21.07.2007

Wolf Werner im Interview

„Die Trainer müssen es ausbaden“

Nach der kommenden Saison werden die beiden Regionalligen zu einer 3. Bundesliga zusammengelegt. Wir sprachen mit Wolf Werner, Sportdirektor von Fortuna Düsseldorf, über Fluch und Segen der neuen Spielklasse.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Herr Werner, glauben Sie, dass die Vereine der Regionalligen ein Wettrüsten betreiben und es in der kommenden Saison ein Hauen und Stechen um die Qualifikationsplätze für die neue 3. Bundesliga geben wird?

Ja. Ein Wettrüsten birgt jedoch die Gefahr, dass man sich durch hohe Investitionen zwar sportlich für die neue 3. Liga qualifiziert, dann aber dann keine Lizenz erhält, weil man sich finanziell übernommen hat. Ich denke, dass jeder Verein versuchen wird, sich sportlich zu verbessern, dabei aber mit Vernunft handeln wird. Niemand wird vor der Saison seine finanziellen Grenzen überschreiten. Wenn es aber dann in der Saison nicht läuft, und wenn die eine oder andere Mannschaft hinter ihren Erwartungen zurückbleibt, muss man abwarten, wie die Verantwortlichen darauf reagieren werden. Da letztes Jahr schon fast 50% aller Trainer im Profibereich ausgetauscht wurden, gehe ich auch dieses Jahr davon aus, dass die Trainer wieder die Leidtragenden sein werden und es ausbaden müssen.



Was ist Ihr Ziel mit Fortuna Düsseldorf für die nächste Saison? Die Qualifikation für die 3. Liga, oder peilen Sie ganz klar den Aufstieg in Liga 2 an?

Den Aufstieg in die 2. Liga geben wir nicht vorbehaltlos als Zielstellung aus. Wir haben zwar einen sehr guten, aber keinen übermächtigen Kader zusammengestellt. Wir hoffen, im oberen Bereich mitzuspielen, und mit ein oder zwei zusätzlichen Verstärkungen traue ich der Mannschaft auch sehr wohl zu, sich dort zu etablieren. Die Zielvorgabe Aufstieg wäre nach der unbefriedigenden Rückrunde in der letzten Saison allerdings vermessen.

Unternehmen auch Sie in diesem Jahr besondere finanzielle Anstrengungen, um Ihr Ziel zu erreichen?

Bis dato kaum, wir versuchen aber noch, ein oder zwei herausragende Spieler zu verpflichten. Das wäre dann ein Mehr an Investitionen. Wenn wir den Kader noch verstärken, dann werden wir das mit Spielern tun, die mindestens Zweitliganiveau haben.

Wird das die wichtigste Saison in der Düsseldorfer Vereinsgeschichte?

In der gesamten Vereinsgeschichte mit Sicherheit nicht, dafür hat die Fortuna viel zu viel Tradition und lange Jahre in der ersten Liga gespielt. Aber um nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten oder gar in die 4. Liga abgeleiten, wird die kommende Saison schon eine sehr bedeutungsvolle Spielzeit - nicht nur für die Fortuna, sondern für alle Traditionsvereine in der Regionalliga.

Haben Sie auch Befürchtungen, dass Sie durch die erhöhten Investitionen bei den Konkurrenten einen Qualifikationsplatz verpassen könnten? Holstein Kiel ist ja ein warnendes Beispiel, wie man mit großen Erwartungen und Budget in die Saison gehen kann und dann scheitert.

Die Kieler sind mit der Ansage in die Saison gestartet, aufsteigen zu wollen. So vermessen sind wir nicht. Wir wollen uns relativ souverän für die 3. Liga qualifizieren. Wir hoffen natürlich, gut aus den Startlöchern zu kommen, und dann vorne mitspielen zu können. Aber dafür bedarf es wie gesagt noch ein oder zwei Verstärkungen. Die Jungs, die bisher aus der Oberliga und aus der Regionalliga zu uns gestoßen sind, waren in ihren Mannschaften alles herausragende Spieler. Wir sind also selbstbewusst, aber der Ball muss erstmal gespielt werden.

Wer sind Ihre Aufstiegfavoriten für die kommende Regionalligasaison?


Das ist schwer zu sagen. Das sind sicher die Zweitligaabsteiger Rot-Weiss Essen und Eintracht Braunschweig zu nennen, und es wird auch sicher wieder eine Überraschungsmannschaft geben. Es wird sich zeigen, wie sich die Saison entwickelt und ob sich die Etablierten so durchsetzen werden, wie sie es hoffen.

Ist die neue Spielklasse ein Fortschritt?

Als damals die 2. Liga ins Leben gerufen wurde, wurde auch von vielen Leuten schwarz gemalt, doch letztendlich ist nichts passiert. Ich bin optimistisch, dass sich auch diese 3. Liga einspielen, und zu einer guten Liga im deutschen Fußball werden wird. Die sportliche Qualität wird steigen, weil dann nur die 20 besten von 37 Vereinen dabei sind. Es findet also eine Spitzenkonzentration nach oben statt. Das erhöht eindeutig die sportliche Qualität. Man muss seinen Kader dann zwar verstärken, aber durch den Wegfall von 17 Vereinen wird auch eine Vielzahl von Spielern frei, die unbedingt 3. Liga spielen wollen und es sportlich auch können.

Und finanziell?

Die neue Liga wird sicherlich ein finanzieller Kraftakt. Doch es ist auch noch nicht einmal klar, wie hoch die Fernsehgelder sein werden. Das muss alles noch festgelegt werden.

Warum gibt es die 3.Liga eigentlich?


Die Initiative ging von den Traditionsmannschaften wie Düsseldorf, Osnabrück, Lübeck und Braunschweig aus. Diese Vereine waren unzufrieden mit der zweigleisigen Regionalliga, vor allem mit der Tatsache, dass immer mehr zweite Mannschaften der Profivereine in den Regionalligen gespielt haben. In den anfänglichen Überlegungen war sogar vorgesehen, die Meisterschaft dieser Liga gänzlich ohne Reserveteams auszutragen. Doch dagegen wurde erfolgreich interveniert.

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