Wilfried Hannes über Schalke und Gladbach

»Magath ist Weltklasse!«

Wilfried Hannes war ein Phänomen. Der ehemalige Gladbacher und Schalker hatte ein Handicap – er spielte mit einem Glasauge. Wir sprachen mit ihm über seine beiden Ex-Klubs und eine Frage von Udo Lattek. Wilfried Hannes über Schalke und Gladbach

Wilfried Hannes, wie hat Ihnen das Spiel Ihrer beiden Ex-Klubs eben gefallen?

Das war ganz ordentlich, auch wenn Schalke zur Halbzeit relativ glücklich geführt hat. Gladbacher war teilweise besser und der Kopfball von Kuranyi vor dem 2:1 war für mich ein Foul.

[ad]

Wie beurteilen Sie die bisherige Saisonleistung der Schalker?  

Die Mannschaft spielt stark auf und steht recht überraschend dort oben. Da ist ganz klar die Handschrift von Felix Magath zu erkennen. Was der Mann abliefert ist einfach Weltklasse! Mit seiner eigenen Art und der enormen Machtfülle, die er auf Schalke besitzt, hat er es endlich geschafft Ruhe und Ordnung in den gesamten Verein und sein Umfeld zu bringen. Das war seit langem nötig. 

Auch Michael Frontzeck kann bei Gladbach momentan recht entspannt arbeiten...  

Auch wenn es unter ihm Anfangs nicht so gut lief und ihm gegenüber damals alle sehr skeptisch gegenüberstanden hat er es doch nach vielen Jahren geschafft, die Borussia so gut aufzustellen wie schon lange nicht mehr. Die Kontinuität in der Mannschaftsaufstellung, vor allem in der Abwehr, und ausgebliebenes Verletzungspech  machen die Mannschaft in dieser Saison so stark. Dass man nicht, wie in der letzten Saison, bis zum Schluss um den Klassenerhalt zittern muss, ist zu großen Teilen der Verdienst vom Michael und das sollte man ihm hoch anrechen.  

Lange ausruhen kann sich die sportliche Leitung auf diesem Erfolg aber sicher nicht.  

Die Erwartungen des Umfelds werden weiter steigen, das ist wie ein Reflex den man nicht los wird. Schon jetzt wird mir wieder zu viel vom internationalen Geschäft geredet. Solche Erwartungshaltungen sind utopisch und man sollte sie schnellstmöglich wieder vergessen! Die Kluft zwischen armen und reichen Vereinen in der Liga ist noch größer geworden. Für Gladbach wird unglaublich schwierig jemals wieder an vergangene glorreiche Zeiten anknüpfen zu können. Gelingt es in der nächsten Saison jedoch zwei, drei Plätze weiter nach oben zu klettern, wären das erste kleine Schritte in eine bessere Zukunft.  

Die Wünsche der Schalker Fans sind dagegen möglicherweise schon früher realisierbar...  

Die Schalker Fangemeinde hatte schon zu meiner Zeit ein enormes Wunschdenken, leider war es auch höchst realitätsfern. Mit Spielern wie Schumacher, Thon, Wegmann, Jakobs steckte im Kader einiges an Potential. Mit diesen Jungs hätten wir nicht absteigen müssen, doch viele interne Querelen brachten Unruhe in den Verein und das hat sich dann eben auch auf die Mannschaft übertragen. In meiner zweiten Saison gab es die Quittung, denn es hatte sich eben nichts geändert. Felix Magath hingegen verfolgt eine klare Linie, er ist der Richtige um Schalke wieder oben zu etablieren.   

Wie war es für Sie, nach elf Jahren bei Borussia Mönchengladbach, als Schalker gegen ihren ehemaligen Verein zu spielen?  

Es war kein angenehmes Gefühl gegen die alten Weggefährten antreten zu müssen. Zum Glück haben mich die Fans nach all den Jahren herzlich empfangen und mich nicht mit Pfiffen bedacht wie Matthäus. Ich glaube, nie ist ein Fan nach Hause gegangen und hat sich gesagt: »der Hannes hat heute nicht gekämpft«. Die Leute haben honoriert, dass ich ein ehrlich arbeitender Spieler gewesen bin.

Warum haben sie die Borussia eigentlich verlassen?

Für mich wäre es nie ein Thema gewesen. Als man mir aber wegen anhaltender Verletzungen plötzlich nur noch einen leistungsbezogenen Vertrag vorlegen wollte, habe ich es, nach all den Jahren in denen ich für die Borussia meine Knochen hingehalten habe, nicht einsehen wollen zu bleiben und mich eben anderweitig umgeschaut.  

Wie kam der Wechsel nach Gelsenkirchen zustande?  

Rudi Assauer hat sich eben intensiv um mich bemüht. Er war bei mir zu Hause und rief ständig an, um mich von Schalke zu überzeugen. Ich kann mich noch an ein Essen mit feinsten Speisen und den Frauen bei ihm zu Hause erinnern. Er hat in meinem Fall richtig Gas gegeben...  

Wegen eines Tumors wurde Ihnen schon in früher Kindheit ein Auge entfernt. Hat sie ihr Glasauge beim Fußballspielen in irgendeiner Weise beeinträchtigt?  

Die Frage zu beantworten ist müßig, denn ich hatte ja eine sehr erfolgreiche Zeit als Fußballer und kenne es außerdem gar nicht anders, ich bin damit aufgewachsen. Aber was wäre denn eigentlich mit zwei Augen möglich gewesen? Ich denke das Beste aus meiner Situation gemacht zu haben. Das einzige was öfters Probleme gemacht hat, war die Einschätzung von Distanzen. Aber gerade beim Kopfballspiel war ich sehr gefährlich und habe so meine meisten Tore erzielt.  

Sie sind von den Gladbacher ja auch ursprünglich als Stürmer verpflichtet worden...  

Richtig, ich kam als gelernter Stürmer zur Borussia. In den ersten beiden Jahren habe ich nur dann nur gespielt wenn der Jupp Heynckes verletzt war. Vor einem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt fiel ein Abwehrspieler aus. Einen tag vor der Partie sprach mich Udo Lattek an: »Willi, traust du dir zu die Position zu spielen?«. Da ich ungedingt spielen wollte habe ich dann natürlich zugesagt! Und so begann dann meine Karriere als Libero...

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!