Wieso hat Louis van Gaal Sie nominiert, Paul Verhaegh?

»Ich war auch überrascht«

Im Oktober 2012 lag Augsburgs Paul Verhaegh schmerzverkrümmt auf dem Rasen. Diagnose: Innenbandriss. Jetzt ist der Niederländer von Nationalcoach Louis van Gaal nominiert worden. Ein Gespräch über Testspiele gegen Portugal, VVV Venlo und Auswärtsfahrten im Taxi.

Paul Verhaegh, sitzen Sie bereits auf gepackten Koffern?
Ich wüsste nicht, weshalb ich das tun sollte. Ich fühle mich in Augsburg sehr wohl.

Wir meinten eigentlich Ihre geplante Reise mit der niederländischen Nationalelf. Louis van Gaal hat Sie doch nominiert.
Das stimmt leider nicht ganz. Das Trainerteam hat in der letzten Woche nur den vorläufigen Kader für das Testspiel gegen Portugal bekannt gegeben. Ich gehöre dazu, und darüber freue ich mich natürlich ungemein. Momentan befinden sich jedoch 26 Spieler in der engeren Auswahl, die in dieser Woche noch einmal dezimiert wird. Wie viele Akteure schlussendlich mitfahren, weiß ich gar nicht, aber es befinden sich anscheinend noch weitere Spieler auf meiner Position des Rechtsverteidigers im Blickfeld des Trainers.

Wir haben Sie von Ihrer vorläufigen Nominierung erfahren?
Aus dem Internet, so wie die meisten Personen aus meinem Umfeld. Ich habe weder einen Anruf noch sonst eine Nachricht bekommen. Erst jetzt landete ein Brief des niederländischen Verbandes in meinem Briefkasten.

Vom Abstiegskandidaten FC Augsburg zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Erinnert Sie das an die Tellerwäscher-Story?
Ganz ruhig! Das geht mir doch ein wenig zu schnell. Ich selbst war ja auch völlig überrascht, dass ich nominiert wurde. Andererseits spiele ich in der Bundesliga, eine der besten Ligen Europas. Ich denke, dass van Gaal und seine Scouts einen besonderen Wert auf niederländische Spieler im Ausland legen.

In der vergangenen Saison mussten Sie aufgrund eines Innenbandrisses fünf Monate pausieren, kehrten erst zum Saisonfinale auf den Platz zurück. Wie haben Sie van Gaal überzeugt?
Nach meinem Comeback im März traten keine größeren Beschwerden auf, sodass ich mitten im Abstiegskampf einen guten Teil zum Klassenerhalt beitragen konnte. Über alles andere lässt sich nur spekulieren. Für mich wäre es jedenfalls das erste Mal im Oranje-Dress seit meiner Zeit in der U21. Das war 2007 und liegt somit auch schon einige Jahre zurück.

Der Trainer der damaligen U21 war Johan Neeskens. Ist die Spielidee des »Totaalvoetbal«, den seine Generation mit Johan Cruyff zelebrierte, heute noch in den Niederlande spürbar?
Absolut. Das sind immer noch die großen Namen in unserer Heimat, auch wenn die 74er-Generation gleich zwei aufeinanderfolgende WM-Finals verloren hat. Ihre Ideen und Meinungen haben auch heute noch ein starkes Gewicht im holländischen Fußball. Dieses System wird immer noch in den Jugendakademien gelehrt. Mit Louis van Gaal besitzt die Nationalmannschaft einen Trainer, der sehr großen Wert auf ein solides Konzept legt.
Sie sind 1983 geboren. Während Ihrer fußballerischen Sozialisation war das deutsch-niederländische Fußballverhältnis etwas angeschlagen…
Die Sportschau habe ich als kleiner Junge trotzdem immer verfolgt! (lacht) Ich wollte nach fünf, sechs Profijahren in der Heimat, den Schritt ins Ausland wagen. Deutschland war während meiner Jugendzeit vielleicht nicht mein erster Wunsch, doch die Entscheidung nach Augsburg zu wechseln, habe ich auch nach vier Jahren nicht bereut.

Damals holte sich noch Jos Luhukay ins Schwabenland. Ein Niederländer, der wie Sie aus Venlo kommt. Ein Zufall?
Ich komme nur aus einem Nachbardorf. Persönlich kannte ich ihn noch nicht. Es waren eher die intensiven Bemühungen Luhukays und des ehemaligen Sportdirektors Andreas Rettig, denen ich meinen Vertrag in Augsburg zu verdanken habe.

Mit dem FC Augsburg geht es am Wochenende in eine neue Saison. Befindet sich der FCA schon vor dem Start im Abstiegskampf?
Diesbezüglich müssen wir realistisch bleiben. Wir haben erneut einen der kleinsten Etats der Liga, das Ziel kann daher nur Klassenerhalt lauten. Wir wollen drei Mannschaften unter uns wissen, aber ich befürchte, dass es wieder sehr eng wird. Neu ist diese Situation dennoch nicht. Ähnliche Einschätzungen habe ich auch in den letzten beiden Jahren abgegeben, bisher haben wir so unsere Ziele immer erreicht. Auf Dauer wollen wir ein stabiler Bundesligist werden, doch damit können wir uns momentan noch nicht beschäftigen.

Zumindest im Pokalspiel gegen RB Leipzig ist der FC Augsburg, anders als viele andere Bundesligisten, nicht gestolpert.
Dabei hatten wir kein leichtes Los erwischt. Das ist ein Drittligist mit großen Ambitionen und einem beachtlichen Background. Wir waren als Bundesligist jedoch verpflichtet, dieses Spiel zu gewinnen.

Mit dem 2:0-Erfolg konnten Sie keinen Kantersieg landen. Lag das auch an der ungewöhnlichen Hinfahrt?
Sie meinen unsere zahlreichen Umstiege? Ungewöhnlich war das sicherlich. Wir sind erst mit der Bahn gefahren, die aufgrund von technischen Problemen ausfiel. Danach haben wir einige Taxen geordert, ehe uns der Mannschaftsbus eingesammelt hatte. Wir sind aber bereits am Vortag angereist, hatten also keinen Zeitdruck und konnten uns noch ausreichend erholen.

Eine Anreise, die Ihnen am Samstag erspart bleiben wird. Was erwarten Sie vom Heimspiel gegen Borussia Dortmund?
Wir wissen, dass wir nur der Außenseiter sind. Mit dem gewonnen Pokalspiel im Rücken können wir selbstbewusst in die Saison gehen und vielleicht ein erstes Zeichen setzen. Eine gute Leistung würde meine Nationalmannschaftschancen schließlich auch nicht schaden.

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