11.02.2012

Wiggerl Kögl über den FC Bayern

»Ich durfte nicht Porsche fahren«

Ludwig Kögl wurde sechsmal Deutscher Meister mit dem FC Bayern – und das als Ur-Sechzger! Hier erzählt er von den Schmähungen, die ihm die Löwen-Fans zuteil werden ließen – und wie ihn Uli Hoeneß zum Kauf eines VW-Käfers zwang.

Interview: Fabian Jonas Bild: imago
Also nicht nur von Seiten der Fans, sondern auch in Ihrem persönlichen Umfeld?

Ludwig Kögl: Ja, teilweise schon. Das waren alle möglichen Leute, querbeet.

Und wie war das bei den Bayern?


Ludwig Kögl: Da gab es gar keine Anfeindungen, wirklich Nullkommanull. Ich war auch vom ersten Spieltag an ein Publikumsliebling, weil ich ein Einheimischer war, was es auch länger nicht mehr gegeben hatte, und weil meine Art, Fußball zu spielen, recht gut angekommen ist. Von den Bayernfans wurde ich sehr gut aufgenommen.

Dann haben Sie Ihre Entscheidung auch nicht bereut?


Ludwig Kögl: Nein, auf keinen Fall. Ich meine, ich hatte damals 15 Angebote von Bundesligisten vorliegen, das war natürlich schon schwierig, sich richtig zu entscheiden. Aber ich war damals doch auch sehr heimatverbunden und habe mich für die Bayern auch deswegen entschieden, weil der Verein vor der Haustür lag und der Wechsel für mich mit keinem Umzug verbunden war. Ein anderer Grund war, dass es im Vorfeld sehr gute Gespräche mit Uli Hoeneß und dem damaligen Präsidenten Willi Hoffmann gab, aber ausschlaggebend war wirklich, dass ich nicht von zu Hause weg wollte

Meine Güte, 15 Bundesligisten. Das ist ja fast die ganze Liga.


Ludwig Kögl: Ja, fast. Man muss dazu aber wissen, dass ich damals als Spieler einer Amateurmannschaft sehr günstig war. Ansonsten war man ja selbst nach Vertragsende nicht ablösefrei und auch junge Spieler deswegen relativ teuer. Bei mir wurden nur die Spiele in den Auswahl- und Jugendnationalmannschaften mit eingerechnet, deswegen war ich für die meisten Bundesligisten interessant.

Wie viel haben Sie denn letztlich gekostet?

Ludwig Kögl: 70.000 DM und ein Ablösespiel im Grünwalder Stadion, bei dem ich 90 Minuten ausgepfiffen wurde. Mehr als ausgepfiffen.

Zu Beginn Ihrer Karriere gab es Versuche, Sie zu einem der ersten Popstars der Bundesliga aufzubauen. Die »Bravo« nominierte Sie 1985 zum Sportler des Jahres unter dem Titel: Unser Dribbelkönig. Auf dem Bolzplatz wollten die Kinder Wiggerl Kögl sein. Wie haben Sie das denn erlebt?

Ludwig Kögl: Ich habe mir da nicht so viele Gedanken gemacht und mich nur auf Fußball konzentriert. Im Nachhinein betrachtet, ist aber schon viel auf mich eingestürzt: Ich bin mit 18 Jahren zu Bayern gekommen, mit 19 war ich Spieler des Jahres, Aufsteiger des Jahres, Deutscher Meister und habe in Mexiko mein erstes Länderspiel gemacht. Es war fast keine Steigerung mehr möglich. Plötzlich kamen Angebote aus dem Ausland, ich habe Werbeverträge abgeschlossen und und und.

Waren Sie dabei vielleicht überfordert?


Ludwig Kögl: Überfordert möchte ich nicht sagen, aber es ging alles sehr schnell und war eigentlich nicht vorhersehbar.

Hatten Sie denn jemanden, der Ihnen geholfen hat? Heute hat ja jeder Jungprofi drei Berater.

Ludwig Kögl: Meinen Vater halt (lacht). Der hat zwar auch einmal Fußball in der zweithöchsten Liga gespielt, aber in dieser Materie auch keine größeren Erfahrungen gehabt. Nein, aber ich war gut aufgehoben bei Bayern München. Uli Hoeneß hat mir seinen Steuerberater zur Verfügung gestellt und die ganzen Privat-Verträge für mich abgeschlossen, da war ich gut versorgt. Aber Berater-technisch war das damals noch nicht so wie jetzt.

Sie sagten immer geradeheraus ihre Meinung. Sind sie damit denn nie angeeckt?

Ludwig Kögl: Mit den Medien hatte ich nie Probleme, im Gegenteil. Ich kam eigentlich gut an und wurde sehr hochgepuscht mit meinen bayrischen Attributen, meinem Dialekt zum Beispiel. Ich habe mich da nicht verdrehen lassen.

Heute wirkt jeder Spieler, als hätte er ein Medientraining hinter sich. Würde der junge Kögl von 1985 denn im heutigen Geschäft noch zurechtkommen?

Ludwig Kögl: Ich habe mir darüber sicherlich keine großen Gedanken gemacht und auch kein Medientraining gehabt oder sonst jemand, der mir da mit Rat und Tat zur Seite gestanden hätte. Am ehesten war noch Uli Hoeneß derjenige der mir sagte, es würde zu viel oder es wäre mal an der Zeit den einen oder anderen Termin abzusagen. Ich wollte mal einen Porsche haben, da hat er mir zum Beispiel gesagt: »Das kommt nicht in Frage«, und daran habe ich mich dann auch meistens gehalten.

Den Porsche hat er Ihnen verboten?

Ludwig Kögl: Verboten nicht, aber er hat mir schon zu verstehen gegeben, dass es in der Öffentlichkeit vielleicht keinen so guten Eindruck macht, wenn ich mit 19 oder 20 Jahren plötzlich mit einem 911er Porsche vorfahre. Obwohl er selber einen fuhr und ich das ja gesehen hatte, dass mehrere in der Mannschaft solche Autos hatten.

Aber Sie haben es dann bleiben lassen?


Ludwig Kögl: Ich habe mir dann von meiner ersten Meisterschaftsprämie ein Käfer Cabriolet gekauft, das habe ich heute noch.

Sie sind einer der erfolgreichsten Spieler der Bundesligageschichte. Fünf Mal wurden Sie mit dem FC Bayern, einmal mit Stuttgart deutscher Meister. Dazu kommt ein Pokalsieg, ebenfalls mit Bayern. In der öffentlichen Wahrnehmung ist das nicht mehr so präsent. Sind Ihnen Ihre Erfolge denn bewusst?

Ludwig Kögl: Was heißt bewusst? Ich weiß es schon (lacht). Sechs Meistertitel sind ja nicht alltäglich, vor allem, weil ich nur sechs Jahre bei Bayern gespielt habe. Die Spieler, die mehr Titel haben, haben alle länger bei Bayern gespielt.

Dem stehen nur zwei Einsätze in der Nationalmannschaft gegenüber. Wieso das?

Ludwig Kögl: Das hat zwei Gründe: Erstens gab es damals eine ganz andere Konkurrenzsituation im Sturm als heute. Damals hat Kalle Rummenigge gespielt, Rudi Völler, Klaus Allofs, Pierre Littbarski und was weiß ich, wer noch alles. Deutschland konnte in der Offensive aus dem Vollen schöpfen. Zweitens fing das schon damals mit den Verletzungen an. Ich bin acht Mal an den Achillessehnen operiert worden, fünf Mal rechts und drei Mal links, dazu hatte ich zwei Sprunggelenksoperationen. Ab meinem 21. Lebensjahr hatte ich vor allem mit der Achillessehne zu kämpfen und hatte regelmäßig Operationen.

Sie kamen im Verein trotzdem sehr oft zum Einsatz. Haben Sie oft unter Schmerzen gespielt?

Ludwig Kögl: Eigentlich fast immer. Ich habe auch fast nie Urlaub machen können, weil ich entweder in der Reha war oder auf dem OP-Tisch lag. Danach war ich dann meistens drei Monate verletzt und bin dann wieder zurückgekommen, bis auf einmal, da war ich zehn Monate am Stück weg, 1991/92 beim VfB Stuttgart.

An Franz Beckenbauer, der zu Beginn Ihrer Laufbahn Bundestrainer war, lag es also nicht, dass Ihre Nationalmannschaftskarriere nie richtig in Gang kam?


Ludwig Kögl: Nein, ganz sicher nicht. Das lag schon an mir selber, eben mit diesen Achillessehnen-Problemen, die ich immer hatte und bis heute habe. Jetzt ist das einigermaßen zu kontrollieren, aber als Spitzensportler hatte ich massive Probleme. Dem musste ich auch alles unterordnen, sonst hätte ich nicht 18 Jahre in diesem Geschäft aktiv sein können. Qualitativ hat sich das dann auch so ausgewirkt, dass ich nicht so schnell war wie zu Beginn meiner Karriere, weil eben der Abdruck von den Sehnen gefehlt hat. Als Aktiver hängt man das nicht so an die große Glocke, aber es waren schon massive Beeinträchtigungen, ich habe ja fast nie trainiert.

1987 standen Sie mit Bayern im Finale des Europapokals der Landesmeister gegen Porto und schossen dort sogar ein Tor.

Ludwig Kögl: Ja, mit einem Kopfball aus 16 Metern nach einem Einwurf, so ein Tor habe ich danach nie wieder gemacht. Ich hatte überhaupt nur vier Kopfballtreffer in meiner Karriere, glaube ich.

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