Winfried Schäfer über das 1:0 von Baku

»Der Präsident umarmte alle«

Winfried Schäfer lebt und arbeitet in Baku, der Stadt, in der Aserbaidschan die Türkei am Dienstag mit 1:0 besiegte. Wir sprachen mit ihm über sensationelle Erfolge in der EM-Quali und herzliche Umarmungen des Vereinspräsidenten. Winfried Schäfer über das 1:0 von Baku

Winfried Schäfer, waren Sie gestern im Tofik-Bakhramov-Stadion?

Ja sicher. Das war doch wichtig. Bertis Mannschaft hat gespielt!

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Hat Sie der 1:0 Sieg Aserbaidschans überrascht?

Ich habe schon im Vorfeld der Partie behauptet, dass die Türkei verlieren wird. Mit den Leistungen gegen Belgien und Deutschland war klar, dass es die türkische Mannschaft schwer haben wird, gegen Aserbaidschan zu gewinnen. Mir war klar: Wenn die Aserbaidschaner ihr Herz in die Hand nehmen und nach vorne stürmen, kann das Team auch gewinnen. So ist es ja auch gekommen. Im türkischen Fußball ist einfach die Uhr stehen geblieben.

Die Uhr ist stehen geblieben?

In der Liga werden nur ausländische Spieler gekauft. Dabei vergisst man die »local player«, die Einheimischen. Die braucht man aber für eine gute Nationalmannschaft.

Was hat im Spiel gegen Aserbaidschan gefehlt?

Sie haben zu lässig gespielt. Erst nach zehn Minuten bekam die Türkei das Spiel in den Griff und hatte dann sogar einen Lattentreffer. Das war aber auch alles. Die türkischen Spieler haben sich mehr mit dem Platz beschäftigt, als mit dem Spiel. Bei jedem Fehlpass wurde über den Platz geschimpft. Mit einer solchen Einstellung kannst du gegen ein motiviertes Team keinen Blumentopf gewinnen. Die Türkei hat diesen Bruderkampf verloren, weil sie zu wenig Fußball gespielt haben und mehr mit dem Ball gelaufen sind.

Bruderkampf?

Es herrscht ein sehr enges Verhältnis zwischen beiden Ländern. Bei den Nationalhymnen haben beide Seiten mitgesungen. Das habe ich noch nicht erlebt. Bei den türkischen Zuschauern habe ich sogar eine aserbaidschanische Fahne gesehen. Die Fans beider Länder saßen einfach gemischt im Stadion.

Das hört sich gar nicht nach einem internationalen Spiel an.

In Baku (Hauptstadt Aserbaidschans. d. Red.) sieht man auch Büsten von Kemal Atatürk, dem ersten türkischen Präsidenten. Ich wusste, dass beide Länder befreundet sind, mit einer solch friedlichen Stimmung habe ich aber nicht gerechnet.

Das Ergebnis war eine Überraschung. Wie hat die aserbaidschanische Presse reagiert?

Das ist hier eine große Sache. Ich sitze gerade in meinem Büro und schaue auf den Fernseher. Da sieht man das Spiel immer und immer wieder. Vor der Partie war die Stimmung anders. Als die Aufstellungen im Stadion bekannt gegeben wurden, gab es Pfiffe für Trainer Berti Vogts. Heute könnte es passieren, dass man seinen Vertrag verlängert. So ist das eben im Fußball.

Was bedeutet dieses Ergebnis für Ihre Arbeit als deutscher Trainer in Baku?

Ein solcher Sieg ist für die Trainer, die aus dem Ausland kommen, enorm wichtig. Berti hat gezeigt, dass konsequente Arbeit »made in Germany« zum Erfolg führt. Wir können jetzt noch etwas ruhiger arbeiten. Wenn Berti heute Nacht um ein Uhr ein Training ansetzten würde, gäbe es garantiert keine Beschwerden.

Wie war denn die letzte Nacht in Baku?

Das war ein schönes Theater in der Stadt. Die Autos hupten und alle feierten. Es war eine unheimlich schöne Stimmung. Mein Vereinspräsident war so glücklich, dass er alle Menschen umarmte.

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