Wilfried Hannes über Sensation und Relegation

»In der Hose muss es trocken sein«

Wilfried Hannes über Sensation und RelegationImago

Wilfried Hannes, Sie haben am Sonntag eine Dürener Kreisauswahl trainiert, die bis zur 80. Minute 3:2 gegen den FC Bayern führte und am Ende knapp mit 3:4 verlor. Spielte der Rekordmeister mit einer C-Elf?

Wilfried Hannes: Ganz und gar nicht. Die Stars waren alle dabei: Franck Ribery, Arjen Robben, Mario Gomez, Bastian Schweinsteiger. Und wissen Sie was: Die Bayern konnten froh sein, dass wir zur Halbzeit nicht schon haushoch führten.

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Am Kater kann es nicht gelegen haben. Jedenfalls gab beim FC Bayern am Vorabend nicht viel zu feiern.

Wilfried Hannes: Das stimmt. Aber sie werden trotzdem auf den Saisonabschluss und das Erreichen des Minimalziels angestoßen haben.

Und Sie legten die Partie am Sonntag in die Morgenstunden?

Wilfried Hannes: Nein, das nicht. Das Spiel fand am Nachmittag statt. Doch ehrlicherweise muss man sagen, dass die Feier, die Anreise, der ganze Stress, der am Sonntag abfiel, Spuren hinterlassen haben muss. Und womöglich haben sie uns unterschätzt. Noch wenige Minuten vor der Partie spielten Mario Gomez und Bastian Schweinsteiger mit zwei von unseren Spielern Basketball.

Ihr Team bestand zum größten Teil aus Sechstligaspielern.

Wilfried Hannes: Die aber richtig heiß waren. Vor dem Spiel sagte ich: »Ihr dürft nasse Hände habe, doch in der Hose muss es trocken sein!« Sie haben dran geglaubt und letztendlich grandios offensiv gespielt. Die Bayern dachten vorher, sie würden gegen eine Hobbytruppe spielen. Auf dem Weg in die Halbzeit sagte Hans-Jörg Butt: »Ich dachte, ihr seid ein Fanclub. Aber ihr könnt ja richtig kicken.«

Wussten Ribery, Robben und Gomez, dass auf der Bank der Kreisauswahl jemand sitzt, der die Bayern in den Siebzigern mehrmals geschlagen hat?

Wilfried Hannes: Die Spieler werden es vielleicht von Hermann Gerland erfahren haben. Gegen den habe ich eines meiner ersten Bundesligaspiele gemacht. Das war im Sommer 1975, ich ersetzte bei Borussia Mönchengladbach den verletzten Jupp Heynckes auf Linksaußen. Gerland spielte rechter Verteidiger. Beim VfL Bochum.

Übermorgen trifft Borussia Mönchengladbach wieder auf den VfL Bochum. Gehen Sie ins Stadion?

Wilfried Hannes: Es ist schon ausverkauft, ich werde es also zu Hause schauen. Glücklicherweise spielt Borussia Dortmund nicht mehr.

Wieso?

Wilfried Hannes: Mein Sohn ist BVB-Fan. Letzten Samstag musste ich mit 30 von seinen Freunden – allesamt in schwarz-gelben Trikots und Pappmeisterschalen in der Hand – die Meisterfeier gucken. (lacht) Glücklicherweise schauten wir die Konferenz und ich konnte noch ein wenig vom Gladbach-Spiel in Hamburg sehen.

Wie haben Sie die letzten Wochen verfolgt?

Wilfried Hannes: Ohne die Arbeit von Michael Frontzeck schmälern zu wollen, aber das, was Lucien Favre geleistet hat, ist sensationell. Vor allem hat er die Defensive ungemein gestärkt – und das mit beinahe identischer Aufstellung. Der Lauf wird den Gladbachern zugute kommen. Die Chancen gegen Bochum? Ich sage: 80 zu 20.

Was muss sich in der Zukunft bei Borussia Mönchengladbach ändern?

Wilfried Hannes: Sie wissen ja, es gibt in Deutschland 80 Millionen Bundestrainer, jeder weiß es besser als der andere. Und auch ich bin zu weit weg, um mir ein wirkliches Urteil erlauben zu können. Was mir allerdings auffällt: Es wurde in den letzten Jahren zu wenig auf Qualität gesetzt. Ich glaube, der Mannschaft würde eine punktuelle Verstärkung gut tun. Also zwei, drei Kracher, statt zu viel Durchschnitt. Wenn ein Topspieler auf dem Platz steht, wird auch der Nebenmann besser.

Aktuell versucht die »Initiative Borussia« Stefan Effenberg als neuen Sportdirektor ins Spiel zu bringen. Was halten Sie davon?

Wilfried Hannes: Grundsätzlich finde ich es nicht schlecht, dass man über die Zukunft von Borussia Mönchengladbach nachdenkt. Auch darüber, dass man sich eventuell neu aufstellt. Selbst über Stefan Effenberg sollte man nachdenken, er könnte dem Verein durchaus gut tun. Dennoch: Ich finde es höchst unglücklich, dass so wichtige Dinge diskutiert werden, während die Mannschaft im Abstiegskampf steckt.

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