17.05.2012

Wird das Relegationsspiel wiederholt?

»Hertha spricht von Schwächung und Todesangst«

Ist Fortuna aufgestiegen oder muss das Relegationsspiel wiederholt werden? Wir sprachen mit dem Juristen Adam Piechnik, Experte in Sport- und Veranstaltungsrecht, über Platzstürme, Pyrotechnik und Bierbecherwürfe.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago

Adam Piechnik, nach dem Platzsturm beim Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC wird über eine Wiederholung der Partie  diskutiert. Wird es dazu kommen?
Adam Piechnik: Es wird auf jeden Fall ein Ermittlungsverfahren des DFB geben. Das heißt, um Strafen wird Fortuna Düsseldorf wohl nicht herum kommen. Bis Donnerstag hat Hertha BSC darüber hinaus Zeit, einen Einspruch gegen die Wertung des Spiels einzulegen. Danach wird das DFB-Sportgericht entscheiden müssen, ob es zum Beispiel ein Wiederholungsspiel gibt. 


Hätte der Schiedsrichter das Spiel dafür nicht abbrechen müssen?
Adam Piechnik: Zumindest wäre dann die Argumentationslinie für Hertha einfacher. Zudem hätte man dann sogar darüber streiten können, ob das Spiel nicht sogar zugunsten der Hertha zu werten wäre. Der Schiedsrichter hat aber die Spielleitung und entscheidet nach eigenem Ermessen, ob er unterbricht oder abbricht. Ein Abbruch hat übrigens immer ultima ratio zu sein.

Wo sind also nun die Angriffspunkte?
Adam Piechnik: Auf Seiten der Hertha könnte argumentiert werden, dass die Mannschaft aufgrund der Umstände geschwächt war: Das heißt, wegen der direkt am Platz stehenden und später auch den Platz stürmenden Fans. So steht es auch in Paragraph 17 der Rechts- und Verfahrensordnung. Demnach kann ein Einspruch gegen die Spielwertung mit der Begründung erhoben werden, die Mannschaft wurde durch Umstände geschwächt, die nicht im direkten Zusammenhang mit dem Spiel selbst stehen. Bekannte Beispiele sind der Becher- oder Kassenrollenwurf am Hamburger Millerntor. In diese Richtung scheint mir auch die Argumentation Berlins zu zielen, wenn der Klub-Anwalt Christoph Schickhardt »Todesängste« bei den Spielern anführt.

Hertha-Spieler wurden aber nicht verletzt.
Adam Piechnik: Das muss keine Rolle spielen. Wie gesagt: Hertha wird vermutlich argumentieren, dass sie durch die Nähe der gegnerischen Fans mental geschwächt wurden. Sie werden nicht nur die Zeit nach dem Wiederanpfiff bewerten, sondern auch die Minuten vor dem Platzsturm. Denn die Fans standen bereits ab der 90. Minute direkt am Spielfeldrand. 


Wie will man das beweisen? Wird man die Spieler befragen?
Adam Piechnik: Womöglich. Zudem hat Hertha bereits gestern Abend das Fundament für diese Argumentationslinie gelegt. Nach dem Spiel gab es etwa keine Interviews von Spielern. Einzig Christian Lell äußerte sich kurz, wurde dann aber sofort von seinem Pressesprecher weggezogen. Nach dem Wiederanpfiff dauerte es zudem relativ lange, bis Herthas Spieler zurück auf den Platz kamen. Später hieß es von Vereinsseite, dass die Polizei die Spieler zum Weiterspielen gedrängt habe, weil sonst eine blutige Schlacht drohe. Was genau in den Katakomben vor sich ging, weiß ich allerdings nicht. Das wird geklärt werden müssen, falls Berlin Einspruch einlegt.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden