Wird Argentinien Weltmeister, Rodolfo Cardoso?

»Man kann schon ins Träumen geraten«

Seit Carlos Tevez nicht mehr in der argentinischen Nationalelf spielt, wirkt Lionel Messi weniger gehemmt. Kann er Argentinien beim verhassten Nachbarn zum WM-Titel schießen? Rodolfo Cardoso über eine traumhafte Offensive, das 0:4 gegen Deutschland und Diego Simeones Nationalcoach-Ambitionen.

Rodolfo Cardoso, welche Argumente sprechen für die These: »Argentinien wird Weltmeister«?
Wenn man die Namen unserer Offensivspieler liest, kann man schon ins Träumen geraten. Da stellt sich manchmal sogar die Frage, welcher dieser Weltklassespieler nicht auflaufen soll. Ein echtes Luxusproblem. Allerdings mache ich mir über andere Mannschaftsbereichen große Sorgen. Deswegen würde ich Ihre These nicht unterschreiben.
 
Welcher Mannschaftsteil ist die größte Schwachstelle?
Zwar hat sich die Albiceleste in der Defensive verbessert, nicht zuletzt weil Stammkräfte wie Ezequiel Garay, Frederico Fernandez und Javier Mascherano bei europäischen Topklubs spielen, aber ihnen fehlen gleichwertige Nebenleute.

Das alte Lied der argentinischen Mannschaft: Vorne hui, hinten pfui!
Das ist drastisch formuliert, aber anders als in der Offensive fehlt in der Defensive eine klare Stammformation. Viele potentielle Spieler waren zudem während der Saison verletzt oder laufen ihrer Form hinterher. Das bereitet mir Sorgen.
 
Über Messi, Argüero, Di Maria und Co. spricht jeder. Wer wird die Entdeckung im Kader der Argentinier?
Vielleicht Lucas Biglia von Lazio Rom.

Die ehemaligen Nationaltrainer Diego Maradona und Sergio Batista setzten alles auf die Offensive. Die Defensive wirkte mitunter chaotisch und überfordert. Hat sich die Mannschaft unter Trainer Alejandro Sabella weiterentwickelt?
Ich kenne Alejandro Sabella, weil er mein Co-Trainer in der Nationalmannschaft war. Er ist ein bodenständiger Typ, der sich nicht über die Mannschaft stellt. Er arbeitet akribisch und hat eine Fähigkeit, die Maradona und Batista in ihrer Amtszeit vermissen ließen.
 
Welche ist das?
Er schaut auf den Gegner und stellt seine Mannschaft taktisch perfekt ein. In der Vergangenheit hat die argentinische Mannschaft sich zu oft auf seine eigenen Stärken verlassen. Was daraus werden kann, hat man beim WM-Viertelfinale 2010 gegen Deutschland gesehen. Das 0:4 war eine ganz dunkle Stunde.
 
Sabella machte sich nicht nur Freunde. So berücksichtigt er seit seinem Amtsantritt Carlos Tevez nicht mehr für die Nationalmannschaft.
Wenn ein Trainer so einen super Spieler ignoriert, muss etwas Schwerwiegendes vorgefallen sein. Da ich die Fakten aber nicht kenne, möchte ich das nicht kommentieren.
 
Seitdem Tevez keine Rolle mehr spielt, wirkt auch Lionel Messi in der Nationalmannschaft weniger gehemmt. Sehen wir bei der WM den Messi, den wir vom FC Barcelona kennen?
Er macht gerade bei Barca eine schwierige Zeit durch, aber ich glaube daran, dass er dieser WM seinen Stempel aufdrücken kann. Dennoch ist Messi nicht der Alleinunterhalter im argentinischen Team. Er ist nur ein sehr wichtiger Faktor, der das Spiel der Argentinier flexibler macht. Aber nur als Mannschaft kann die Albiceleste bei der WM ein Wörtchen um den Titel mitreden.
 
Wie hoch ist der Druck auf die Mannschaft, mal wieder ernsthaft um den Titel mitzuspielen?
Der Gewinn des Titels beim Nachbarn Brasilien wäre natürlich ein historischer Erfolg. Für die Spieler und für das Land. Und natürlich wollen die Fans nach den letzten beiden enttäuschenden Turnieren auch wieder begeisternden Fußball sehen. Ich wünsche mir, dass Argentinien es vielleicht bis ins Finale schafft. Auch wegen meines Freundes Claudio Gugnali.
 
Wem?
Er ist der Co-Trainer von Alejandro Sabella – und meine Nachbar in Argentinien. Wir haben oft über die Nationalmannschaft gesprochen und ich weiß, wie akribisch sich das Trainerteam auf dieses Turnier vorbereitet. Deswegen wünsche ich ihnen, dass es ein Erfolg wird.

Derzeit sorgt der Diego Simeone als Trainer von Atletico Madrid für Furore: Ist er für Sie der argentinische Nationaltrainer der Zukunft?
Diego war schon als Spieler ein Vorbild und auch als Trainer hat er sich in Argentinien und Europa bereits einen Namen gemacht. Ich könnte mir schon vorstellen, dass er eines Tages die Nationalmannschaft trainieren wird. Ob das in naher Zukunft geschehen wird, ist aber auch abhängig vom Erfolg der Mannschaft in Brasilien.

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