21.10.2007

»Wir tragen die Altlasten«

Ulms Sascha Rösler im Interview

Sascha Rösler kann mit seinen bald 30 Jahren zwischen Traum und Realität unterscheiden. Zwar reizt den Mittelfeldspieler die Englische Liga, doch eigentlich will er mit Borussia Mönchengladbach nur schnell den Wiederaufstieg schaffen.

Interview: Maximilian Hendel Bild: Imago
Herr Rösler, in der vergangenen Saison haben Sie noch bei Alemannia Aachen gespielt. Erinnern wir uns noch einmal an den vorletzten Spieltag. Nach der Partie gegen Wolfsburg gaben Sie fassungslos zu Protokoll: Wenn ich den erwische, der dieses Drehbuch geschrieben hat, dem hau ich auf die Fresse.“ Warum musste die Alemannia absteigen?

Schwer zu sagen. Acht Spieltage vor Schluss hatten wir bereits 33 Punkte, alles sah nach dem gesicherten Klassenerhalt aus. Dann begann diese Negativserie und es wurde zur Kopfsache, wo wir am Ende dem Druck einfach nicht Stand hielten, unglücklich die Spiele Preis gaben. An das Wolfsburg-Spiel möchte ich gar nicht mehr denken. Wir haben es in den vorherigen Spielen verpasst, den Sack einfach zu zumachen. Das war sehr traurig. Sicherlich hatten wir obendrein Verletzungspech, was wir einfach nicht ausgleichen konnten wie andere Vereine.



Jetzt stehen Sie bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag. Ist Ihnen der Abschied aus Aachen schwer gefallen?


Der Abschied fiel mir sehr schwer, denn es waren zwei sehr schöne Jahre. Die Leute in Aachen konnten sich mit meiner Spielweise identifizieren. Ich habe mich auf jedes Heimspiel irrsinnig gefreut. Der Tivoli ist ein Kultstadion. Im Fußball muss man jedoch auch einfach Entscheidungen treffen, mit denen die Fans nicht einverstanden sind. Ich muss auch schauen, was nach der Karriere mit mir geschieht, da konnte Aachen finanziell einfach nicht mithalten.

Man ist aber nicht im Streit auseinander gegangen?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe Jörg Schmadtke meine Entscheidung sehr früh mitgeteilt. Unser Verhältnis ist auch weiterhin ein sehr gutes, und er versteht mich. Natürlich waren einige Fans sauer, dass ich nach Gladbach gegangen bin, und ich kann sie verstehen. Dann gilt man natürlich als Verräter. Damit muss ich leben. Jedoch war ein Wechsel unumgänglich, als wir abstiegen.

Sie sind mit bald 200 Spielen ein sehr erfahrener Zweitligaspieler, Borussia Mönchengladbach möchte unbedingt zurück in die 1. Liga. Haben sich die Borussia und Sascha Rösler also zum richtigen Zeitpunkt gesucht und gefunden?

Es war schon ein guter Zeitpunkt, den Schritt zu gehen. Aber ich hätte auch nichts dagegen gehabt, zu Gladbach in die erste Liga zu wechseln. Jos Luhukay und Christian Ziege haben einen erfahrenen Spieler gesucht. Und auch für mich war die Borussia einfach die beste Adresse.

Angebote aus der Bundesliga gab es keine?

Es gab zwei, drei Vereine. Nur, das Problem ist, dass ich ziemlich schnell auf die 30 zugehe. Aus diesem Grund musste ich an gewissen Punkten auch den finanziellen Aspekt in den Vordergrund stellen. Hoffenheim legte die Messlatte zwar sehr hoch, doch Gladbach wollte mich unbedingt, und ich bin sehr froh, mich dafür entschieden zu haben.

Hoffenheim hatte nicht nur das meiste Geld, auch Ihr alter Wegbegleiter Ralf Rangnick ist dort als Trainer beschäftigt. Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gegen Hoffenheim wirklich gefallen?

Ralf Rangnick war in Ulm mein erster Trainer, eine Art Ziehvater, dem ich sehr viel zu verdanken habe. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. In meiner Situation war die Absage an Hoffenheim eine Bauchentscheidung. Ich entscheide immer aus dem Bauch heraus. Es war einfach kein gutes Gefühl dabei, ich weiß beim besten Willen auch nicht warum.

Und was hat letztlich den Ausschlag für Gladbach gegeben?

Ich habe mich bei Vertragsgesprächen selten so lange mit einem Trainer unterhalten wie mit Jos Luhukay. Das war sehr angenehm. Es ist mir wichtig, die Philosophie des Trainers zu teilen. Auch im tollen Gladbacher Nordpark vor 45000 Zuschauern bei einem Traditionsverein zu spielen. Darüber hinaus konnte ich in Aachen bei meiner Freundin wohnen bleiben. Das sind ebenso alles Ausschlag gebende Kleinigkeiten, warum ich nach Gladbach wollte.

Welche Philosophie teilen Jos Luhukay und Sascha Rösler?

Er ist ein Trainer, der in jeder Sekunde den Spaß am Fußball vermitteln will. Erfolg kommt von Freude. Seine Philosophie ist der Offensiv-Fußball. Wir wollen Chancen kreieren, den Gegner durch ein 4-3-3 oder 4-4-2 vorne attackieren. Agieren, nicht reagieren. Das ist genau das, was ich mir unter Fußball vorstelle.

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