19.05.2011

Wie wird man ein guter Fußballer, Marcus Schlecht?

»Stolzieren ist die Lösung!«

Was macht Lionel Messi zum besten Fußballer der Welt? »Seine Körperintelligenz«, sagt der Fitnessexperte Marcus Schlecht. Wir sprachen mit ihm über kluge Beine aus Argentinien und die Bequemlichkeit von Michael Ballack und Per Mertesacker.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Marcus Schlecht gilt als einer der führenden deutschen Laufstil-Experten. Der Fitness- und Mentaltrainer arbeitete u.a. mit Winnie Schäfer und Werner Lorant zusammen, für Spitzensportler wie den Olympiasieger Nils Schumann war der frühere Leichtathlet Schlecht jahrelang als »Pacemaker« auf den Tartanbahnen dieser Welt unterwegs.

Marcus Schlecht, müssen wir uns Sorgen um die Fitness unserer Bundesligafußballer machen?

Marcus Schlecht: Fit genug sind die alle. Aber was den Laufstil angeht, ganz besonders die Laufökonomie, da kann der deutsche Fußball noch einiges lernen.

Von wem denn?

Marcus Schlecht: Manchester United soll allein über 22 Fitnesstrainer verfügen – das heißt: ein Fitnesscoach pro Spieler. Bayern München beschäftigt zwei Angestellte in diesem Bereich.



Was können die deutschen Fußballer denn noch konkret lernen?

Marcus Schlecht: Dafür muss ich kurz ein paar Jahre zurückgehen. Jürgen Klinsmann war ja ein wunderbarer Fußballer, aber dieser Laufstil! Fürchterlich!

Was? Jürgen Klinsmann, der blonde Schwabenpfeil – was haben Sie denn an dem auszusetzen?

Marcus Schlecht: Klinsmann ist das Paradebeispiel für falsches Laufen: Er stand immer auf dem ganzen Fuß, selten auf dem Vorderfuß. Der Vorderfuß aber ist das entscheidende Element für richtiges Laufen. Außerdem war Klinsmanns Körper stets etwas zu gerade, er hätte sich weiter nach vorne beugen müssen, wie ein Panther auf der Jagd. Er hätte sich die Schwerkraft und somit die damit verbundene Vortriebskraft des Körpers zu nutze machen müssen. Aber vor allem: Klinsmann hat viel zu große Schritte gemacht.

Aber Klinsmann war Welt- und Europameister, einer der besten Stürmer aller Zeiten!

Marcus Schlecht: Weil er zwar wie ein Raubtier gekämpft, nicht aber gesprintet ist. Klinsmann ist unzählige Kilometer pro Spiel gelaufen. Und viele davon hätte er durch richtiges Laufen einsparen können.

Kehren wir in die Gegenwart zurück: Wer gefällt Ihnen denn im Weltfußball am Allerbesten?

Marcus Schlecht: Lionel Messi ist auch in diesem Bereich absolute Weltspitze. Nicht nur, dass er wahnsinnig gut mit dem Ball umgehen kann, seine Körper-Intelligenz ist sensationell!

Körperintelligenz?

Marcus Schlecht: Vereinfacht ausgedrückt ist das die Fähigkeit, ganz viele Prozesse gleichzeitig ablaufen zu lassen. Jede Zelle in unserem Körper besitzt Intelligenz. Und wenn der Körper einen Ball bewegen muss, fangen die Zellen an zu arbeiten. Muss ein Lionel Messi nicht nur den Ball bewegen, sondern in vollem Tempo drei Gegenspieler umkurven, dann benötigt er überaus intelligente Zellen, die seinem Körper bei diesen komplexen Bewegungen helfen. Das hat man im Blut und das lernt man sich mit jeder Trainingsarbeit an. Messis unglaubliche Bewegungsfreiheit ist ein Produkt von Talent, jahrelanger und richtiger Trainingsarbeit – und mentaler Stärke.

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