08.08.2013

Wieso hat Louis van Gaal Sie nominiert, Paul Verhaegh?

»Ich war auch überrascht«

Im Oktober 2012 lag Augsburgs Paul Verhaegh schmerzverkrümmt auf dem Rasen. Diagnose: Innenbandriss. Jetzt ist der Niederländer von Nationalcoach Louis van Gaal nominiert worden. Ein Gespräch über Testspiele gegen Portugal, VVV Venlo und Auswärtsfahrten im Taxi.

Interview: Tobias Ahrens Bild: Imago

Paul Verhaegh, sitzen Sie bereits auf gepackten Koffern?
Ich wüsste nicht, weshalb ich das tun sollte. Ich fühle mich in Augsburg sehr wohl.

Wir meinten eigentlich Ihre geplante Reise mit der niederländischen Nationalelf. Louis van Gaal hat Sie doch nominiert.
Das stimmt leider nicht ganz. Das Trainerteam hat in der letzten Woche nur den vorläufigen Kader für das Testspiel gegen Portugal bekannt gegeben. Ich gehöre dazu, und darüber freue ich mich natürlich ungemein. Momentan befinden sich jedoch 26 Spieler in der engeren Auswahl, die in dieser Woche noch einmal dezimiert wird. Wie viele Akteure schlussendlich mitfahren, weiß ich gar nicht, aber es befinden sich anscheinend noch weitere Spieler auf meiner Position des Rechtsverteidigers im Blickfeld des Trainers.

Wir haben Sie von Ihrer vorläufigen Nominierung erfahren?
Aus dem Internet, so wie die meisten Personen aus meinem Umfeld. Ich habe weder einen Anruf noch sonst eine Nachricht bekommen. Erst jetzt landete ein Brief des niederländischen Verbandes in meinem Briefkasten.

Vom Abstiegskandidaten FC Augsburg zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Erinnert Sie das an die Tellerwäscher-Story?
Ganz ruhig! Das geht mir doch ein wenig zu schnell. Ich selbst war ja auch völlig überrascht, dass ich nominiert wurde. Andererseits spiele ich in der Bundesliga, eine der besten Ligen Europas. Ich denke, dass van Gaal und seine Scouts einen besonderen Wert auf niederländische Spieler im Ausland legen.

In der vergangenen Saison mussten Sie aufgrund eines Innenbandrisses fünf Monate pausieren, kehrten erst zum Saisonfinale auf den Platz zurück. Wie haben Sie van Gaal überzeugt?
Nach meinem Comeback im März traten keine größeren Beschwerden auf, sodass ich mitten im Abstiegskampf einen guten Teil zum Klassenerhalt beitragen konnte. Über alles andere lässt sich nur spekulieren. Für mich wäre es jedenfalls das erste Mal im Oranje-Dress seit meiner Zeit in der U21. Das war 2007 und liegt somit auch schon einige Jahre zurück.

Der Trainer der damaligen U21 war Johan Neeskens. Ist die Spielidee des »Totaalvoetbal«, den seine Generation mit Johan Cruyff zelebrierte, heute noch in den Niederlande spürbar?
Absolut. Das sind immer noch die großen Namen in unserer Heimat, auch wenn die 74er-Generation gleich zwei aufeinanderfolgende WM-Finals verloren hat. Ihre Ideen und Meinungen haben auch heute noch ein starkes Gewicht im holländischen Fußball. Dieses System wird immer noch in den Jugendakademien gelehrt. Mit Louis van Gaal besitzt die Nationalmannschaft einen Trainer, der sehr großen Wert auf ein solides Konzept legt.

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