Hat die deutsche Nationalmannschaft der »Equipe Tricolore« nach der WM 2006 den Rang abgelaufen?Bereits vor 2006 hat sich Deutschland gut entwickelt. Danach hat Matthias Sammer die gute Arbeit äußerst erfolgreich fortgesetzt und enorm viel erreicht in seiner Zeit als Sportdirektor. Heute funktionieren die Strukturen und die Ausbildung der Nachwuchsspieler beim DFB hervorragend. Deutschland ist uns ein paar Schritte voraus.
War das deutsche Ausbildungssystem am Ende sogar Vorbild für die Reformierung des französischen Verbandes?Im Gegenteil: Deutschland hat Ende der Neunziger viel von Frankreich gelernt. Natürlich hat Deutschland das französische System nicht eins zu eins übernommen, aber einige Dinge wurden aus Frankreich importiert.
Zum Beispiel?Wie in der französischen Weltmeistermannschaft von 1998 spielen in der deutschen Nationalmannschaft heute viele Kinder von Einwanderern. Integration ist zwar ein politisches und gesellschaftliches Thema, aber dass Deutschland inzwischen ein so starkes multikulturelles Team hat, steht für gelungene Integrationsarbeit.
Von 2000 bis 2009 spielten Sie bei Bayern München. Wie hat sich der deutsche Fußball generell seit Ihrer Anfangszeit in der Bundesliga verändert?Heute versuchen selbst Mannschaften wie Fürth, Augsburg und Nürnberg trotz ihrer prekären Lage im Abstiegskampf ansehnlichen Fußball zu spielen. Als ich zu den Bayern kam, gab es vielleicht fünf Vereine, die den Zuschauern etwas bieten wollten. Der Rest der Liga wollte lediglich nicht verlieren.
Wo würden Sie das Niveau der Bundesliga international einordnen?Meiner Meinung nach ist die Bundesliga die zweit-, oder drittstärkste Liga Europas. Die spanische Liga hat für mich noch leicht die Nase vorn, aber ich würde das Niveau der Bundesliga mit dem der englischen Premier League vergleichen.
Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages in die Bundesliga zurück zu kehren?Irgendwann vielleicht. Wenn ich jedenfalls einmal Trainer sein sollte, dann würde ich mir auf jeden Fall wünschen, in Deutschland zu trainieren. Die Bundesliga passt einfach zu meiner Fußballphilosophie. Nichts gegen die französische Liga, aber die Bundesliga kommt meinem persönlichen Idealverständnis von Fußball näher als die „Ligue 1“.
Was sieht Ihr fußballerisches Ideal aus?Fußball ist nun einmal ein Sport, der in großen Stadien und vor vielen Fans gespielt wird. Dem Verein reicht zwar ein 1:0 der eigenen Mannschaft, aber für die Fans ist es natürlich schöner, ein attraktives Spiel zu sehen. Ich finde, die Anhänger sollten dafür belohnt werden, dass sie sich Woche für Woche teure Tickets für das Stadion kaufen.
Also sind die Fans das Wichtigste im Fußball?Ohne Fans ist der Fußball nichts. Die Bundesliga lebt durch ihre Fans. Denn dort wird den Fans genau das geboten, was sie wollen: Schöner Fußball.