02.06.2009

Winnie Schäfer über die Arabischen Emirate

»Echt heiß hier«

Winfried Schäfer ist seit vier Jahren Trainer in den Arabischen Emiraten. Wir sprachen mit ihm über die Asienreise der deutschen Nationalelf, die schweißtreibende Pflichterfüllung und Rouladen auf der Terrasse.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago
Herr Schäfer, was sagt denn das Thermometer?

47 Grad – ist echt heiß hier.



Da können sich die Männer von Jogi Löw ja auf was gefasst machen.

Oh ja. Die sollen schon mal viel trinken. Das Spiel wird zwar erst um 22 Uhr Ortszeit angepfiffen. Aber dann werden es immer noch so um die 36 Grad sein. Und dazu kommt noch die hohe Luftfeuchtigkeit.

In Deutschland wird über Sinn und Unsinn der Asien-Reise der Nationalmannschaft diskutiert.

Es wird bestimmt einige Spieler geben, die nach dem Flug von China nach Dubai sagen: Oh Mann, und morgen muss ich schon wieder spielen. Aber die Nationalmannschaft ist nun einmal ein wichtiger Repräsentant des deutschen Fußballs und deshalb müssen die Jungs jetzt ein bisschen schwitzen. Ich kann den deutschen Spielern nur raten, die Partie nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Der FC Bayern hat im Januar mit viel Glück mit 3:2 gegen Al Jazira 3:2 gewonnen.

Welchen Ruf genießt der deutsche Fußball in den Emiraten?

Er ist hier schon präsent, vor allem weil hier einige deutsche Trainer gearbeitet haben und alle einen guten Job machen oder machten. Aber dem englischen Fußball schenkt man weitaus mehr Beachtung. Die Tageszeitungen berichten auf zwei Seiten über die Premier League. Die Bundesliga wird in ein paar Zeilen oben rechts abgehandelt. Das hat sicherlich mit der englischen Sprache zu tun, in der die Zeitungen erscheinen. Es liegt aber auch daran, dass sich Premier League-Klubs in den Emiraten engagieren. Manchester United beispielsweise betreibt eine Fußballschule.

Das machen die Engländer sicher nicht aus Nächstenliebe…

Es gibt hier finanzkräftige Investoren, die aber kein Geld zu verschenken haben. Sie engagieren sich in der Premier League, weil sie sagen, dass England für sie interessanter als Deutschland und die Bundesliga ist. Daran kann natürlich der Auftritt der deutschen Nationalmannschaft in Dubai nichts ändern.

Die Vereinigten Arabischen Emirate selbst liegen in der WM-Qualifikation abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Das ist sehr bitter. Es wurde die historische Chance verpasst, sich nach 1990 das zweite Mal für eine WM zu qualifizieren. Bruno Metsu, der bis September 2008 Nationaltrainer war, hat den Fehler gemacht, nur auf alte Spieler zu setzen. Wir haben Talente, doch die werden zu wenig eingesetzt. Auch nicht unter dem neuen Mann, Dominique Bathenay. Der stellt Leute auf, die bei mir im Klub nicht zum Zug kommen. Aber Dominique fragt nicht einmal nach, warum die bei mir auf der Bank sitzen. Die fehlende Kommunikation ist sicherlich eines der Hauptprobleme. Es gab in den vergangenen zwei Jahren kein einziges Treffen des Nationaltrainers mit den Klubtrainern. Das muss man sich mal vorstellen.

Es wird gerade ein Nachfolger für Nationaltrainer Bathenay gesucht. Haben Sie kein Interesse?

Ich stehe auf der Liste des Verbandes. Meine Arbeit wird geschätzt, ich kenne mich im arabischen Fußball aus. Aber der Klub will mich nicht gehen lassen. Die vom Fußballverband möchten am liebsten einen Trainer mit einem großen Namen holen. Aber der Name ist nicht wichtig. Es braucht jemanden, der bereit ist anzupacken und Strukturen zu schaffen, damit die vorhandenen Talente gut ausgebildet werden. Leute wie Dick Advocaat helfen da nicht weiter. Der ist nach drei Wochen abgehauen. Was sind das nur für Trainer?

Ihr Team, der Al Ain Club, hat den angepeilten Meistertitel frühzeitig abhaken müssen und beendete die Saison auf Platz drei…

…aber wir haben innerhalb von nur einer Woche die beiden Pokale geholt. Vor allem der Presidents-Cup ist in den Emiraten sehr wichtig. Es war eine sehr erfolgreiche Saison für den Al Ain Club, vor allem wenn man bedenkt, dass wir im Gegensatz zur Konkurrenz nicht die erlaubten drei, sondern meistens nur einen Ausländer auf dem Platz hatten. Wir glichen das durch taktisches Geschick, Disziplin und Fitness aus. Ich habe eine neue Mannschaft aufgebaut und viele Localplayers integriert.

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