Wieso ein Darmstädter zum Auswärtsspiel wandert

»Ich bekam ein bisschen Muffensausen«

Weil Darmstadt-Fan Daniel Werner eine Wette verloren hat, muss er die knapp 200 Kilometer zum Auswärtsspiel nach Aalen zu Fuß gehen. Ein Gespräch über seltsame Begegnungen am Wegrand und den Aufstieg der Lilien. Wieso ein Darmstädter zum Auswärtsspiel wandertYouTube

Daniel Werner, wo sind Sie gerade?

Daniel Werner: Wir sind eben, nach zwei Tagen, in Bad König angekommen. Das liegt etwa 37 Kilometer hinter Darmstadt. Der Plan war es, täglich 19 bis 20 Kilometer zu gehen. So wollten wir in zehn Tagen am Städtischen Waldstadion in Aalen sein. Wir haben nun also noch acht Tage vor uns.

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Warum wandern Sie eigentlich zum Auswärtsspiel in Aalen? 200 Kilometer kann man doch wunderbar mit der Bahn fahren.

Daniel Werner: Ich habe eine Wette verloren. Nach dem ersten Heimspiel der vergangenen Saison war ich so enttäuscht, dass ich zu einer Freundin sagte: »Wenn wir tatsächlich irgendwann aufsteigen, dann laufe zum ersten Auswärtsspiel.« Ich hatte zwar schon ein paar Bier intus, doch die Wette wurde besiegelt.

Darmstadt 98 hatte am ersten Spieltag gegen den SC Pfullendorf 0:2 verloren.

Daniel Werner: Nach dem Schlusspfiff klangen die Worte des Vorstandes im Ohr, der eine Art Drei-Jahres-Plan aufgestellt hatte, nach dem der Klub innerhalb von drei Jahren in die 3. Liga aufsteigen sollte. Das wirkte in diesem Moment, als die Mannschaft wieder einmal durch Unvermögen verloren hatte, sehr lächerlich.

Wann hatten Sie das erste Mal Sorge, dass Sie Ihre Wette einlösen müssen?

Daniel Werner: Relativ spät. Darmstadt 98 stand am 31. Spieltag erstmals an der Tabellenspitze. Auch, weil Hessen Kassel eingebrochen war. Und klar, da bekam ich ein bisschen Muffensausen.

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Sie haben die Wette in den nächsten Wochen totgeschwiegen?

Daniel Werner: Nein, ich bin jemand, der sich an solche Sachen hält.

Wie war es denn am letzten Spieltag, als Darmstadt gegen Memmingen den Aufstieg perfekt machte?

Daniel Werner: Es waren 17.000 Fans im Stadion und nach dem Schlusspfiff lagen wir uns in den Armen. Auch die besagte Freundin war dabei. Ihr Kommentar: »Dann mal viel Spaß beim Wandern!« Doch dieser Gedanke war mir in dem Moment echt egal, ich genoss den Moment.

Nun wandern Sie zu dritt. Warum?

Daniel Werner: Darmstadt-Fans sind für solche Aktionen gerne zu haben. Wir veranstalten auf Auswärtsfahrten etwa häufiger Motto-Touren, die auch immer gut angenommen werden. Für eine Reise nach Koblenz mieteten wir uns einmal einen Kutter, den wir mit 500 oder 600 Fans füllten. Für ein Auswärtsspiel in Memmingen gaben wir ironisch das Motto »Europapokal« aus. Einige reisten damals per Billigflieger von Frankfurt über Barcelona nach Memmingen. Nun geht's also zu Fuß nach Aalen.

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Wo übernachten Sie?

Daniel Werner: Die ersten zwei Nächte kamen wir bei Freunden aus der Darmstädter Fanszene unter. Morgen werden wir eventuell zelten. Hoffentlich regnet es dann nicht so wie am ersten Tag.

Wandern Sie wenigstens eine attraktive Route?

Daniel Werner: Ganz ehrlich: Wir wandern die schnellste Route. Teilweise gehen wir auf Rad- oder Wanderwegen, doch oft auch Querfeldein oder über Landstraßen. Gestern landeten wir so plötzlich inmitten eines Weizenfeldes. Doch wir haben uns rausgekämpft. Das Aalen-Spiel wartet schließlich nicht.

Irgendwelche kuriosen Begegnungen?

Daniel Werner: Gestern trafen wir in Nieder Kinzig einen Mann, der uns scheinbar vom Fenster aus beobachtet hatte. Als er sah, dass wir wie er 98-Fans sind, hüpfte er uns freudig entgegen. Er fand die Aktion interessant und er sagte, dass er auch nach Aalen wolle. Zum Mitlaufen konnten wir ihn nicht allerdings nicht überreden, er fährt mit dem Auto.

Sie haben noch etwa acht Tage vor sich. Genug Zeit, um jedes Spiel der vergangenen Saison Revue passieren zu lassen.

Daniel Werner: Die Gespräche drehen sich hauptsächlich um die kommende Saison. Wobei ich zugeben muss, dass die Gespräche bergauf eingeschlafen sind. Die Berge des Odenwaldes können mit Gepäck und Zelt auf dem Rücken echt anstrengend sein. Bergab sprechen wir gerne darüber, dass wir in dieser Saison endlich nicht mehr gegen Pfullendorf und Co. spielen müssen. Das fühlt sich richtig gut an.

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