Wolf-Dieter Ahlenfelder im Interview

„Dr. Merk ist amtsmüde“

Alle hatten es gesehen, und auch Markus Merk musste es auf der Videowand erkennen: Das 1:0 von Werder gegen den BVB war abseits. Über diese beklemmende Szene sprachen wir mit Schiri-Fossil Wolf-Dieter Ahlenfelder.

Herr Ahlenfelder, wie beurteilen Sie die Fehlentscheidung von Markus Merk vor dem 1:0 von Bremen gegen den BVB am Wochenende?

Was soll der altehrwürdige Ahlenfelder dazu sagen? Man ist ja beim DFB der Meinung, ein vierter Schiedsrichter würde alle Probleme lösen und alles sehen, was er aber gar nicht kann, weil er ebenerdig neben dem Platz sitzt. Was ich auch nicht verstehen kann ist, dass unsere Linienrichter so katastrophal urteilen. Bei Dr. Merk habe ich das Gefühl, dass er amtsmüde geworden ist. Er ist auf dem absteigenden Ast und hat jetzt schon manche Dinger in den Sand gesetzt. Das muss aber der DFB wissen.

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Immerhin hat er seinen Fehler sehr freimütig eingeräumt.

Was ich auch nicht gut finde, ist, was Franz Beckenbauer gestern gesagt hat: »Fehler gibt man nicht zu.« So ein Quatsch. Man steht dazu, und der Fall ist erledigt. Wenn ich so eine Entscheidung treffe, dann kann ich nicht eine halbe Stunde später sagen: Oh, es tut mir leid. Wenn man ganz ehrlich ist, muss der Verein sagen: »Da protestieren wir dagegen.« Dann muss das Spiel wiederholt werden. Das war schon sehr gravierend in Bremen, das muss ein Linienrichter sehen.

Ist der Schiedsrichter denn heute der letzte Idiot, weil er der einzige ist, der die Technik nicht zur Verfügung hat?


Ich bin contra Technik. Wann soll denn ein Spiel mit Videobeweis zu Ende sein, wenn Sie 33 Mal auf den Bildschirm gucken müssen. Das ist doch Quatsch. Eins steht aber fest: Dieser sagenhafte Trainer Doll, der heißt ja nicht nur so, der ist auch doll in der Birne. Wenn der über jede Schiedsrichterentscheidung motzt und mault, dann muss er damit rechnen, dass die Schiedsrichter contra sind. Da kriegt er nämlich was auf die Nuss, das ist so, dafür sind wir Menschen. Der Doll selber soll doch mal ein Spiel pfeifen, das schafft er nicht – nach zehn Minuten würde er aus dem Stadion laufen. So einfach ist das nicht.

Es hatte fast jeder im Stadion gesehen, dass Markus Rosenberg bei seinem 1:0 im Abseits stand.


Dem Dr. Merk zu unterstellen, der mache das absichtlich, ist eine Unverschämtheit. Und die vom Fernsehen haben es ja leicht, zu entscheiden, ob es Abseits war oder nicht. Der Schiedsrichter hat diese Möglichkeiten nicht. Aber es stimmt schon, die Schiedsrichterleistungen in der Bundesliga hängen zur Zeit ganz schön im Graben.

Was glauben Sie, woran das liegt?

Ich weiß es auch nicht. Entweder verlangt man zuviel von den Jungs, und die Funktionäre sind mal wieder dull im Kopf – oder es herrscht ein Konkurrenzkampf, vor allem bei den Linienrichtern. Denn besonders die Linienrichter zeigen ja schlechte Leistungen. Vielleicht liegt es daran, dass die Linienrichter Hauptschiedsrichter werden wollen, denn da sind ja welche dabei, die sind nur noch Assistenten, die pfeifen kein einziges Spiel mehr selber. Auf jeden Fall sind die Leistungen äußerst fahrig.

Meinen Sie bestimmte Kollegen?


Ich habe da ein paar Namen im Kopf, da fällt mir nichts mehr ein, zum Beispiel Michael Weiner. Wenn der angekündigt wird, sage ich zu meiner Frau schon: »Der Skandal ist perfekt.« Und nach dreißig Minuten ist es schon passiert. Wenn die das Zeug dazu nicht haben, dann sollte man die  rausnehmen. Entweder man kann es, oder man kann es nicht. Und über mich hat man gesagt: der Ahlenfelder kann es! Vielleicht war ich begnadet, der liebe Gott hat mir dieses Talent gegeben.

Was fehlt denn den heutigen Schiedsrichtern?


Ein eigenes Ego, Ausstrahlung. Und nicht diese Arroganz, die viele an den Tag legen. Entschuldigen Sie bitte, aber für jeden Scheißdreck gibt es heute eine gelbe Karte, was soll der Quatsch denn? Und wenn einer das Wadenbein eingetreten bekommt, gibt es nicht mal Gelb. Irgendwas stimmt doch da nicht. Das muss doch an der Schulung der Schiedsrichter liegen, denn so schwierig ist es doch nicht.

Was würden Sie denn den heutigen Schiedsrichtern empfehlen?

Man muss einfach einen schönen Mittelweg finden, auf den Spieler zugehen und klarstellen: »Leute, so geht es nicht,  Ihr müsst sauber bleiben und anständig.« Man muss den Spieler ansprechen. Das fing schon zu meiner Zeit an, dass manche sagten, als Schiedsrichter solle man nicht mit den Spielern reden – so ein Blödsinn. Als Schiedsrichter muss ich mit dem Spieler reden und ihn auf seine Fehler aufmerksam machen. Und zum Trainer muss ich eben sagen: »Bleib sitzen, und reg dich nicht auf!« Aber das darf heute eben alles nicht mehr sein –und jetzt kommt eben die Quittung.

Aber Markus Merk ist ja ein sehr erfahrener Schiedsrichter...

Ja natürlich! Er war auch nicht umsonst drei Mal Weltschiedsrichter – er hat es ja drauf, auch menschlich, ich kenne ihn ja persönlich. Das war eine ganz doofe Entscheidung, aber wenn der Doll sich aufregt und schreit, der Schiedsrichter habe den Dortmundern ein Tor geklaut, was soll das denn? Der Dortmunder (Petric; die Red.) foult den Bremer Spieler (Owomoyela), und dann fällt das Tor. Was soll Merk denn da machen? Das Bundesverdienstkreuz rausholen? Dafür ist auch ein Trainer zuständig und muss auf die Spieler zugehen und sagen: »Jetzt reißt Euch mal zusammen.« Aber was macht Doll? Er hackt auf dem Schiedsrichter rum. Wenn ich Präsident wäre, hätte ich ihn schon längst in die Wüste geschickt, denn das  kann nicht gut gehen.

An Markus Merks Stelle: Hätten Sie auf die Videoleinwand geguckt?

Natürlich, man muss ja auch gegen sich selbst urteilen können. Ich war Messdiener und man sagt ja im katholischen Glauben gerne: »Mea culpa, es ist meine Schuld.« Man sollte nicht immer alles auf die anderen schieben, aber was soll Markus Merk machen, wenn er so einen Linienrichter hat. Natürlich hätte er ihn überstimmen können, aber wahrscheinlich hat er es auch nicht gut genug gesehen, und letztlich ging es ja auch nur um Zentimeter. Er waren ja keine drei Meter Abseits, da muss man die Kirche auch mal im Dorf lassen.

Das werden die Dortmunder anders sehen.

Dortmund hat verloren, gut, aber Werder war ja auch die bessere Mannschaft. Der Fall ist erledigt. Unterm Strich gleicht sich das alles sowieso wieder aus, nach der Saison ist wieder alles pari pari. Das ist wie bei Skat, mal bist du Gewinner, mal Verlierer. Oder beim Pokalspiel Bayern gegen 1860. Da gibt der Schiedsrichter den ersten Elfmeter nicht, da führt kein Weg dran vorbei. Der packt dem ins Gesicht und reißt ihn runter, das ist eine klare Tätlichkeit. Warum gibt der den Elfmeter nicht? Der zweite war dann Wiedergutmachung, den muss ich nicht geben. An solchen Entscheidungen ziehen sich die Spieler auch hoch, wenn so was nicht gepfiffen wird, beginnen sie sofort zu hacken, dann gehen sie auf die Socken und bauen ihren Frust ab. Und da hat der Schiedsrichter dann schlechte Karten.

Woran liegt das, dass die Schiedsrichter heute solche Probleme bekommen?

An der Mentalität der Menschen. Schon zu meiner Zeit wurden die Schiedsrichter immer hochnäsiger, aber das war noch alles im Rahmen. Ich habe früher für 24 Mark gepfiffen, am Ende für 72 Mark. Aber ich war zufrieden. Heute kriegen sie pro Spiel 3000 Euro, aber ob sie zufrieden sind, weiß ich nicht. Vielleicht will die Frau zu Hause ja auch noch ein Nerzjäckchen und drängt deswegen, noch mehr Spiele zu pfeifen. Ich hatte Spaß am Pfeifen.



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