05.10.2008

Willi Schulz im Interview

»Ein Träumer war ich nie«

Als Vorstopper gehörte Willi Schulz in den 60er Jahren zu den besten deutschen Abwehrspielern. Das heutige Aufsichtsratmitglied des HSV über das Wembley-Tor, das Jahrhundertspiel in Mexiko und Kinos in Gelsenkirchen.

Interview: Ralf Piorr Bild: Imago
Willi Schulz im Interview
Sie galten als zäher Verhandlungspartner - auch 1965 bei Ihrem Wechsel zum Hamburger SV.

Es muss einfach sein, dass man seinen Arbeitsplatz frei wählen darf. Nur das habe ich gemacht. Ich war eben dem europäischen Gericht und allen anderen weit voraus. (lacht) Damals war es eben durch den Fußball leichter, sich überhaupt frei zu schwimmen und aufzusteigen. Man hat nicht nur darum gekämpft, sportlich nach vorne zu kommen, sondern man wollte selbstverständlich wirtschaftlich besser dastehen. Heute sind Verhandlungen mit allen Schikanen gang und gäbe. Vor einem Jahr haben wir hier in Hamburg den Fall Rafael van der Vaart und seine Ambitionen zum FC Valencia gehabt. Ich war nicht mit allem einverstanden, was er so in der Öffentlichkeit getrieben hat, aber grundsätzlich habe ich für die Jungs Verständnis. Jeder muss seinen Weg gehen, und Vereinswechsel gehören zum Geschäft.

Dafür brauchten Sie aber keinen Manager…

Nein, so etwas habe ich selbst gemacht.

Was sprach für den HSV?

Schalke war am Ende der Saison 1964/65 offiziell abgestiegen und erst später wurden sie gerettet, weil man die Bundesliga auf 18 Vereine aufstockte. Als Nationalspieler wollte ich in der Bundesliga bleiben. Von der Nationalelf kannte ich Uwe Seeler und Charly Dörfel und dann erschien meiner Frau und mir Hamburg gar nicht mehr so fremd. Wir haben uns die Stadt angeschaut und sie hat uns sofort gefallen. Wir sind gerne Hamburger, ohne unsere Heimat vergessen zu haben. Meine Frau Ingrid stammt aus Bochum Hordel, ich aus Wattenscheid, und seit 44 Jahren gehen wir gemeinsam durchs Leben. Das ist doch auch eine Art Vereinstreue, oder?

Sie haben das »Unternehmen Bundesliga« von Anfang an miterlebt und als stellvertretender Aufsichtsratvorsitzender des HSV sind Sie immer noch im Geschäft…

Ich habe dem Fußball alles zu verdanken, denn der Fußball hat mir alles offeriert. Deswegen bin ich im Aufsichtsrat des HSV tätig. Die Bundesliga ist eine unglaubliche Erfolgsstory und diejenigen, wie Franz Kremer, der einstige Präsident des 1. FC Köln, oder Sepp Herberger, die diese Liga gegen alle Widerstände gewollt haben, waren wirkliche Visionäre. Der Einstieg in die Bundesliga fiel mir nicht schwer, weil die alte Oberliga West die beste Liga in Deutschland war. Als junger Mensch und besessen vom Fußball habe ich nur von Spieltag zu Spieltag gedacht. Heute hat sich die Bundesliga zu einer europäischen Spitzenliga entwickelt. Über das fußballerische Niveau kann man sich manchmal streiten, aber in Sachen Bezahlung haben wir bis auf die englische Premier League alle anderen erreicht.

In der Saison hatten mal die Schalker und mal der HSV die Tabellenspitze inne. Ein gutes Omen?

Jedenfalls kein schlechtes. Beide Vereine haben ein blaues Wappen. Von daher hänge ich an beiden und einer meiner Clubs ist immer vorne. (lacht)

Dieser Artikel erschien in der aktuellen Ausgabe der Sportzeitung RevierSport

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