11.02.2012

Wiggerl Kögl über den FC Bayern

»Ich durfte nicht Porsche fahren«

Ludwig Kögl wurde sechsmal Deutscher Meister mit dem FC Bayern – und das als Ur-Sechzger! Hier erzählt er von den Schmähungen, die ihm die Löwen-Fans zuteil werden ließen – und wie ihn Uli Hoeneß zum Kauf eines VW-Käfers zwang.

Interview: Fabian Jonas Bild: imago

Dennoch ging das Spiel danach noch verloren. Wie haben Sie diesen Moment wahrgenommen?

Ludwig Kögl: Klar war es sehr bitter, aber richtig realisiert hat man das erst später. Ich war damals 21, und habe gedacht ich würde sicher noch öfter in einem Europa-Cup-Finale stehen (lacht). Und dann war es halt doch das einzige und wir haben erst später gemerkt, welche Chance wir da vergeben haben. Bis zur 70. Minute waren wir die bessere Mannschaft und dachten: »Uns kann nichts mehr passieren.« Dann wurden wir zu passiv und haben den Ausgleich kassiert, und dann ging’s dahin. Wir konnten nicht mehr reagieren.

Können Sie festmachen, woran es lag?

Ludwig Kögl: Wir haben einfach zu wenig gemacht, wir waren uns zu sicher, wir waren und schon im Vorfeld zu sicher. Wir hatten im Halbfinale Real Madrid ausgeschaltet und waren der absolute Topfavorit, Porto der klare Außenseiter. Damals hat man die anderen Mannschaften ja auch noch nicht so gut gekannt wie heute. Wir wussten nur, dass eine portugiesische Mannschaft kommt und dachten: »Die kriegen wir schon in den Griff« (lacht). Das war damals allerdings eine Topmannschaft mit Topspielern. Dass es Topspieler waren, haben wir leider zu spät gemerkt.

Zwei Jahre später standen Sie im Halbfinale des Uefa-Cups und scheiterten dort an Neapel mit Maradona auf dem Höhepunkt seines Schaffens. War er der beste Spieler aller Zeiten? Viele, die gegen ihn gespielt haben, sind dieser Meinung.

Ludwig Kögl: Zu seiner Zeit war er sicherlich der Beste. Vielleicht war Pelé im Endeffekt ein noch kompletterer Spieler, das ist schwierig zu beurteilen. Zico wurde Mitte der 80er auch hoch gehandelt, aber Maradona war das Nonplusultra. Das hat er in den Spielen gegen uns auch bestätigt. In Neapel war alles auf ihn ausgerichtet, aber er hat das immer wieder gerechtfertigt und den Unterschied ausgemacht. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass Neapel den Titel geholt hat.

Ein Jahr später, nach der Saison 1989/90 sind Sie zu Neapels Finalgegner VfB Stuttgart gewechselt. Was war dafür ausschlaggebend? Eigentlich gehörten Sie doch zur Stammelf bei Bayern, oder?

Ludwig Kögl: Dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen war Dieter Hoeneß Manager beim VfB Stuttgart, der früher mein Sturmkollege war und mit dem ich mich auf dem Spielfeld und privat gut verstanden habe. Er und der Stuttgarter Trainer Willi Entenmann haben sich sehr um mich bemüht. Bei Bayern hatte ich noch einen Vertrag bis 1991, aber durch meine Achillessehnen hatte ich immer wieder Probleme, und natürlich war die Konkurrenzsituation bei Bayern größer als bei Stuttgart. Dann wurde auch noch Brian Laudrup verpflichtet, ein ähnlicher Spielertyp wie ich, und ich saß im Ligacup erst einmal auf der Bank, obwohl ich eigentlich unumstrittener Stammspieler war.

Bei den Bayern ist das aber doch normal, dass man auch mal draußen sitzt.


Ludwig Kögl: Ja, schon. Es gab öfter die Konstellation, dass viele neue Spieler dazukamen und die alten erst einmal auf der Bank saßen. Bei mir nicht immer, aber bei meinem Zimmerkollegen Roland Wohlfahrt war es fast jedes Jahr so. Aber spätestens nach dem vierten oder fünften Spieltag war er wieder in der Stammmannschaft. Er hat sich damit angefreundet. Bei mir war das anders. Ich hatte trotz meiner Probleme zwei Jahre lang fast jedes Spiel von Anfang an gemacht und plötzlich saß ich draußen. Ich habe dann aus dem Bauch heraus entschieden, dass ich etwas anderes machen will und innerhalb von fünf Tagen ging der Wechsel über die Bühne.

War das dann ein Abschied im Unfrieden?


Ludwig Kögl: Nein, gar nicht. Die Möglichkeit hat sich einfach kurzfristig ergeben und ich habe sie wahrgenommen.

Und wie viel waren Sie inzwischen wert?

Ludwig Kögl: Knappe zwei Millionen Mark, glaube ich.

Willi Entenmann wurde wenige Monate nach Ihrem Wechsel beim VfB entlassen. Sein Nachfolger war ausgerechnet Christoph Daum, zur damaligen Zeit der absolute Erzfeind von Uli Hoeneß und Ihres ehemaligen Trainers Jupp Heynckes. War das auch für Sie eine besondere Situation?


Ludwig Kögl: Als ich noch bei Bayern war, haben wir das natürlich alle mitbekommen, dass Christoph Daum Jupp Heynckes des Öfteren verbal massiv attackiert hat, vor allem 1989 vor dem entscheidenden Spiel in Köln (vor laufenden Kameras im »Aktuellen Sportstudio«, d. Red.). Aber wir hatten damals schon das Selbstbewusstsein, dass wir darüber eigentlich nur lachen konnten und wussten, dass wir stärker sind als Köln.

Haben Sie danach bewusst für den Trainer gespielt?

Ludwig Kögl: In diesem Fall muss ich da klipp und klar ja sagen. Jupp Heynckes ist 1987 zu Bayern gekommen, nach einer sehr erfolgreichen Zeit mit Udo Lattek. 1988 sind wir dann nicht Meister geworden, sondern nur Zweiter, was für den FC Bayern eine mittlere Katastrophe war und weswegen wir sehr in der Kritik standen. Deswegen war es uns in der Saison 1988/89 vor allem nach den Anfeindungen von Daum schon wichtig, dass auch Jupp Heynckes seinen ersten Titel holt.

Wie kann man sich das denn vorstellen? Als Bayernspieler hat man etwas gegen Christoph Daum. Anderthalb Jahre später ist er Ihr Trainer. Ist das nicht eine kuriose Situation?

Ludwig Kögl: Kurzeitig schon, aber im Fußball gibt es so viele Unwägbarkeiten, vor allem was Trainer betrifft. Auf so etwas muss man sich einstellen.

Also sind Sie gut mit ihm klar gekommen?

Ludwig Kögl: Was heißt gut? Wir waren sicherlich keine Freunde, das muss ich schon sagen. Aber was das Sportliche betrifft, haben wir uns, sagen wir: respektiert. Er hat mich schon immer aufgestellt, und ich hatte einen Fürsprecher in Dieter Hoeneß. Rein nach Leistung hätte er mich ohnehin spielen lassen müssen, weil es in Stuttgart konstant gut gelaufen ist, aber wenn Dieter Hoeneß nicht da gewesen wäre, weiß ich nicht, ob er mich immer aufgestellt hätte.

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