02.10.2013

WM 2022: Tritt Katar die Menschenrechte mit Füßen?

»Zwangsarbeiterähnliche Bedingungen«

Berichten des »Guardian« zufolge kommt es bei den Bauarbeiten für die WM 2022 in Katar vermehrt zu Todesfällen, die Rede ist von moderner Sklavenarbeit. Wir sprachen mit dem Wolfgang Buettner von Human Rights Watch über die erhobenen Vorwürfe, die Arbeitsbedingungen in Katar und die Rolle der Fifa.

Interview: Stephan Reich Bild: Imago

Wolfgang Buettner, der »Guardian« berichtet, dass bei den Bauarbeiten zur WM 2022 in Katar allein zwischen Juni und August 44 nepalesische Gastarbeiter zu Tode gekommen sind. Katar dementierte diese Zahl. Wo liegt die Wahrheit?
Wir von »Human Rights Watch« können die Ergebnisse des »Guardian« nur bestätigen. Bereits 2012 haben wir einen Bericht über Arbeitsmigranten in Katar verfasst, in dem es vornehmlich um deren Arbeitsbedingungen in den infrastrukturellen Bauprojekten rund um die WM ging. Es gab auch letztes Jahr schon Berichte von Arbeitsmigranten, die auf den Baustellen starben.

In der Presse war von »moderner Sklaverei« die Rede, Sharan Burrow, die Generalsekretärin des internationalen Gewerkschaftsbundes nannte Katar einen »Sklavenhändler-Staat«. Wie sind die Arbeitsbedingungen?
Es sind zwangsarbeiterähnliche Bedingungen. Den Arbeitsmigranten werden von den Arbeitgebern die Pässe weggenommen und sie können nicht mehr ausreisen. Es gibt immer wieder Berichte, dass die Gehälter nicht gezahlt werden. Ohnehin sind die Löhne sehr niedrig und die Arbeitsbedingungen sehr hart. Es muss in großer Hitze gearbeitet werden. Hinzu kommen sehr schlechte Bedingungen in den Unterkünften der Arbeiter. Von internationalen Arbeitsstandards ist das sehr weit entfernt.

Was hat es mit den sogenannten Vermittlungsgebühren auf sich?
Die Arbeiter kommen meist aus Südasien, Nepal, Indien, Pakistan, etc., und zahlen Vermittlungsgebühr, damit sie überhaupt an einen Job in Katar kommen. Dafür müssen viele von ihnen Kredite aufnehmen, umgerechnet bis zu 3500 Dollar. Das sind in ihren Heimatländern horrende Summen. Das Geld überhaupt aufzubringen, ist schon sehr schwierig. Wenn die Gebühr über einen Kredit finanziert wird, kommen noch hohe Zinsen dazu. Oft sind die Schulden dann so groß, dass sie nicht mehr zurückgezahlt werden können, geschweige denn, dass die Arbeiter einen Gewinn machen.

Gibt es keine behördliche Aufsicht?
Das Problem ist, dass die Unternehmen, die die Arbeiter ins Land bringen, ihnen auch gleichzeitig die Ausreise verweigern können. Wenn sich also ein Arbeiter an die Behörden wendet oder gar vor Gericht zieht, entsteht eine erpressungsartige Situation, in der der Arbeitgeber sagen kann: Entweder die Klage wird fallen gelassen, oder die Ausreiseerlaubnis wird nicht erteilt. Eine Problematik, die nicht nur die Arbeiter auf dem Bau betrifft, sondern auch Leute aus höheren Gehaltsschichten. Gerade erst einen Fußballer.

Einen Fußballer?
Ja, Zahir Belounis, ein französischer Fußballer, der in Katar spielte und nun festsitzt. Er hat gegen seinen Verein geklagt, weil ihm kein Gehalt gezahlt wurde. Aufgrund der Klage verweigert ihm der Verein nun das Ausreisevisum für ihn und seine Familie. Solange er die Klage nicht fallen lässt, sitzt Belounis fest.

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