Wo landet Russland bei der WM, Sergej Kirjakow?

»2008 hat gezeigt, dass alles möglich ist«

In der Bundesliga sorgte Sergej Kirjakow beim Karlsruher SC, dem Hamburger SV und Tennis Borussia Berlin für Aufsehen. Eine WM-Teilnahme blieb dem Russen dennoch verwehrt. Nun blickt er auf die Chancen seiner Landsmänner.

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Sergej Kirjakow, heute startet das russische Team gegen Südkorea ins Turnier. Was halten Sie von ihm?
Es ist sehr erfahren und eingespielt. Viele Spieler müssen dieses Mal Gas geben, weil es für sie die letzte Chance ist, auf einer großen Bühne etwas zu erreichen. Leute wie Alexander Kerschakow haben Erfahrung im Ausland gesammelt. Aber mittlerweile spielen nahezu alle Spieler in der russischen Liga.

Sie sprechen den Stürmer Kerschakow an. Er wirkte zuletzt nicht mehr in bester Verfassung.
In den letzten Qualifikationsspielen hat Alexander Kokorin gespielt, ein junger Mann von Dynamo Moskau. Kerschakow saß häufiger auf der Bank. Kokorin gefällt mir, ein junger, hungriger Stürmer. Er kann gut dribbeln, ist flink auf den Beinen. Aber ich sehe ihn eher auf dem Flügel und dafür Kerschakow im Zentrum. Aber Trainer Fabio Capello stellt anders auf.

Was halten Sie von Capello?
Tja, er ist nun einmal Italiener und legt Wert auf die Defensive. Erst einmal gut organisieren, dann vorne zuschlagen. Im Spiel gegen Portugal hat das gut funktioniert, die Mannschaft hat 1:0 gewonnen. Insgesamt stand sie sehr sicher und ließ in der Qualifikation nur fünf Gegentore zu. Der Erfolg gibt Capello also bislang recht.

Auf welche Spieler wird es bei der russischen Nationalmannschaft ankommen?
Roman Schirokow war so etwas wie der verlängerte Arm von Capello im Mittelfeld. Er hatte zwar in seinem Verein einige Probleme mit der Führung, aber blieb trotzdem eine zentrale Figur der Nationalmannschaft. Umso bitterer ist, dass er wegen einer Achillessehnenverletzung die WM absagen musste. Sehr wichtig ist für mich Igor Denissow, er gibt den kompromisslosen Abräumer vor der Abwehr. Der Junge gewinnt von zehn Zweikämpfen mindestens acht. Ein richtiger Kämpfer, der seine Mitspieler pushen kann.

Was ist für Russland aus Ihrer Sicht drin bei dieser WM?
Die Belgier sind stark, aber Russland dürfte schon weiterkommen in dieser Gruppe. In der K.-o.-Phase ist alles möglich, das haben wir bei der EM 2008 gesehen. Damals haben wir selbst die Niederlande geschlagen und standen im Halbfinale gegen Spanien. Bei dieser WM muss man aber klar sagen: Das Viertelfinale wäre für Russland schon ein großer Erfolg.

Sie selbst haben sich 1994 um die Chance gebracht, bei einer WM dabei zu sein. Sie hatten sich mit dem Trainer überworfen.
Wir hatten mit Pawel Sadyrin einen Trainer der ganz alten Schule. Wir russischen Spieler, die im Ausland spielten, waren aber mehr Freigeister. Also stritten wir mit ihm, nicht nur über den Fußball, sondern über alles mögliche, den Umgang untereinander, das Trainingslager. Wir entschlossen uns, nicht mehr unter diesem Trainer zu spielen. Das war schade, weil wir wirklich eine gute Mannschaft hatten, aber es ging nun einmal gar nicht.

Bereuen Sie Ihre damalige Entscheidung?
Ja und nein. Jeder Spieler träumt davon, bei einer WM zu spielen. Wir hätten damals sehr viel erreichen können. Doch mit diesem Trainer war sowieso nicht viel drin, das war mir von vornherein klar. Die Bedingungen stimmten nicht. Manchmal waren wir in Hotels ohne Heizung, da musste ich mit Pudelmütze und Pullover schlafen. Die anderen Spieler murrten nicht, aber wir waren durch unsere Stationen im Ausland eine bessere Vorbereitung gewöhnt.

Sie spielten damals für den KSC. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?
Das war eine super Zeit, allein die Spiele im Europapokal vergesse ich nicht. Wir schlugen Valencia mit 7:0, das war Geschichte. Ich bin froh, dabei auch eine Rolle gespielt zu haben. Noch heute sprechen mich die Leute in Karlsruhe auf der Straße an. Sie fragen, wie es mir geht, lachen und freuen sich. Dafür spielt man Fußball, nicht bloß für Geld.

Später wechselten Sie nach Hamburg.
Ich hätte gerne noch länger für den KSC gespielt, aber der Trainer Jörg Berger plante nicht mehr mit mir. Frank Pagelsdorf holte mich nach Hamburg. Er hat an mich geglaubt und ich habe es ihm zurückgezahlt. Ich stand vor der Vertragsverlängerung beim HSV, als Winnie Schäfer anrief.

Seinerzeit Trainer bei Tennis Borussia.
Ja, da gab es große Versprechungen, dass der Verein in zwei Jahren in der Champions League spielen wollte. Große Stars wurden gekauft, aber die Mischung stimmte nicht. Und nach einem Jahr war kein Geld mehr da.

Ansgar Brinkmann erzählt aber gerne von rauschenden Festen mit Ihnen und Francisco Copado zur damaligen Zeit in Berlin.
(lacht) Jaja, der Ansgar hat gefeiert. Ich aber nicht, ich habe immer nur Fußball gespielt.

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