»Wir tragen die Altlasten«

Ulms Sascha Rösler im Interview

Sascha Rösler kann mit seinen bald 30 Jahren zwischen Traum und Realität unterscheiden. Zwar reizt den Mittelfeldspieler die Englische Liga, doch eigentlich will er mit Borussia Mönchengladbach nur schnell den Wiederaufstieg schaffen. Imago

Herr Rösler, in der vergangenen Saison haben Sie noch bei Alemannia Aachen gespielt. Erinnern wir uns noch einmal an den vorletzten Spieltag. Nach der Partie gegen Wolfsburg gaben Sie fassungslos zu Protokoll: Wenn ich den erwische, der dieses Drehbuch geschrieben hat, dem hau ich auf die Fresse.“ Warum musste die Alemannia absteigen?

Schwer zu sagen. Acht Spieltage vor Schluss hatten wir bereits 33 Punkte, alles sah nach dem gesicherten Klassenerhalt aus. Dann begann diese Negativserie und es wurde zur Kopfsache, wo wir am Ende dem Druck einfach nicht Stand hielten, unglücklich die Spiele Preis gaben. An das Wolfsburg-Spiel möchte ich gar nicht mehr denken. Wir haben es in den vorherigen Spielen verpasst, den Sack einfach zu zumachen. Das war sehr traurig. Sicherlich hatten wir obendrein Verletzungspech, was wir einfach nicht ausgleichen konnten wie andere Vereine.

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Jetzt stehen Sie bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag. Ist Ihnen der Abschied aus Aachen schwer gefallen?


Der Abschied fiel mir sehr schwer, denn es waren zwei sehr schöne Jahre. Die Leute in Aachen konnten sich mit meiner Spielweise identifizieren. Ich habe mich auf jedes Heimspiel irrsinnig gefreut. Der Tivoli ist ein Kultstadion. Im Fußball muss man jedoch auch einfach Entscheidungen treffen, mit denen die Fans nicht einverstanden sind. Ich muss auch schauen, was nach der Karriere mit mir geschieht, da konnte Aachen finanziell einfach nicht mithalten.

Man ist aber nicht im Streit auseinander gegangen?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe Jörg Schmadtke meine Entscheidung sehr früh mitgeteilt. Unser Verhältnis ist auch weiterhin ein sehr gutes, und er versteht mich. Natürlich waren einige Fans sauer, dass ich nach Gladbach gegangen bin, und ich kann sie verstehen. Dann gilt man natürlich als Verräter. Damit muss ich leben. Jedoch war ein Wechsel unumgänglich, als wir abstiegen.

Sie sind mit bald 200 Spielen ein sehr erfahrener Zweitligaspieler, Borussia Mönchengladbach möchte unbedingt zurück in die 1. Liga. Haben sich die Borussia und Sascha Rösler also zum richtigen Zeitpunkt gesucht und gefunden?

Es war schon ein guter Zeitpunkt, den Schritt zu gehen. Aber ich hätte auch nichts dagegen gehabt, zu Gladbach in die erste Liga zu wechseln. Jos Luhukay und Christian Ziege haben einen erfahrenen Spieler gesucht. Und auch für mich war die Borussia einfach die beste Adresse.

Angebote aus der Bundesliga gab es keine?

Es gab zwei, drei Vereine. Nur, das Problem ist, dass ich ziemlich schnell auf die 30 zugehe. Aus diesem Grund musste ich an gewissen Punkten auch den finanziellen Aspekt in den Vordergrund stellen. Hoffenheim legte die Messlatte zwar sehr hoch, doch Gladbach wollte mich unbedingt, und ich bin sehr froh, mich dafür entschieden zu haben.

Hoffenheim hatte nicht nur das meiste Geld, auch Ihr alter Wegbegleiter Ralf Rangnick ist dort als Trainer beschäftigt. Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gegen Hoffenheim wirklich gefallen?

Ralf Rangnick war in Ulm mein erster Trainer, eine Art Ziehvater, dem ich sehr viel zu verdanken habe. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. In meiner Situation war die Absage an Hoffenheim eine Bauchentscheidung. Ich entscheide immer aus dem Bauch heraus. Es war einfach kein gutes Gefühl dabei, ich weiß beim besten Willen auch nicht warum.

Und was hat letztlich den Ausschlag für Gladbach gegeben?

Ich habe mich bei Vertragsgesprächen selten so lange mit einem Trainer unterhalten wie mit Jos Luhukay. Das war sehr angenehm. Es ist mir wichtig, die Philosophie des Trainers zu teilen. Auch im tollen Gladbacher Nordpark vor 45000 Zuschauern bei einem Traditionsverein zu spielen. Darüber hinaus konnte ich in Aachen bei meiner Freundin wohnen bleiben. Das sind ebenso alles Ausschlag gebende Kleinigkeiten, warum ich nach Gladbach wollte.

Welche Philosophie teilen Jos Luhukay und Sascha Rösler?

Er ist ein Trainer, der in jeder Sekunde den Spaß am Fußball vermitteln will. Erfolg kommt von Freude. Seine Philosophie ist der Offensiv-Fußball. Wir wollen Chancen kreieren, den Gegner durch ein 4-3-3 oder 4-4-2 vorne attackieren. Agieren, nicht reagieren. Das ist genau das, was ich mir unter Fußball vorstelle.

In Ihrer ersten Saison sind Sie gleich zum stellvertretenden Kapitän gewählt worden. Wie erklären Sie sich als Neuzugang dieses Vertrauen der Mannschaft?

Nach etwa einem Monat Vorbereitung berief Jos Luhukay die Kapitäne sowie zusätzlich Patrick Paauwe und Kasper Bögelund in den Mannschaftsrat. Aufgrund der vielen Ab- und Neuzugänge waren wir vor Trainingsbeginn eine tüchtig zusammen gewürfelte Mannschaft, in der sich natürlich dieses Jahr unumgänglich eine neue Hierarchie bilden sollte und musste. Ich konnte mich in den ersten Wochen super integrieren, die Mannschaft hat mich toll aufgenommen. Durch meine Leistungen im Training und bei den Testspielen, merkte man, dass ich vorangehe und in das Profil eines Führungsspielers passe. Mit 29 Jahren bringe ich außerdem ein gewisses Alter und die Erfahrung mit.

Sehen Sie sich als Bindeglied zwischen den vielen Jungspunden und den etablierten Profis im Kader?

Wir haben unheimlich talentierte Jungs. Ein paar kannte ich vorher noch gar nicht, aber schon nach den ersten Wochen sah man, dass sie sehr viel Potential mitbringen. Es ist natürlich wichtig, den Talenten Unterstützung zu geben. In diesen jungen Jahren fallen sie immer wieder in ein Loch, sie können auch körperlich noch gar nicht in der Verfassung sein, beständig Höchstleistung zu bringen. Das ist ja ganz normal.

Schleicht sich bei diesen Jungs zu früh eine gewisse Selbstzufriedenheit ein?

Wenn es gut läuft, tendieren junge Spieler ja immer mal dazu, schnell abzuheben, vieles ein bisschen lässig und locker zu nehmen, und unbewusst einiges schleifen zu lassen. Ihnen muss ehrlich ins Gesicht gesagt werden, was Sache ist, und worauf es ankommt. Wobei Sie dabei jederzeit zu den Erfahrenen kommen können.

Müssen Sie in Gladbach viele solcher Gespräche führen?

In anderen Mannschaften habe ich erlebt, dass junge Spieler denken, schon irgendetwas erreicht zu haben. Beispielsweise wenn es darum geht, im Training Sachen zu tragen. Aber bei uns benehmen sich die Jungs derart vorbildlich. Da gibt es überhaupt keine Reizpunkte.

In einer anderen Fußballzeitrechnung beherrschten die Fohlen“ die Bundesliga mit fantastischem Fußball. Der Geist dieser Ära umweht weiterhin den Niederrhein. Geblieben sind Erinnerungen, Pokale und die Fans.

In den 70er war Gladbach, mit dem Fußball, den sie spielten, ein Vorbild in Europa. Aber wir sind jetzt in der Zweiten Liga, da kommt es auf andere Sachen an. Hier herrschen viel Kampf und Einsatz, solche Grundelemente sind wichtig.

Was erwarten die Fans in diesen Zeiten von der Mannschaft?

Die große Erwartungshaltung in Gladbach, die teilweise größer ist, als die Wirklichkeit bringen kann, bekommst du als neuer Spieler zuerst mit. Gerade das letzte Jahr war für alle hier ziemlich bitter, die Enttäuschungen groß. Die Mannschaft verlor unheimlichen Kredit, den wir uns jetzt erstmal zurückerarbeiten müssen. Wir tragen die Altlasten, mit denen die Neuzugänge gar nichts zu tun haben, was extrem unangenehm war.

Ist die neue Mannschaft denn mit den alten Fans im Reinen?

Ja. Es war umso wichtiger, dass wir schnell die Kurve bekommen haben, auch Kredit zurückgewinnen konnten. Ich habe das Gefühl, sie identifizieren sich jetzt wieder mit der Mannschaft, stehen zu uns, und freuen sich, dass wir solche Jungs in der Mannschaft haben.

Zu Saisonbeginn lief es für Gladbach sehr schleppend an. Mussten gestandene Zweitliga-Spieler wie Alexander Voigt oder Sie der Mannschaft erst einmal klar machen, wie es im grauen Zweitliga-Alltag zugeht?

Nein, das mussten wir nicht. Natürlich sind wir Spielertypen, die vorangehen. Aber durch die vielen Neuzugänge, von denen einige erst am Ende der Vorbereitung und mit Trainingsrückstand dazukamen, bestand das Problem darin, uns als Mannschaft erst sehr spät finden zu können. Aber es ist auch klar, dass wir nicht in die Spiele gehen können, und denken, alles spielerisch zu lösen. Erst wer Zweikämpfe sucht, findet und gewinnt, kann dann über das Spielerische kommen.

Die Quittung dafür gab es am dritten Spieltag.

In Mainz ging dann gar nichts und wir bekamen eine 1:4-Klatsche eingeschenkt.

Welche Reaktionen bedarf es danach innerhalb einer Mannschaft?

Bereits in der Kabine schworen wir uns, dass jetzt etwas passieren muss. Wir wollten gemeinsam da raus. In der Woche nach dem Spiel wurde im Training richtig dazwischen gehauen, und Gas gegeben, um die Aggressivität, die es einfach benötigt, zurückzubekommen. Besagte Woche war unheimlich wichtig. Ein kleiner Wendepunkt, der zeigte, dass die Jungs Charakter haben.

Derzeit hat die Mannschaft einen Lauf von sechs Siegen in Serie. Wird die 2.Liga weiterhin überrannt?

So einfach wie in der Theorie dürfen wir es uns natürlich nicht machen. Uns fällt nichts in den Schoß, und keine Mannschaft verschenkt Punkte. Vor allem die anstehenden Spiele gegen Köln, Fürth, Jena und 1860 München entscheiden, wohin der Weg geht. Fakt ist, wenn wir unsere Leistung abrufen, stehen wir bis zur Winterpause weiter oben.

Wenige Mannschaften gehen ohne Rückschläge durch eine Saison. Was muss in diesen Zeiten getan werden, in erster Linie von den Führungsspielern, um ohne bleibende Narben aus einem Loch herauszukommen?

Fußball ist eine Achterbahnfahrt, wenn du gewinnst ist alles himmelblau, bei Niederlagen rabenschwarz. Irgendwann werden wieder Niederlagen kommen, ohne Zweifel. Es ist wichtig, die Ruhe zu bewahren, und sich auf seine Stärken zu besinnen. Im Training müssen diese Spieler voran gehen, die Jungs mitziehen. Andere können sich an denen hochziehen.

Wo liegen die Stärken der neuen Borussia?

Wir besitzen eine richtig gute individuelle Klasse, die sich sogar in die Breite zieht. Die haben nicht viele in der zweiten Liga. In dieser großen Leistungsdichte stehen Jungs hinten dran, die nicht schlechter sind.
Wir haben auch die richtigen Charaktere in der Mannschaft, die sich gegenseitig unterstützen und den Respekt untereinander fördern. Wir funktionieren als Mannschaft schon so gut, dass ich mir für die Zukunft keine Sorgen mache.

Ihr Ziel ist es sicherlich mal länger als lediglich ein Jahr Bundesliga zu spielen?

Wir wollen wieder in die Bundesliga, und danach natürlich mit Gladbach so lange wie möglich in der Bundesliga bleiben. Ewig werde ich ja auch nicht mehr Fußball spielen können. In der ersten Liga beendet man seine Karriere natürlich viel lieber.

Sie haben es bei zwei Vereinen selbst erlebt, in welcher Schnelle die Seifenblase eines erfüllten Bundesligatraums wieder zerplatzen kann. Gerade bei Traditionsvereinen bricht oft leicht Euphorie aus.

Man steigt auf und nach drei Siegen schielen einige in Richtung UEFA-Cup. Eine Art von Euphorie, der die Mannschaft am Ende noch nicht gewachsen sein kann. Anspruch und Wirklichkeit klaffen zu weit auseinander, irgendwann verliert man Nerven und Ruhe. Das geht ganz schnell nach hinten los. Sofern der Aufstieg gelingt, darf man sich im ersten Jahr nur auf den Klassenerhalt konzentrieren.

Die 2.Liga ist für Sie alles andere als eine Unbekannte. In welchem Ausmaß hat sich die Liga im Vergleich vor noch acht Jahren verändert?

Sie hat ohne Zweifel an Attraktivität gewonnen, für die Zuschauer und genauso für die Spieler. Vor allem technisch ist die 2.Liga viel stärker. Das Niveau steigt kontinuierlich, viele Traditionsvereine tummeln sich hier, und dank der Zuschauer boomt sie gerade diese Saison regelrecht wie nie zuvor. Das ist nicht mehr mit der Situation vor acht, neun Jahren zu vergleichen.

Das Leistungsgefälle ist niedriger?

Hier kann jeder jeden schlagen. Von vornherein gibt es keine Garantien, die Leistungsdichte ist eng. Natürlich fallen irgendwann Mannschaften beim Punktesammeln nach oben und unten ab, was der Unberechenbarkeit der 2.Liga aber keinen Abbruch tut.

In der letzten Saison gerieten Sie in einen emotionalen Disput mit Oliver Kahn, der nach dem Spiel vergessen war. Kahn ist im Begriff, seine Karriere zu beenden. Sterben die Typen der Bundesliga langsam aber sicher aus?

(lacht) Diese Emotionen gehören einfach zum Spiel dazu und sind nach Abpfiff vergessen. Aber, nein, die Typen sterben nicht aus. Da rücken wieder neue nach. Wobei Oliver Kahn natürlich ein außergewöhnlicher Typ und Weltklasse-Spieler ist, der von seinen Emotionen und der Psyche lebt. Der im Laufe seiner Karriere viele außergewöhnliche Aktionen hatte, die natürlich zuweilen grenzwertig waren, der aber einfach den unbändigen Willen verkörpert.

Was zeichnet diese besondere Spezies der Profis aus?

Wichtig ist, dass du einer bist, der auf und neben dem Platz Zeichen setzt, der den Mund aufmacht, der sich in schlechten Zeiten stellt, oder unangenehme Dinge anspricht.

Wollen Vereine aalglatte Profis ohne Ecken und Kanten?

Im Gegenteil. Uli Hoeness wird froh gewesen sein, Spieler wie Kahn und Effenberg in der Mannschaft gehabt zu haben. Spieler, die zuweilen öffentlich anecken, um den Druck von der Mannschaft zu nehmen. Aalglatt ist immer so ein pauschalisierender Begriff, der in den wenigsten Fällen zutrifft. Vielleicht zeigen sich einige vor der Kamera ruhig und besonnen, aber dahinter haben wir alle unsere Ecken und Kanten. In der Kabine können Spieler laut werden, von denen es die Öffentlichkeit nie erwarten würde. Das dringt nicht nach außen, was auch gut so ist.

Wird dabei von den Medien zu viel dramatisiert?

Das steht ja außer Frage. Jedoch, nehmen wir Stefan Effenberg. Er hat sich mit seiner Art und Persönlichkeit auch viel Ärger eingehandelt, war aber am Ende erfolgreich wie nur Wenige.

Mit der Saison 2008/09 findet die Relegation Ihre Reaktivierung. Was hat das Ihrer Meinung nach für Auswirkungen?

Das sind besondere Spiele, wo es teilweise um Existenzen geht. Der Druck für die Spieler ist sehr hoch. Als Dritter der 2.Liga würde ich mich natürlich über die Regel ärgern, als Drittletzter der Bundesliga bekomme ich eine zweite Chance. Für den neutralen Fan bedeutet das Hochspannung und zwei geile Spiele, in denen es um alles geht.

Ein Beispiel: Der SSV Ulm wird Dritter der 2.Liga, und muss gegen den Bundesliga-16. Borussia Dortmund antreten. Die retten sich in letzter Sekunde nach einer grottenschlechten Saison und Ulm steht mit leeren Händen da. Wird von oberster Stelle nicht im Auge von Planungssicherheit und Millionen nur ein weiterer Keil zwischen Klein und Groß getrieben?


Sicherlich kann man es so sehen, dass das ungerecht ist. Aber die 2.Liga-Dritten sind ja nicht von vornherein chancenlos. Wer in einer starken zweiten Liga Dritter wird, und einen Lauf hat, kann sich genauso durchsetzen. Gerade wenn der Bundesligist ein Seuchenjahr hat. Aber wie schon gesagt, wenn meine Mannschaft Dritter wäre, würde es mich auch ankotzen, in die Relegation zu gehen.

Der SSV Ulm. Ein sehr besonderer Abschnitt Ihrer Karriere.

Ich bin damals als B-Jugendlicher vom SC Tettnang am Bodensee nach Ulm gewechselt. In unserer Region war dort die einzige Möglichkeit, den Traum vom Fußball-Profi zu verwirklichen. Für einen jungen Spieler wie mich war es unbeschreiblich, in der Regionalliga sofort Stammspieler zu werden, und aktiv am Durchmarsch beteiligt gewesen zu sein. Ralf Rangnick war ein besonderer Trainer, der aus einer Mannschaft voller Oberliga- und Regionalliga-Akteure eine Profimannschaft formte. Er hat mich auf den richtigen Weg gebracht.

Verfolgen Sie noch die Wege der Spatzen?

Wenn man fast zehn Jahre in Ulm gespielt hat, verliert man so einen Verein nie aus den Augen. Oliver Unsöld (Ehemaliger SSV-Abwehrspieler, die Red.) wohnt noch in Ulm und hält mich auf dem Laufenden. Der richtige Kontakt zum Verein ist natürlich nicht mehr so eng, da aus meiner damaligen Mannschaft keiner mehr da ist.

Sie haben doch mit Miguel Coulibaly, dem Schützen des entscheidenden Tor zum Bundesliga-Aufstieg, zusammengespielt.

Der Miguel ist wieder da? Das ist ja toll. Wir waren Nachbarn, haben früher ja fast zusammen gewohnt.

Beim mittlerweile legendären Spiel 1999 in Rostock waren Sie am Ende einer der letzten Ulmer Mohikaner auf dem Spielfeld. Wie beurteilen Sie die gegenwärtigen Leistungen der Unparteiischen im deutschen Profi-Fußball?

Die Schiedsrichter machen gerade in Deutschland einen richtig guten Job. Entscheidungen, die falsch getroffen werden, und man sich auch an den Kopf fasst, wird es immer geben. Das ist menschlich und in gewisser Weise auch das Schöne am Fußball. Worüber sollen wir denn sonst in den nächsten Tagen diskutieren? Sehr gut ist, dass Schiris in der Bundesliga immer mehr versuchen, mit den Spielern zu sprechen, in Ruhe Einfluss zu nehmen, anstatt aggressiv mit Karten um sich zu werfen. Dieses Fingerspitzengefühl ist eine schöne Entwicklung.

Ist das Verhältnis zwischen Schiedsrichtern und Spielern auf dem Platz von gegenseitigem Respekt geprägt?

Natürlich herrscht Respekt. Und natürlich gibt es Schiris, mit denen man besser und schlechter klarkommt. Oft regst du dich in Spielen, in denen es für die Mannschaft oder dich persönlich nicht läuft, einfach über Sachen auf, wo es eigentlich gar nichts aufzuregen gibt. Die Schiris halten dann ungerechtfertigt als Ventil her. Für sie ist es beispielsweise ebenso ein Nachteil, wenn du dich wild gestikulierend vor den Fans aufbaust und sie dadurch gegen den Schiedsrichter aufbringst. Das kann niemand gebrauchen. Manchmal gerät man mal mit einem aneinander. Auf Schiedsrichtern und Spielern lastet ein hoher Druck, und beide Seiten wissen, um was es geht.

Die Schauspielerei auf dem Spielfeld hält weiterhin Einzug. Wie ist ein gewisser Selbstreinigungsprozess zu beschleunigen?

Schauspielerei gab es schon immer, ist keine neuartige Modeerscheinung. Nichtsdestotrotz ist das eine Unart. Es ist wichtig, dass die Schiris das direkt ahnden und bestrafen. Eine gute Maßnahme ist zum Beispiel, dass der Kicker rigoros Note 6 bei Unsportlichkeiten vergibt. Meiner Meinung nach zeichnet sich auch schon eine Besserung ab. Auch die Hilfe des Fernsehens, das seine Augen überall hat, lässt viele Schwalben sofort wieder aufstehen. Die zeigen im Wissen der vielen wachsamen Kameras dann sogar direkt an, dass es gar nichts war.

Ehemalige Ulmer Volkshelden wie Dragan Trkulja, Janusz Gora und jetzt eben Miguel Coulibaly verbringen den Abend Ihrer Karriere an alter Wirkungsstätte. Auch Sascha Rösler?

Das ist natürlich abhängig von der Zukunftsplanung, und wo ich später meine Wurzeln schlagen will. Meine Freundin und ich fühlen uns in Aachen sehr wohl. Ich kann mir auch gut vorstellen, in Aachen zu bleiben. Gott sei Dank stehen noch ein paar Jährchen vor mir.
Wer weiß, wo mich der Fußball später einmal noch hinführen wird. Vielleicht in eine ganz andere Ecke.

Würden Sie sich denn einen Topklub-, vielleicht sogar den Schritt ins Ausland zutrauen?

Ich bin in Gladbach sehr zufrieden und glücklich. Wenn wir aufsteigen sollten, spiele ich bei einem vom Prestige und Namen her immer noch Topklub, also warum woanders hingehen? Aber natürlich, wenn mich ein ganz großer holen wollte, würde ich hinlaufen. Aber mit meinen 30 Jahren muss man Realist sein. Sicherlich, wie bei so vielen anderen Profis auch, komme ich beim Gedanken an England ins Grübeln. Wenn überhaupt ins Ausland, dann reizt England. Aber man muss zwischen Traum und Realität unterscheiden können.

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