Wie ist der Umgang mit Spielern, die älter als Sie selber sind? Respektieren diese vorbehaltslos Ihre Autorität?Anfangs gab es ein gegenseitiges Abtasten. Die älteren Spieler hatten in Ihrer Laufbahn schon den ein- oder anderen Trainer und wollten austesten, ob ich überhaupt Ahnung von Fußball habe. Ich denke, ich konnte Sie durch meine individuellen Ratschläge und fachlichen Sachverstand überzeugen.
Wie treten Sie den Spielern gegenüber auf?Respektvoll, aber bestimmend. Wichtig ist, dass ich mir nichts darauf einbilde, so jung Bundesliga-Trainer zu sein und meine Aufgabe ohne Arroganz erfülle. Ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, aber ein bisschen Fußballkompetenz habe ich schon. Das akzeptieren auch die älteren Spieler.
Es scheint, dass junge Trainer ohne große Fußballkarriere derzeit schwer im Trend liegen. Um nur einige zu nennen: Jürgen Klopp, Christian Streich und Thomas Tuchel. Haben Sie eine Erklärung dafür?Es gibt verschiedene Gründe, die für junge Trainer sprechen: Die Jugend von heute spricht eine andere Sprache und wächst mit sozialen Netzwerken auf – die Gesellschaft insgesamt hat sich sehr verändert. Vielleicht fällt es jüngeren Trainern leichter, mit jungen Spielern umzugehen.
Inwiefern stehen Sie den Spielern näher als ein älterer Kollege. Spielen Sie vielleicht sogar mal eine Runde Fußball auf der Konsole mit den Jungs?(lacht) Unabhängig vom Alter gehört es zu den Aufgaben eines Co-Trainers, nah an der Mannschaft zu sein, aber abends mit den Spielern Konsole zu zocken, würde zu weit gehen. Ich muss aufpassen, dass es nicht zu eng wird. Die Beziehung muss professionell bleiben.
Die Hoffenheimer Mannschaft scheinen Sie jedenfalls zu erreichen. Die Auftritte nach der Winterpause wirkten wesentlich engagierter als die in der Hinrunde. Wie gelang es dem Trainerteam, das Ruder bei der TSG in so kurzer Zeit herum zu reißen?Das ist das Verdienst von Marco Kurz. Wie er mit der Mannschaft umgeht, ist für die Spieler sehr förderlich. Es ist ein richtiger Teamgeist entstanden. Der Zusammenhalt spiegelt sich als innere Ordnung auf dem Feld wider.
Ist das auch Ihr Rezept für den Klassenerhalt?Wir müssen uns auch spielerisch weiter steigern. Aber Geschlossenheit spielt eine sehr große Rolle dabei, unsere fußballerische Qualität zu verbessern.
In der Hinrunde hatte man manchmal den Eindruck, dass einige Profis eher unmotiviert über den Platz schlichen. Hingen die Probleme vielleicht auch mit dem Standort Sinsheim zusammen? Passiert den Spielern dort zu wenig?Ich sehe keinen Nachteil an Sinsheim, denn eigentlich kann man hier alles haben: Wer lieber in der Stadt wohnt, zieht nach Heidelberg. Wer, wie ich, lieber auf dem Land wohnt, bleibt in der Gegend. Auf jeden Fall kann man hier in Ruhe arbeiten, auch dank hervorragender infrastruktureller Voraussetzungen. Ich habe noch von keinem Spieler gehört, dass er sich in Sinsheim nicht wohlfühlt. Es ist eine sehr schöne, ländliche Gegend.
Haben Sie ein persönliches Trainervorbild?Pep Guardiola ist aufgrund seiner Persönlichkeit und der Spielweise des FC Barcelona in jeder Hinsicht ein Vorbild. Aber auch die Trainingsarbeit von Thomas Tuchel war für mich sehr prägend. Dennoch sind es natürlich noch Welten, die mich von meinen Vorbildern und anderen Bundesligatrainern, wie auch Marco Kurz, trennen.
Dafür haben Sie ja auch noch ein bisschen Zeit.(lacht) Das hoffe ich.