konnte man in der Folge ablösefrei wechseln, und zweitens gab es dadurch eine Schwemme von Spielern auf den deutschen Markt, vornehmlich aus dem aus dem Osten. Das brachte automatisch ein großes Ausbildungshemmnis für die jungen Spieler mit sich.

Trugen die Vereinstrainer auch eine Mitschuld?


Viele Trainer haben auf fertige Spieler aus dem Ausland gesetzt, anstatt jungen Spielern das Vertrauen zu schenken. Zu meiner Zeit bei Werder Bremen hatten wir zeitweise bis zu 16 Spieler im Kader, die entweder unserer A-Jungen oder unserer zweiten Mannschaft entstammten. Das war phänomenal für die damaligen Verhältnisse. Andere Vereine hatten keinen einzigen Nachwuchsspieler in ihren Reihen. Bochum z. B. hatte in der A-Jugend mehrfach Dortmund und Schalke den Rang abgelaufen, in ihrem Bundesligakader aber tauchte kaum ein Nachwuchsspieler auf. Für uns in Bremen war das unfassbar.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden