11.02.2012

Wiggerl Kögl über den FC Bayern

»Ich durfte nicht Porsche fahren«

Ludwig Kögl wurde sechsmal Deutscher Meister mit dem FC Bayern – und das als Ur-Sechzger! Hier erzählt er von den Schmähungen, die ihm die Löwen-Fans zuteil werden ließen – und wie ihn Uli Hoeneß zum Kauf eines VW-Käfers zwang.

Interview: Fabian Jonas Bild: imago

Udo Lattek, Jupp Heynckes, Christoph Daum, Willi Entenmann, Egon Coordes. In Ihrer Karriere sind Sie einigen prominenten Trainern begegnet. Wer hat Sie denn am meisten geprägt?

Ludwig Kögl: Geprägt hätten sie mich wohl nur, wenn ich Trainer geworden wäre. Das sind alles unterschiedliche Typen, mit dem einen kommt man besser zurecht, mit einem anderen weniger. Aber ich denke schon, dass Udo Lattek mein bester Trainer war, seine Titelsammlung kommt ja nicht von Ungefähr. Er hat immer zur richtigen Zeit das richtige gemacht und weniger Wert auf das Training gelegt. Aber psychologisch und rhetorisch war er seinen damaligen Kollegen meistens überlegen. Aber ich hatte in meiner Karriere ungefähr 25 Trainer, da kann man kaum vergleichen.

In der Saison 1995/96 kamen Sie unter dem neuen Coach Rolf Fringer in Stuttgart plötzlich kaum noch zum Einsatz. Woran lag das?


Ludwig Kögl: Ich hatte mich vor der Saison mit dem Verein nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen können. Ich hatte Angebote aus England vorliegen und wollte gerne dorthin wechseln. Mit Sunderland war ich mir schon einig. Damals war man nach Vertragsende aber noch nicht ablösefrei und Stuttgart wollte für mich noch 3,5 Millionen DM haben, das war Sunderland zuviel. Stuttgart wollte mich behalten und legte mir einen Zwei-Jahres-Vertrag vor, den ich aber nicht unterschrieb. Erst als sich abzeichnete, dass der VfB auf seinen Forderungen bestehen würde, habe ich im August doch noch einen Ein-Jahres-Vertrag unterzeichnet, weil ich sonst auf der Straße gestanden hätte.

Kein optimaler Start in eine Saison mit einem neuen Trainer.


Ludwig Kögl: Nein, ich hatte quasi keine Vorbereitung und bin erst im letzten Moment zur Mannschaft gestoßen. In der Vorrunde habe ich dennoch fast alle Spiele gemacht. Anfang Dezember habe ich mich wieder an der Achillessehne verletzt. Nach der Operation war es unter Fringer dann erstens so, dass die Mannschaft auch ohne mich Erfolg gehabt hatte und er mir zweitens die Zugeständnisse nicht einräumen wollte, die ich bei anderen Trainern gehabt hatte.

Was für Zugeständnisse waren das?

Ludwig Kögl: Vor allem Jürgen Röber und Jürgen Sundermann hatten Rücksicht auf meine körperlichen Probleme genommen. Bei ihnen musste ich nicht immer voll mittrainieren, zumindest nicht bei Dingen wie Sprungübungen und dergleichen. Fringer meinte aber, darauf könne er keine Rücksicht nehmen, jeder müsse volle Pulle mitziehen. Das hat für mich nur keinen Sinn gemacht, weil ich dann vor Schmerzen kaum noch spielen konnte. Als schließlich eine schlechtere Phase kam, hat Fringer drei, vier Spieler dafür verantwortlich gemacht, darunter mich.

War damit das Verhältnis zum Trainer zerstört?


Ludwig Kögl: Er hat Andi Buck, Axel Kruse, Günther Schäfer und mich für zwei Spiele auf die Tribüne gesetzt, und das war mir in meiner Laufbahn überhaupt noch nicht passiert. Das wollte ich nicht akzeptieren und habe dem Verein gesagt, dass ich mich auf keinen Fall auf die Tribüne setzen würde. Und obwohl ich noch Vertrag hatte, gab es Angebote aus der Schweiz, wo das Transferfenster bis März geöffnet war. Ich habe mich dann für Luzern entschieden.

Diesmal legte Ihnen der Verein keine Steine in den Weg?


Ludwig Kögl: Nein, denn inzwischen war das Bosman-Urteil durch, und ich wäre im Sommer ablösefrei gewesen. Ich hätte zwar einen Paragraphen ziehen und ein Jahr länger bleiben können, aber das war mir alles wurscht, keinen Tag mehr wollte ich auf die Tribüne. Buck, Kruse und Schäfer haben es gemacht und Fringer schnell überlebt. Ich wollte weg, und so hat Luzern immerhin noch 500 000 Mark für mich gezahlt.

Erst wollten Sie nicht einmal weg aus Bayern, später zog es sie nach England und letztlich in die Schweiz. Hört sich an, als hätten Sie einen gewaltigen Reifeprozess durchlaufen.


Ludwig Kögl: Das stimmt auch. In der Bundesliga hatte ich alles erreicht, da gab es kein Steigerungspotential mehr. Insofern war ich offen für andere Sachen.

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