Wiggerl Kögl über den FC Bayern

»Ich durfte nicht Porsche fahren«

Ludwig Kögl wurde sechsmal Deutscher Meister mit dem FC Bayern – und das als Ur-Sechzger! Hier erzählt er von den Schmähungen, die ihm die Löwen-Fans zuteil werden ließen – und wie ihn Uli Hoeneß zum Kauf eines VW-Käfers zwang. Wiggerl Kögl über den FC Bayernimago

Herr Kögl, Sie als gebürtiger Bayer haben für alle drei Münchner Vereine gespielt. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Wie konnte Ihnen das denn passieren?

Ludwig Kögl: Mei, es hat sich so ergeben. Ich habe bei 1860 in der Jugend begonnen und bin dann schnell in die erste Mannschaft hochgekommen. 1982 war 1860 aufgrund finanzieller Probleme von der zweiten in die dritte Liga zwangsrelegiert worden. 1983/84, als ich den Sprung in die 1. Mannschaft geschafft hatte, haben wir dann den Aufstieg verpasst. Damit war ich auf dem Markt und hatte viele Angebote von Bundesligisten. Und letztlich habe ich mich dann für den FC Bayern entschieden.

Heißt das, Sie wären im Falle des Aufstiegs bei 1860 geblieben?


Ludwig Kögl: Ja, ich hatte noch einen Zwei-Jahres-Vertrag für die zweite Bundesliga und wäre diese zwei Jahre auch sicher noch geblieben, auch wenn mein Ziel ganz klar erste Bundesliga hieß. Ich war damals zwar Juniorennationalspieler, aber ich wäre schon noch ganz gerne länger bei Sechzig geblieben.

Ihre Karriere wäre dann wahrscheinlich anders verlaufen.

Ludwig Kögl: Davon gehe ich aus, ja (lacht).

Ein Wechsel von 1860 zu Bayern war damals doch noch deutlich brisanter als heute. Gab es Anfeindungen?

Ludwig Kögl: Ja, schon. Insgesamt hielt sich das im Rahmen, aber es gab schon ein paar Leute, die den Kontakt komplett abgebrochen und mir das massiv persönlich übel genommen haben.
Also nicht nur von Seiten der Fans, sondern auch in Ihrem persönlichen Umfeld?

Ludwig Kögl: Ja, teilweise schon. Das waren alle möglichen Leute, querbeet.

Und wie war das bei den Bayern?


Ludwig Kögl: Da gab es gar keine Anfeindungen, wirklich Nullkommanull. Ich war auch vom ersten Spieltag an ein Publikumsliebling, weil ich ein Einheimischer war, was es auch länger nicht mehr gegeben hatte, und weil meine Art, Fußball zu spielen, recht gut angekommen ist. Von den Bayernfans wurde ich sehr gut aufgenommen.

Dann haben Sie Ihre Entscheidung auch nicht bereut?


Ludwig Kögl: Nein, auf keinen Fall. Ich meine, ich hatte damals 15 Angebote von Bundesligisten vorliegen, das war natürlich schon schwierig, sich richtig zu entscheiden. Aber ich war damals doch auch sehr heimatverbunden und habe mich für die Bayern auch deswegen entschieden, weil der Verein vor der Haustür lag und der Wechsel für mich mit keinem Umzug verbunden war. Ein anderer Grund war, dass es im Vorfeld sehr gute Gespräche mit Uli Hoeneß und dem damaligen Präsidenten Willi Hoffmann gab, aber ausschlaggebend war wirklich, dass ich nicht von zu Hause weg wollte

Meine Güte, 15 Bundesligisten. Das ist ja fast die ganze Liga.


Ludwig Kögl: Ja, fast. Man muss dazu aber wissen, dass ich damals als Spieler einer Amateurmannschaft sehr günstig war. Ansonsten war man ja selbst nach Vertragsende nicht ablösefrei und auch junge Spieler deswegen relativ teuer. Bei mir wurden nur die Spiele in den Auswahl- und Jugendnationalmannschaften mit eingerechnet, deswegen war ich für die meisten Bundesligisten interessant.

Wie viel haben Sie denn letztlich gekostet?

Ludwig Kögl: 70.000 DM und ein Ablösespiel im Grünwalder Stadion, bei dem ich 90 Minuten ausgepfiffen wurde. Mehr als ausgepfiffen.

Zu Beginn Ihrer Karriere gab es Versuche, Sie zu einem der ersten Popstars der Bundesliga aufzubauen. Die »Bravo« nominierte Sie 1985 zum Sportler des Jahres unter dem Titel: Unser Dribbelkönig. Auf dem Bolzplatz wollten die Kinder Wiggerl Kögl sein. Wie haben Sie das denn erlebt?

Ludwig Kögl: Ich habe mir da nicht so viele Gedanken gemacht und mich nur auf Fußball konzentriert. Im Nachhinein betrachtet, ist aber schon viel auf mich eingestürzt: Ich bin mit 18 Jahren zu Bayern gekommen, mit 19 war ich Spieler des Jahres, Aufsteiger des Jahres, Deutscher Meister und habe in Mexiko mein erstes Länderspiel gemacht. Es war fast keine Steigerung mehr möglich. Plötzlich kamen Angebote aus dem Ausland, ich habe Werbeverträge abgeschlossen und und und.

Waren Sie dabei vielleicht überfordert?


Ludwig Kögl: Überfordert möchte ich nicht sagen, aber es ging alles sehr schnell und war eigentlich nicht vorhersehbar.

Hatten Sie denn jemanden, der Ihnen geholfen hat? Heute hat ja jeder Jungprofi drei Berater.

Ludwig Kögl: Meinen Vater halt (lacht). Der hat zwar auch einmal Fußball in der zweithöchsten Liga gespielt, aber in dieser Materie auch keine größeren Erfahrungen gehabt. Nein, aber ich war gut aufgehoben bei Bayern München. Uli Hoeneß hat mir seinen Steuerberater zur Verfügung gestellt und die ganzen Privat-Verträge für mich abgeschlossen, da war ich gut versorgt. Aber Berater-technisch war das damals noch nicht so wie jetzt.

Sie sagten immer geradeheraus ihre Meinung. Sind sie damit denn nie angeeckt?

Ludwig Kögl: Mit den Medien hatte ich nie Probleme, im Gegenteil. Ich kam eigentlich gut an und wurde sehr hochgepuscht mit meinen bayrischen Attributen, meinem Dialekt zum Beispiel. Ich habe mich da nicht verdrehen lassen.

Heute wirkt jeder Spieler, als hätte er ein Medientraining hinter sich. Würde der junge Kögl von 1985 denn im heutigen Geschäft noch zurechtkommen?

Ludwig Kögl: Ich habe mir darüber sicherlich keine großen Gedanken gemacht und auch kein Medientraining gehabt oder sonst jemand, der mir da mit Rat und Tat zur Seite gestanden hätte. Am ehesten war noch Uli Hoeneß derjenige der mir sagte, es würde zu viel oder es wäre mal an der Zeit den einen oder anderen Termin abzusagen. Ich wollte mal einen Porsche haben, da hat er mir zum Beispiel gesagt: »Das kommt nicht in Frage«, und daran habe ich mich dann auch meistens gehalten.

Den Porsche hat er Ihnen verboten?

Ludwig Kögl: Verboten nicht, aber er hat mir schon zu verstehen gegeben, dass es in der Öffentlichkeit vielleicht keinen so guten Eindruck macht, wenn ich mit 19 oder 20 Jahren plötzlich mit einem 911er Porsche vorfahre. Obwohl er selber einen fuhr und ich das ja gesehen hatte, dass mehrere in der Mannschaft solche Autos hatten.

Aber Sie haben es dann bleiben lassen?


Ludwig Kögl: Ich habe mir dann von meiner ersten Meisterschaftsprämie ein Käfer Cabriolet gekauft, das habe ich heute noch.

Sie sind einer der erfolgreichsten Spieler der Bundesligageschichte. Fünf Mal wurden Sie mit dem FC Bayern, einmal mit Stuttgart deutscher Meister. Dazu kommt ein Pokalsieg, ebenfalls mit Bayern. In der öffentlichen Wahrnehmung ist das nicht mehr so präsent. Sind Ihnen Ihre Erfolge denn bewusst?

Ludwig Kögl: Was heißt bewusst? Ich weiß es schon (lacht). Sechs Meistertitel sind ja nicht alltäglich, vor allem, weil ich nur sechs Jahre bei Bayern gespielt habe. Die Spieler, die mehr Titel haben, haben alle länger bei Bayern gespielt.

Dem stehen nur zwei Einsätze in der Nationalmannschaft gegenüber. Wieso das?

Ludwig Kögl: Das hat zwei Gründe: Erstens gab es damals eine ganz andere Konkurrenzsituation im Sturm als heute. Damals hat Kalle Rummenigge gespielt, Rudi Völler, Klaus Allofs, Pierre Littbarski und was weiß ich, wer noch alles. Deutschland konnte in der Offensive aus dem Vollen schöpfen. Zweitens fing das schon damals mit den Verletzungen an. Ich bin acht Mal an den Achillessehnen operiert worden, fünf Mal rechts und drei Mal links, dazu hatte ich zwei Sprunggelenksoperationen. Ab meinem 21. Lebensjahr hatte ich vor allem mit der Achillessehne zu kämpfen und hatte regelmäßig Operationen.

Sie kamen im Verein trotzdem sehr oft zum Einsatz. Haben Sie oft unter Schmerzen gespielt?

Ludwig Kögl: Eigentlich fast immer. Ich habe auch fast nie Urlaub machen können, weil ich entweder in der Reha war oder auf dem OP-Tisch lag. Danach war ich dann meistens drei Monate verletzt und bin dann wieder zurückgekommen, bis auf einmal, da war ich zehn Monate am Stück weg, 1991/92 beim VfB Stuttgart.

An Franz Beckenbauer, der zu Beginn Ihrer Laufbahn Bundestrainer war, lag es also nicht, dass Ihre Nationalmannschaftskarriere nie richtig in Gang kam?


Ludwig Kögl: Nein, ganz sicher nicht. Das lag schon an mir selber, eben mit diesen Achillessehnen-Problemen, die ich immer hatte und bis heute habe. Jetzt ist das einigermaßen zu kontrollieren, aber als Spitzensportler hatte ich massive Probleme. Dem musste ich auch alles unterordnen, sonst hätte ich nicht 18 Jahre in diesem Geschäft aktiv sein können. Qualitativ hat sich das dann auch so ausgewirkt, dass ich nicht so schnell war wie zu Beginn meiner Karriere, weil eben der Abdruck von den Sehnen gefehlt hat. Als Aktiver hängt man das nicht so an die große Glocke, aber es waren schon massive Beeinträchtigungen, ich habe ja fast nie trainiert.

1987 standen Sie mit Bayern im Finale des Europapokals der Landesmeister gegen Porto und schossen dort sogar ein Tor.

Ludwig Kögl: Ja, mit einem Kopfball aus 16 Metern nach einem Einwurf, so ein Tor habe ich danach nie wieder gemacht. Ich hatte überhaupt nur vier Kopfballtreffer in meiner Karriere, glaube ich.

Dennoch ging das Spiel danach noch verloren. Wie haben Sie diesen Moment wahrgenommen?

Ludwig Kögl: Klar war es sehr bitter, aber richtig realisiert hat man das erst später. Ich war damals 21, und habe gedacht ich würde sicher noch öfter in einem Europa-Cup-Finale stehen (lacht). Und dann war es halt doch das einzige und wir haben erst später gemerkt, welche Chance wir da vergeben haben. Bis zur 70. Minute waren wir die bessere Mannschaft und dachten: »Uns kann nichts mehr passieren.« Dann wurden wir zu passiv und haben den Ausgleich kassiert, und dann ging’s dahin. Wir konnten nicht mehr reagieren.

Können Sie festmachen, woran es lag?

Ludwig Kögl: Wir haben einfach zu wenig gemacht, wir waren uns zu sicher, wir waren und schon im Vorfeld zu sicher. Wir hatten im Halbfinale Real Madrid ausgeschaltet und waren der absolute Topfavorit, Porto der klare Außenseiter. Damals hat man die anderen Mannschaften ja auch noch nicht so gut gekannt wie heute. Wir wussten nur, dass eine portugiesische Mannschaft kommt und dachten: »Die kriegen wir schon in den Griff« (lacht). Das war damals allerdings eine Topmannschaft mit Topspielern. Dass es Topspieler waren, haben wir leider zu spät gemerkt.

Zwei Jahre später standen Sie im Halbfinale des Uefa-Cups und scheiterten dort an Neapel mit Maradona auf dem Höhepunkt seines Schaffens. War er der beste Spieler aller Zeiten? Viele, die gegen ihn gespielt haben, sind dieser Meinung.

Ludwig Kögl: Zu seiner Zeit war er sicherlich der Beste. Vielleicht war Pelé im Endeffekt ein noch kompletterer Spieler, das ist schwierig zu beurteilen. Zico wurde Mitte der 80er auch hoch gehandelt, aber Maradona war das Nonplusultra. Das hat er in den Spielen gegen uns auch bestätigt. In Neapel war alles auf ihn ausgerichtet, aber er hat das immer wieder gerechtfertigt und den Unterschied ausgemacht. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass Neapel den Titel geholt hat.

Ein Jahr später, nach der Saison 1989/90 sind Sie zu Neapels Finalgegner VfB Stuttgart gewechselt. Was war dafür ausschlaggebend? Eigentlich gehörten Sie doch zur Stammelf bei Bayern, oder?

Ludwig Kögl: Dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen war Dieter Hoeneß Manager beim VfB Stuttgart, der früher mein Sturmkollege war und mit dem ich mich auf dem Spielfeld und privat gut verstanden habe. Er und der Stuttgarter Trainer Willi Entenmann haben sich sehr um mich bemüht. Bei Bayern hatte ich noch einen Vertrag bis 1991, aber durch meine Achillessehnen hatte ich immer wieder Probleme, und natürlich war die Konkurrenzsituation bei Bayern größer als bei Stuttgart. Dann wurde auch noch Brian Laudrup verpflichtet, ein ähnlicher Spielertyp wie ich, und ich saß im Ligacup erst einmal auf der Bank, obwohl ich eigentlich unumstrittener Stammspieler war.

Bei den Bayern ist das aber doch normal, dass man auch mal draußen sitzt.


Ludwig Kögl: Ja, schon. Es gab öfter die Konstellation, dass viele neue Spieler dazukamen und die alten erst einmal auf der Bank saßen. Bei mir nicht immer, aber bei meinem Zimmerkollegen Roland Wohlfahrt war es fast jedes Jahr so. Aber spätestens nach dem vierten oder fünften Spieltag war er wieder in der Stammmannschaft. Er hat sich damit angefreundet. Bei mir war das anders. Ich hatte trotz meiner Probleme zwei Jahre lang fast jedes Spiel von Anfang an gemacht und plötzlich saß ich draußen. Ich habe dann aus dem Bauch heraus entschieden, dass ich etwas anderes machen will und innerhalb von fünf Tagen ging der Wechsel über die Bühne.

War das dann ein Abschied im Unfrieden?


Ludwig Kögl: Nein, gar nicht. Die Möglichkeit hat sich einfach kurzfristig ergeben und ich habe sie wahrgenommen.

Und wie viel waren Sie inzwischen wert?

Ludwig Kögl: Knappe zwei Millionen Mark, glaube ich.

Willi Entenmann wurde wenige Monate nach Ihrem Wechsel beim VfB entlassen. Sein Nachfolger war ausgerechnet Christoph Daum, zur damaligen Zeit der absolute Erzfeind von Uli Hoeneß und Ihres ehemaligen Trainers Jupp Heynckes. War das auch für Sie eine besondere Situation?


Ludwig Kögl: Als ich noch bei Bayern war, haben wir das natürlich alle mitbekommen, dass Christoph Daum Jupp Heynckes des Öfteren verbal massiv attackiert hat, vor allem 1989 vor dem entscheidenden Spiel in Köln (vor laufenden Kameras im »Aktuellen Sportstudio«, d. Red.). Aber wir hatten damals schon das Selbstbewusstsein, dass wir darüber eigentlich nur lachen konnten und wussten, dass wir stärker sind als Köln.

Haben Sie danach bewusst für den Trainer gespielt?

Ludwig Kögl: In diesem Fall muss ich da klipp und klar ja sagen. Jupp Heynckes ist 1987 zu Bayern gekommen, nach einer sehr erfolgreichen Zeit mit Udo Lattek. 1988 sind wir dann nicht Meister geworden, sondern nur Zweiter, was für den FC Bayern eine mittlere Katastrophe war und weswegen wir sehr in der Kritik standen. Deswegen war es uns in der Saison 1988/89 vor allem nach den Anfeindungen von Daum schon wichtig, dass auch Jupp Heynckes seinen ersten Titel holt.

Wie kann man sich das denn vorstellen? Als Bayernspieler hat man etwas gegen Christoph Daum. Anderthalb Jahre später ist er Ihr Trainer. Ist das nicht eine kuriose Situation?

Ludwig Kögl: Kurzeitig schon, aber im Fußball gibt es so viele Unwägbarkeiten, vor allem was Trainer betrifft. Auf so etwas muss man sich einstellen.

Also sind Sie gut mit ihm klar gekommen?

Ludwig Kögl: Was heißt gut? Wir waren sicherlich keine Freunde, das muss ich schon sagen. Aber was das Sportliche betrifft, haben wir uns, sagen wir: respektiert. Er hat mich schon immer aufgestellt, und ich hatte einen Fürsprecher in Dieter Hoeneß. Rein nach Leistung hätte er mich ohnehin spielen lassen müssen, weil es in Stuttgart konstant gut gelaufen ist, aber wenn Dieter Hoeneß nicht da gewesen wäre, weiß ich nicht, ob er mich immer aufgestellt hätte.

Udo Lattek, Jupp Heynckes, Christoph Daum, Willi Entenmann, Egon Coordes. In Ihrer Karriere sind Sie einigen prominenten Trainern begegnet. Wer hat Sie denn am meisten geprägt?

Ludwig Kögl: Geprägt hätten sie mich wohl nur, wenn ich Trainer geworden wäre. Das sind alles unterschiedliche Typen, mit dem einen kommt man besser zurecht, mit einem anderen weniger. Aber ich denke schon, dass Udo Lattek mein bester Trainer war, seine Titelsammlung kommt ja nicht von Ungefähr. Er hat immer zur richtigen Zeit das richtige gemacht und weniger Wert auf das Training gelegt. Aber psychologisch und rhetorisch war er seinen damaligen Kollegen meistens überlegen. Aber ich hatte in meiner Karriere ungefähr 25 Trainer, da kann man kaum vergleichen.

In der Saison 1995/96 kamen Sie unter dem neuen Coach Rolf Fringer in Stuttgart plötzlich kaum noch zum Einsatz. Woran lag das?


Ludwig Kögl: Ich hatte mich vor der Saison mit dem Verein nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen können. Ich hatte Angebote aus England vorliegen und wollte gerne dorthin wechseln. Mit Sunderland war ich mir schon einig. Damals war man nach Vertragsende aber noch nicht ablösefrei und Stuttgart wollte für mich noch 3,5 Millionen DM haben, das war Sunderland zuviel. Stuttgart wollte mich behalten und legte mir einen Zwei-Jahres-Vertrag vor, den ich aber nicht unterschrieb. Erst als sich abzeichnete, dass der VfB auf seinen Forderungen bestehen würde, habe ich im August doch noch einen Ein-Jahres-Vertrag unterzeichnet, weil ich sonst auf der Straße gestanden hätte.

Kein optimaler Start in eine Saison mit einem neuen Trainer.


Ludwig Kögl: Nein, ich hatte quasi keine Vorbereitung und bin erst im letzten Moment zur Mannschaft gestoßen. In der Vorrunde habe ich dennoch fast alle Spiele gemacht. Anfang Dezember habe ich mich wieder an der Achillessehne verletzt. Nach der Operation war es unter Fringer dann erstens so, dass die Mannschaft auch ohne mich Erfolg gehabt hatte und er mir zweitens die Zugeständnisse nicht einräumen wollte, die ich bei anderen Trainern gehabt hatte.

Was für Zugeständnisse waren das?

Ludwig Kögl: Vor allem Jürgen Röber und Jürgen Sundermann hatten Rücksicht auf meine körperlichen Probleme genommen. Bei ihnen musste ich nicht immer voll mittrainieren, zumindest nicht bei Dingen wie Sprungübungen und dergleichen. Fringer meinte aber, darauf könne er keine Rücksicht nehmen, jeder müsse volle Pulle mitziehen. Das hat für mich nur keinen Sinn gemacht, weil ich dann vor Schmerzen kaum noch spielen konnte. Als schließlich eine schlechtere Phase kam, hat Fringer drei, vier Spieler dafür verantwortlich gemacht, darunter mich.

War damit das Verhältnis zum Trainer zerstört?


Ludwig Kögl: Er hat Andi Buck, Axel Kruse, Günther Schäfer und mich für zwei Spiele auf die Tribüne gesetzt, und das war mir in meiner Laufbahn überhaupt noch nicht passiert. Das wollte ich nicht akzeptieren und habe dem Verein gesagt, dass ich mich auf keinen Fall auf die Tribüne setzen würde. Und obwohl ich noch Vertrag hatte, gab es Angebote aus der Schweiz, wo das Transferfenster bis März geöffnet war. Ich habe mich dann für Luzern entschieden.

Diesmal legte Ihnen der Verein keine Steine in den Weg?


Ludwig Kögl: Nein, denn inzwischen war das Bosman-Urteil durch, und ich wäre im Sommer ablösefrei gewesen. Ich hätte zwar einen Paragraphen ziehen und ein Jahr länger bleiben können, aber das war mir alles wurscht, keinen Tag mehr wollte ich auf die Tribüne. Buck, Kruse und Schäfer haben es gemacht und Fringer schnell überlebt. Ich wollte weg, und so hat Luzern immerhin noch 500 000 Mark für mich gezahlt.

Erst wollten Sie nicht einmal weg aus Bayern, später zog es sie nach England und letztlich in die Schweiz. Hört sich an, als hätten Sie einen gewaltigen Reifeprozess durchlaufen.


Ludwig Kögl: Das stimmt auch. In der Bundesliga hatte ich alles erreicht, da gab es kein Steigerungspotential mehr. Insofern war ich offen für andere Sachen.

Bedauern Sie, dass es mit England nicht geklappt hat?

Ludwig Kögl: Sportlich schon, weil es eine große Herausforderung gewesen wäre. Andererseits wäre ich dann sicherlich nicht in Luzern gelandet, und das hätte mir im Nachhinein bestimmt mehr gefehlt als heute England. Luzern war mit die schönste Station meiner Karriere.

Was war so besonders dort?

Ludwig Kögl: Die Schweiz war zwar Neuland für mich, aber ich hatte schon einen gewissen Bezug zum Land, weil ich immer in Basel operiert worden war. Das war übrigens auch ein Grund, warum ich dort hingegangen bin, um näher bei meinem Arzt zu sein und wöchentlich zur Therapie zu können. Natürlich war das Ganze nicht so mit Erfolgen verbunden wie bei Bayern, aber für Luzerner Verhältnisse war es auch sehr ordentlich, einmal im Pokalfinale zu stehen oder am Uefa-Cup teilzunehmen. Ich hatte eine sehr schöne Zeit dort, wurde drei Mal zum beliebtesten Spieler gewählt, und die Stadt war das Paradies für mich.

Sie sind Luzern ja immer noch verbunden. Heute haben Sie dort mit einem Anwalt ein Büro als Spielerberater. Wie kam das zustande?

Ludwig Kögl: Mein Partner war mein Nachbar in Rothenburg bei Luzern, wo ich eine Doppelhaushälfte hatte. Entstanden ist das, als Luzern in finanzielle Probleme geraten ist und nicht mehr regelmäßig gezahlt hat. Als mein Anwalt hat er sich darum gekümmert, und schließlich kamen auch andere Spieler zu mir und haben gefragt, ob er ihre Interessen denn nicht auch vertreten könne. Am Ende der Saison konnten wir so alle ablösefrei wechseln, und ich bin nach Unterhaching gegangen. Dabei kam die Idee auf, dass wir das nach meiner Karriere professionell machen, weil er auch Spaß daran hatte.

Hatten Sie denn vorher schon darüber nachgedacht, Spielerberater zu werden?

Ludwig Kögl: Nein, eigentlich konnte ich mir das anfangs gar nicht vorstellen. Aber weil es so war, dass wir durch diese Geschichte schon sieben oder acht gestandene Spieler hatten, die ich aus Luzern kannte und die Vertrauen zu mir hatten, hat sich das angeboten. Und weil weder mein Partner noch ich finanziell auf große Erlöse angewiesen sind, ist das eine schöne Arbeit.

Zum Abschluss Ihrer Karriere sind Sie 1999 für zwei Jahre zurück nach München gegangen, nach Unterhaching. Heimweh war es wohl nicht?

Ludwig Kögl: Nein, ich wollte gar nicht weg, weil es mir so gut gefallen hat, auch, dass ich dort die jungen Spieler führen konnte. Aber Luzern sah sich nicht mehr in der Lage, mein Gehalt zu stemmen, und hat mir einen Wechsel nahe gelegt. Ich bin nur sehr ungern weggegangen.

Warum haben Sie sich für Unterhaching entschieden?

Ludwig Kögl: Ich hatte verschiedene Angebote aus der Schweiz, aber innerhalb der Schweiz wollten meine Frau und ich nicht mehr umziehen. Als das Angebot aus Unterhaching kam, hatte ich gerade ein Haus in meinem Heimatort in der Nähe des Starnberger Sees gebaut. Deswegen haben wir uns für Unterhaching und eine Rückkehr in die Bundesliga entschieden

Ihr Engagement dort begann nicht eben glücklich. Im ersten Spiel sahen Sie gelb-rot, den ersten und einzigen Platzverweis Ihrer Karriere.


Ludwig Kögl: Ja, das war so. Dort habe ich eine andere Position spielen müssen, viel defensiver und ohne Absicherung hinter mir. Das Spiel hat mir überhaupt nicht gefallen, mein Gegenspieler war ziemlich schnell, und ich dachte mir: »Dem läufst du jetzt mit 33 Jahren nicht mehr so oft hinterher.« Eigentlich war es ein Frustfoul.

Auch in der Folge wurden Sie mit dem Verein nicht so richtig warm.


Ludwig Kögl: Unter Trainer Köster lag das Hauptaugenmerk auf der Defensive, das war nicht mein Spiel und ich der falsche Mann für das 3-5-2-System, vor allem in meinem Alter und mit meinen körperlichen Problemen. Vielleicht hätte ich lieber doch noch drei Jahre in der Schweiz spielen sollen, als zwei in der Bundesliga, da hätte ich ein gemütlicheres Dasein gehabt (lacht). Aber im Ernst: bereut habe ich es nie, zum damaligen Zeitpunkt war die Entscheidung schon richtig.

2000/2001 kamen Sie dann kaum noch zum Einsatz. Dennoch schloss sich am Ende ein Kreis, auch wenn Sie nicht mitgespielt haben: An Ihrem letzten Arbeitstag als Profifußballer machte der Underdog Unterhaching Ihren alten Verein FC Bayern zum Deutschen Meister. Schöner Ausstand?


Ludwig Kögl: Ach Gott! Sicher habe ich mich gefreut, dass Bayern durch unseren Sieg gegen Leverkusen Deutscher Meister wurde. Aber damit hatte es sich dann auch.

Zum Abschluss: Hand aufs Herz, Herr Kögl, was sind Sie denn nun? Ein 60er oder ein Roter?


Ludwig Kögl: Weder noch, im Grunde bin ich gar kein Fan. Ich habe noch Kontakt zu allen Vereinen, bei denen ich war, und verfolge das, aber Rivalitäten gibt es da keine. In meiner Jugend war ich Gladbach-Fan, der einzige in meinem Heimatort Penzberg, das hat keiner verstanden. Die Spielweise der Mannschaft hat mir einfach am meisten Spaß gemacht. Simonsen, Jensen und Heynckes, das waren die Spieler, die ich favorisiert habe. Aber bei den 15 Bundesligisten, die mir 1984 ein Angebot gemacht haben, war Borussia Mönchengladbach nicht dabei.

Sonst wären Sie nach Gladbach gewechselt?

Ludwig Kögl: Sonst wäre ich nach Gladbach gegangen, hundertprozentig.

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