03.03.2008

Wolf-Dieter Ahlenfelder im Interview

„Dr. Merk ist amtsmüde“

Alle hatten es gesehen, und auch Markus Merk musste es auf der Videowand erkennen: Das 1:0 von Werder gegen den BVB war abseits. Über diese beklemmende Szene sprachen wir mit Schiri-Fossil Wolf-Dieter Ahlenfelder.

Interview: Fabian Jonas Bild: imago

Herr Ahlenfelder, wie beurteilen Sie die Fehlentscheidung von Markus Merk vor dem 1:0 von Bremen gegen den BVB am Wochenende?

Was soll der altehrwürdige Ahlenfelder dazu sagen? Man ist ja beim DFB der Meinung, ein vierter Schiedsrichter würde alle Probleme lösen und alles sehen, was er aber gar nicht kann, weil er ebenerdig neben dem Platz sitzt. Was ich auch nicht verstehen kann ist, dass unsere Linienrichter so katastrophal urteilen. Bei Dr. Merk habe ich das Gefühl, dass er amtsmüde geworden ist. Er ist auf dem absteigenden Ast und hat jetzt schon manche Dinger in den Sand gesetzt. Das muss aber der DFB wissen.



Immerhin hat er seinen Fehler sehr freimütig eingeräumt.

Was ich auch nicht gut finde, ist, was Franz Beckenbauer gestern gesagt hat: »Fehler gibt man nicht zu.« So ein Quatsch. Man steht dazu, und der Fall ist erledigt. Wenn ich so eine Entscheidung treffe, dann kann ich nicht eine halbe Stunde später sagen: Oh, es tut mir leid. Wenn man ganz ehrlich ist, muss der Verein sagen: »Da protestieren wir dagegen.« Dann muss das Spiel wiederholt werden. Das war schon sehr gravierend in Bremen, das muss ein Linienrichter sehen.

Ist der Schiedsrichter denn heute der letzte Idiot, weil er der einzige ist, der die Technik nicht zur Verfügung hat?


Ich bin contra Technik. Wann soll denn ein Spiel mit Videobeweis zu Ende sein, wenn Sie 33 Mal auf den Bildschirm gucken müssen. Das ist doch Quatsch. Eins steht aber fest: Dieser sagenhafte Trainer Doll, der heißt ja nicht nur so, der ist auch doll in der Birne. Wenn der über jede Schiedsrichterentscheidung motzt und mault, dann muss er damit rechnen, dass die Schiedsrichter contra sind. Da kriegt er nämlich was auf die Nuss, das ist so, dafür sind wir Menschen. Der Doll selber soll doch mal ein Spiel pfeifen, das schafft er nicht – nach zehn Minuten würde er aus dem Stadion laufen. So einfach ist das nicht.

Es hatte fast jeder im Stadion gesehen, dass Markus Rosenberg bei seinem 1:0 im Abseits stand.


Dem Dr. Merk zu unterstellen, der mache das absichtlich, ist eine Unverschämtheit. Und die vom Fernsehen haben es ja leicht, zu entscheiden, ob es Abseits war oder nicht. Der Schiedsrichter hat diese Möglichkeiten nicht. Aber es stimmt schon, die Schiedsrichterleistungen in der Bundesliga hängen zur Zeit ganz schön im Graben.

Was glauben Sie, woran das liegt?

Ich weiß es auch nicht. Entweder verlangt man zuviel von den Jungs, und die Funktionäre sind mal wieder dull im Kopf – oder es herrscht ein Konkurrenzkampf, vor allem bei den Linienrichtern. Denn besonders die Linienrichter zeigen ja schlechte Leistungen. Vielleicht liegt es daran, dass die Linienrichter Hauptschiedsrichter werden wollen, denn da sind ja welche dabei, die sind nur noch Assistenten, die pfeifen kein einziges Spiel mehr selber. Auf jeden Fall sind die Leistungen äußerst fahrig.

Meinen Sie bestimmte Kollegen?


Ich habe da ein paar Namen im Kopf, da fällt mir nichts mehr ein, zum Beispiel Michael Weiner. Wenn der angekündigt wird, sage ich zu meiner Frau schon: »Der Skandal ist perfekt.« Und nach dreißig Minuten ist es schon passiert. Wenn die das Zeug dazu nicht haben, dann sollte man die  rausnehmen. Entweder man kann es, oder man kann es nicht. Und über mich hat man gesagt: der Ahlenfelder kann es! Vielleicht war ich begnadet, der liebe Gott hat mir dieses Talent gegeben.

Was fehlt denn den heutigen Schiedsrichtern?


Ein eigenes Ego, Ausstrahlung. Und nicht diese Arroganz, die viele an den Tag legen. Entschuldigen Sie bitte, aber für jeden Scheißdreck gibt es heute eine gelbe Karte, was soll der Quatsch denn? Und wenn einer das Wadenbein eingetreten bekommt, gibt es nicht mal Gelb. Irgendwas stimmt doch da nicht. Das muss doch an der Schulung der Schiedsrichter liegen, denn so schwierig ist es doch nicht.

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