Wie war das Aufstiegsdrama von Hull City, Nick Proschwitz?

»Das erlebt man nur einmal im Leben«

Gestern Paderborn, morgen Premier League. Nick Proschwitz erlebte mit seinem Klub Hull City am Wochenende das dramatischste Aufstiegsfinale der Saison. Ein Gespräch über Kopfschmerzen, Freundentänze und Sonderschichten im Urlaub.

Nick Proschwitz, wie geht es Ihrem Kopf?
(lacht) Gut. Sehr gut sogar.

Erstaunlich, dabei muss die Aufstiegsfeier mit Hull City ziemlich heftig gewesen sein?
Wir sind  ja noch mittendrin. Vielleicht kommen die Kopfschmerzen dann irgendwann später. Aber der Aufstieg in die Premier League ist für uns alle eine Riesensache. Da darf man die Feierlichkeiten auch voll genießen. Ich bin einfach froh, dass ich der Mannschaft im letzten Spiel ein bisschen helfen konnte.
 
Sie hätten auch zum tragischen Helden werden können.
Ich habe erst den 1:1-Ausgleich erzielt und fühlte mich richtig gut. Als wir dann 2:1 führten und in der Nachspielzeit auch noch einen Elfmeter zugesprochen bekamen, bin ich wie selbstverständlich an den Elfmeterpunkt gegangen. 



Doch Sie vergaben, im Gegenzug bekam ihr Gegner Cardiff einen Elfmeter und traf zum 2:2. Damit war Ihr Klub Hull City nicht aufgestiegen. Ist Ihnen das Herz in die Hose gerutscht?
Als der Schiedsrichter für Cardiff auf den Punkt zeigte, dachte ich nur: »Wow, das darf nicht wahr sein.« Das zeigt, dass im Fußball jederzeit alles passieren kann. Plötzlich stand es 2:2, und der Schiedsrichter pfiff das Spiel ab. Wir waren am Ende. Wir wussten ja nicht, wie es bei Watford stand.
 
Bei Ihrem direkten Konkurrenten Watford stand zu diesem Zeitpunkt 1:1. Damit wäre der Klub aufgestiegen. Allerdings wurde das Spiel verspätet angepfiffen.
Wir waren nach unserem Spiel total niedergeschlagen. Doch dann haben wir auf einem Fernseher gesehen, dass das Spiel in Watford noch lief. Es stand 1:1, was bedeutete, dass wir tatsächlich noch den Aufstieg hätten verpassen können. Ein paar Minuten waren ja noch zu spielen.
 
Es gibt ein Video, dass zeigt, wie Ihre Mannschaft die letzten Spielminuten der Konkurrenz vor dem Fernseher verfolgt. Sie sind nicht zu sehen. Haben Sie in der Zeit auf der Toilette Stoßgebete zum Fußballgott geschickt?
Nein, nein, ein Teil der Mannschaft schaute das Spiel im Spielertunnel, ich saß mit ein paar anderen Spielern, dem Betreuerstab und ein paar Jugendlichen in unserer Kabine. Wir waren fast 50 Leute und starrten alle in den Fernseher. Keiner sagte einen Ton.



Dachten Sie mal eine Sekunde darüber nach, dass Sie zum Aufstiegspechvogel für Hull City werden könnten?
Ich glaubte schon vor vier Wochen, dass wir sicher durch sind. Aber dann holen wir gegen die letzten Drei der Tabelle nur einen Punkt. Wir hätten nur eines dieser Spiele gewinnen müssen, dann wäre der Aufstieg sicher gewesen. Und plötzlich stehst du im letzten Spiel mit dem Rücken zur Wand.
 
Dann schoss Leeds in der Nachspielzeit in Watford das 2:1. Hull war aufgestiegen. Was passierte in diesem Moment in der Kabine Ihrer Mannschaft?
Sagen wir mal so: Es lief unkontrolliert ab. Es gab einfach kein Halten mehr. Nachdem unser Aufstieg feststand, sind wir nochmal raus ins Stadion. Die Menschen waren alle noch da. Dann dann gab es Sekt, Bier und was man sonst so trinkt, wenn es etwas zu feiern gibt. Es ging tatsächlich hoch her.


Hatten Sie schon einen Moment, in dem Sie die Geschehnisse schon verarbeiten konnten? Oder geht das in der Jubelstimmung unter?
Ich glaube jeder von uns hatte schon seine Phase, in der er sich mal zurückgezogen hat und mit dem Kopf schütteln musste. So etwas erlebt man nur einmal im Leben. Mit dem Aufstieg in die Premier League geht für mich ein Traum in Erfüllung. Ich freue mich riesig auf die nächste Saison.
 
Legendär ist schon jetzt der Freudentanz Ihres Kollegen Ahmed Elmohamady. Hat er der Mannschaft schon die Schrittfolge beigebracht?
Wir haben uns die Szenen auch schon angeschaut und fragen uns, was er da eigentlich vorgehabt hat. Ich glaube, er weiß es selber nicht so genau. (lacht)


Engländer sind für Ihren speziellen Humor bekannt. Mussten Sie sich schon ein paar Sprüche für Ihren vergebenen Elftmeter anhören?

Eigentlich heißt es ja »Germans never miss a penalty«. Was glauben Sie wie oft ich mir das jetzt anhören muss? Aber was soll’s.

Heute Abend soll dann noch eine überschaubare Feier in der Stadt veranstaltet werden. Es werden 30.000 Fans erwartet. Haben Sie schon Angst?
Ich freue mich, weil die ganze Stadt natürlich auf den Beinen sein wird. Ich denke, das wird ein Fest, das Hull nicht vergessen wird. Angst habe ich höchstens vor morgen früh. (lacht)
 
Ihre Saison hatte wahnsinnige 46 Spiele, dazu dieses furiose Finale. Wie sehr freut man sich da auf den Urlaub?
Wir haben hier elf Monate durchgespielt, in England gibt es ja keine Winterpause. Das war ich nicht gewohnt. Entsprechend müde bin ich jetzt. Ich kann es kaum erwarten, einfach mal auszuspannen. 



Mit der Premier League vor Augen wird das sicher ein ganz besonderer Urlaub.
Erst einmal werde ich vier Wochen abschalten, das muss nach so einer Saison sein. Und in der kommenden Saison wird dann ein Highlight das nächste jagen. Ich kann es kaum erwarten.
 
Und werden Sie für Ihren Traum ein paar Sonderschichten im Urlaub einlegen?
Ich bin natürlich nicht faul. Ich mache das, was wir als Trainingspensum mitbekommen – und lege immer noch eine Übung obendrauf. Versprochen!



Dann wünschen wir Ihnen, dass Sie verletzungsfrei aus den Aufstiegsfeierlichkeiten kommen.

Da machen Sie sich mal keine Sorgen. (lacht)

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