02.08.2013

Wilhelmshavens Sportdirektor Reinhold Fanz über seine Nase für Talente

»Keiner bringt mehr Spieler hoch als ich«

Reinhold Fanz ist erst seit wenigen Wochen Sportdirektor bei Regionalligist SV Wilhelmshaven – und hat schon große Pläne. Keine Frage, der Mann hat sein Selbstvertrauen nicht verloren. Vor dem Pokalspiel gegen Borussia Dortmund sprachen wir mit ihm.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago

Reinhold Fanz, noch vor wenigen Wochen hatten Sie nur vier Spieler unter Vertrag – wie groß ist die Hektik in Wilhelmshaven?
Wäre ich hektisch, würde ich Fehler begehen. Und die dürfen wir uns in der jetzigen Situation auf keinen Fall erlauben. Jeder Schachzug muss sitzen, sonst wird es brenzlig. Ich betrachte all das als eine große Herausforderung. Eine Herausforderung, auf die ich mich freue, weil ich weiß, dass ich hier meine Ideen umsetzen kann. Hätten wir zu Beginn der Transferperiode 30 Spieler unter Vertrag gehabt, müsste ich nun viele Kompromisse eingehen. Gestaltungsfreiheit ist mir aber seit jeher wichtig.

Was reizt Sie eigentlich an der Aufgabe in Wilhelmshaven?
Ich liebe es, die Ärmel hochzukrempeln und aus einer Underdog-Perspektive etwas aufzubauen. Das war damals in Hannover ähnlich, ebenso in Bonn und Kuba. Ich kann hier viel bewegen. Mein Ziel ist es, junge Spieler hochzuziehen, ihnen den Weg Richtung Bundesliga zu ebnen. Das ist mir in der Vergangenheit häufig gelungen, dafür stehe ich. Wir wollen in der kommenden Saison die Klasse halten, der nächste Schritt wäre dann ein Mittelfeldplatz.

Am Samstag kommt Vizemeister Borussia Dortmund zum Erstrundenspiel im DFB-Pokal nach Wilhelmshaven – hatten Sie eigentlich schon den einen oder anderen Pokal-Albtraum?
Nein. Angst ist verboten. Die gesamte Stadt fiebert dem Ereignis entgegen. Für die meisten Spieler ist es das Karrierehighlight. In den kommenden Tagen geht es darum, das Selbstvertrauen weiter zu vergrößern. Wir haben eine minimale Chance - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Nervosität ist okay, Anspannung sogar gut, aber Angst und Zweifel? Nein.

Was antworten Sie den Leuten, die fest mit einem zweistelligen Ergebnis rechnen?
Diese Leute sollen ihre Wahrscheinlichkeitsrechnung in den Papierkorb werfen und gefälligst ins Stadion kommen. Dem einen oder anderen schlauen Experten würde es mal gut tun, sich auf gewisse Dinge einzulassen, offen zu sein für Überraschungen und eben nicht immer nur die üblichen Prognosen in die Welt zu posaunen.

Wie müsste das Spiel laufen, dass Sie anschließend von einem Erfolg sprechen?
Wenn wir uns 90 Minuten mit aller Kraft wehren, uns zerreißen, dann wäre das ein Erfolg. Die Jungs sollen konditionell alles geben und selbstbewusst auftreten. Wir wollen die Zuschauer begeistern. Ich erwarte eine überragende Stimmung, auch wenn bei uns nur 7500 Leute reinpassen.

Ist Jürgen Klopp der derzeit beste deutsche Trainer?
Ich kenne Jürgen noch von früher, er war mal in einer meiner Auswahlmannschaften in Hessen. Damals hat er noch Mittelstürmer gespielt, er war, glaube ich, 20. Ich habe seinen Weg als Spieler und Trainer stets mit großem Interesse verfolgt. Mich freut es enorm, dass er derart erfolgreich ist. Jürgen leistet in Dortmund exzellente Arbeit. Eine seiner großen Stärken ist es, junge Spieler zu formen. Er ist ein großer Taktiker und ein überragender Motivator.

Sie haben in den Neunzigern mit Spielern wie Fabian Ernst, Otto Addo, Gerald Asamoah und Sebastian Kehl für Furore gesorgt. War das Kapitel Hannover 96 das schönste Ihrer Trainerkarriere?
Nein. Ich habe zuvor neun Jahre erfolgreich beim Hessischen Fußballverband gearbeitet, bin zigmal Deutscher Meister geworden mit verschiedenen C-, B- und A-Jugendmannschaften. Das war ebenfalls eine fantastische Zeit.

Dennoch übernahmen Sie den damaligen Regionalligisten Hannover 96. Ihr Fazit?
Der Klub war mausetot, völlig überschuldet und ohne eine klare Linie. Ich habe in sechs oder sieben Wochen eine Mannschaft zusammengestellt, ein Team, das marschierte. Aus dieser Mannschaft sind zahlreiche Bundesliga- und auch Nationalspieler hervorgegangen. Einige Namen haben Sie ja genannt. Fabian Ernst und  Raphael Schäfer habe ich sogar aus der B-Jugend hochgezogen. Die waren damals erst 17. Und das sind nur zwei Beispiele von vielen.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden