Willi Landgraf über den alten Tivoli

»Wiedersehen, sag ich mal«

Tivoli in Aachen war ein Hexenkessel. Nun ziehen die »Kartoffelkäfer« in einen Neubau um. Wir riefen beim Veteranen Willi Landgraf an. Statt zu jammern, bewahrt er die schönsten Erinnerungen – und freut sich auf die Zukunft. Willi Landgraf über den alten Tivoli

Hallo Herr Landgraf, der Tivoli hat am vorletzten Wochenende seinen endgültigen Abschied »gefeiert«. Sagen Sie doch mal ein paar alte Grußworte an den alt gedienten Tivoli.

Ja, was soll ich zum Tivoli sagen? Auf Wiedersehen, sag ich mal.

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Was sagen Sie dazu, dass der alte Tivoli ausgedient hat? Kommen Ihnen da nicht Tränen?

Nein. Klar hat man da viel erlebt, aber wenn man das neue Stadion sieht, da kriegt man kein weinendes Auge. Man sollte zwar das Stadion in Erinnerung behalten und was gewesen ist. Aber es wurde auch Zeit mit dem neuen Stadion. Und ich denke, ganz Aachen freut sich darauf. Es ist eine wirklich schöne Schüssel geworden.

Aber fehlt dem neuen Stadion nicht die Seele des alten Tivoli. Der hat doch große Ähnlichkeit mit all den anderen Arenen, die in den letzten Jahren vermehrt hochgezogen wurden?

Nicht ganz. Der neue Tivoli hat zumindest eine Besonderheit. Es wurde nicht in Ober- und Unterrang unterteilt. Die Tribünen sind durchgängig vom Rasen bis hoch unters Dach. Hier ist wirklich für die Fans und für die Atmosphäre gebaut worden. Man hat sich an den Wünschen der Fans orientiert. Ich stand auch schon im neuen Tivoli auf dem Rasen, und ich muss sagen: Ich würde gerne noch mal im neuen Aachener Stadion spielen. Vielleicht werde ich mal eingeladen zu einem Benefizspiel oder so was. Ich würde mich freuen.

Kommen wir noch mal auf den alten Tivoli zu sprechen. Die Spieler berichten ja unisono von einer tollen Atmosphäre. Was machte den Tivoli aus?

Allein der Tunnel war einmalig. In einem engen Tunnel aufs Spielfeld zu gehen, das hat einen schon vor dem Anpfiff aufgewühlt. Dann kam immer noch der Bratwurstgestank von den Buden nebenan in die Nase, wenn man schon auf dem Spielfeld stand. Diese Enge, dass man als Außenspieler dem Zuschauern in den ersten Reihen fast auf dem Schoß saß. Der Tivoli hatte ein ganz eigenes Flair. Die steile Wand komplett in gelb-schwarz. Das ist was Außergewöhnliches, wenn man da auf den Platz rauskommt. Solche Dinge machten den Tivoli aus.

Die Zuschauer saßen ja nur knapp einen Meter weg. Haben Sie sich mit manchen auch mal unterhalten, etwa vor Einwürfen?

Ja, durch die Enge haben einem natürlich die Zuschauer oft den Ball zugeworfen. Da hat man schon mal »Danke« gesagt. Man hat auch einzelne Rufe von Zuschauern gehört, selbst wenn die von den oberen Sitzreihen kamen. Ganz früher waren die Trainerbänke auch noch direkt vor der Stehtribüne, nicht wie heute vor der Gegengerade. Da ging es natürlich sehr emotional zur Sache.

Bitte lassen Sie uns an ein paar Erinnerungen teilhaben. Wie haben sie etwa das ominöse »Geisterspiel« gegen Nürnberg erlebt?

Das Geisterspiel war brutal. Das wünsche ich keinem, Fußball unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen zu müssen. Einzig die Ordner waren da, und die Atmosphäre war so, als ob ich zum Training rausgehen würde. Da muss man sich selbst erst mal motivieren. Weil da waren keine Zuschauer, die dich stimulieren und antreiben konnten. Das war nicht einfach, in einem solchen Umfeld ein Meisterschaftsspiel zu absolvieren. Aber letztendlich konnten wir trotzdem 4:3 gegen Nürnberg gewinnen.

Haben Sie selbst solche Emotionen von Seiten der Zuschauer gebraucht, um an Ihre Leistungsgrenze gehen zu können?

Jeder Gegner hat sich ja in die Hose gemacht, wenn sie auswärts bei uns in Aachen ran mussten. Da wusste jeder Spieler, was auf ihn zukam. Das war für uns schon oft die halbe Miete. Sicher wirkte sich die Stimmung auf dem Tivoli auf unsere positive Heimbilanz aus. Auch hatten wir den Zuschauern viel zu verdanken, zum Beispiel, wenn wir ein Spiel noch drehen konnten.

Meinen sie, dass die Stimmung im neuen Tivoli an die des alten herankommen wird?

Ich glaube, die Lautstärke wird noch größer sein. Und selbst wenn man weiter oben ist, sitzt man immer noch nah dran. Der Hall wird auch wegen der kompletten Überdachung lauter sein, als das im alten Tivoli der Fall war. Natürlich wird vielen der Bratwurstgeruch fehlen, zum Beispiel, wenn man sich vor dem Spiel auf dem Platz warm gemacht hat. Du konntest die Bratwürste förmlich schmecken.

Der Werbespruch lautet ja »Tivoli war’s, Tivoli bleibt’s«. Was halten sie davon? Glauben Sie, dass das Stadion auf Dauer seinen Namen behalten wird, oder wird man den Sponsorenanfragen irgendwann nachgeben?

Ich glaube, dass der Stadionname erhalten bleiben wird. Ich denke, der Verein hätte ein großes Problem, wenn er den Stadionnamen verkaufen würde. Das würden viele Fans nicht akzeptieren. Der Tivoli muss der Tivoli bleiben. Das gehört zum Wir-Gefühl der Fans. Es würde auch nicht zum Verein passen, wenn da ein Sponsor im Stadionnamen stehen würde.

Ihr größter Moment am Tivoli?

Die größte Partie war mit Sicherheit das Pokalviertelfinale im Februar 2004 gegen Bayern München. Das war schon legendär. Da hatten die Bayern eine super Mannschaft beisammen mit Ballack, Makaay, Lizerazu und und und. Und wir als Zweitligateam konnten dieses Starensemble 2:1 schlagen. Natürlich eine riesige Stimmung im Stadion. Das sind so Dinge, die vergisst man nicht so schnell. Das war einfach nur schön.

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