04.07.2014

Wird das noch was, Herr Müller?

»Wir müssen uns nicht entschuldigen«

Thomas Müller kontert vor dem Viertelfinale gegen Frankreich die Kritik am deutschen Spiel, verteidigt Mertesackers Reaktion und zeigt sich genervt von unrealistischen Erwartungen.

Interview: Michael Rosentritt Bild: Imago

Herr Müller, rechnen Sie nach dem holprigen Algerienspiel mit einer Trotzreaktion gegen Frankreich?
Trotzreaktion? Ich weiß nicht. Offenbar gibt es unterschiedliche Sichtweisen, was das Spiel anbelangt. Ich kann ja mal für euch das Spiel betrachten.

Bitte, sehr gern.
Die erste Halbzeit war nicht das, was wir uns vorstellen. Wir hatten zu viele Ballverluste, was automatisch dazu führte, dass wir Probleme bei den Gegenstößen bekamen. Schnelle Ballverluste machen es dem Gegner immer relativ leicht. In dieser Phase gab es ein paar Szenen, in denen wir einen guten Manu...

... Torwart Manuel Neuer ...
... ja, wo wir ihn gebraucht haben und auch ein bisschen Glück hatten. Aber mit Beginn der zweiten Halbzeit waren wir spielbestimmend. Wir hatten eine Vielzahl von guten Torchancen, die man - um anschließend keine Diskussionen zu haben - einfach mal machen muss. Wenn wir das Spiel nach 90 Minuten mit 2:0 gewinnen, dann hätten wir nicht so ein kleines Theater, wie wir es jetzt haben. Aus unserer Sicht zumindest.

Wie ist denn die Sicht der Mannschaft? Fühlt sie sich ungerecht behandelt?
So will ich das nicht sagen. Aber sehen Sie, wir haben richtig Gas gegeben, wir haben uns auch nicht von den vergebenen Torchancen unterkriegen lassen. Wir haben bis auf ein, zwei Wackler wirklich ab der zweiten Halbzeit eine ordentliche Leistung gebracht. Wir waren in der Verlängerung spielbestimmend und haben dann zwei Tore gemacht.

Und eins bekommen.
Dass wir dann noch das Gegentor kriegen, ist ein kleiner Wermutstropfen. Das hat dann wohl wieder eine Schwachstelle aufgezeigt, wegen der man aber nicht sagen kann, dass der Sieg letzten Endes souverän war. Das sorgt dann für eine negative Sichtweise.

Halten Sie die Kritik für überzogen?
Die Kritik ist nicht überzogen. Die Art und Weise, wie sie rübergebracht wird, ist die falsche.

Zum Beispiel?
Was zum Beispiel soll die Frage nach einer Wiedergutmachung? Wiedergutmachung wofür? Wir sind in die nächste Runde gekommen. Noch einmal: Dass die erste Halbzeit nix war, wissen wir selbst. Und die inhaltliche Kritik, dass wir Fehler gemacht haben, die nehmen wir gerne an. Aber wir haben uns 120 Minuten lang den Arsch aufgerissen und ein Spiel, das eng war, auch gewonnen.

Wir erklären Sie sich die massive Kritik?
Ich denke, es hat viel mit dem Namen des Gegners zu tun, der nicht so groß ist. Und dann gibt es plötzlich eine Kluft zwischen der allgemeinen Erwartung und dem tatsächlichen Spiel.

Können Sie das nicht verstehen?
Ich habe irgendwo gelesen, dass 15 der 23 algerischen Spieler in Frankreich geboren sind. Die haben dort das Fußballspielen gelernt. Da sind auch beste Bedingungen. Ich denke also nicht, dass wir - wie Per Mertesacker schon richtig gesagt hat - gegen eine Karnevalstruppe gespielt haben. Natürlich ist unser Anspruch, gegen Algerien zu gewinnen. Das haben wir auch getan, auch wenn es über Umwege war. Aber ich finde, man sollte nach dem Spiel nicht das Gefühl haben, dass wir uns entschuldigen müssen.

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