Wie tickt Freiburgs Trainerliebling Christian Streich?

»Er ist anders – definitiv«

Der SC Freiburg ist wieder in die Saisonvorbereitung gestartet, selbstverständlich unter dem Shooting Star der deutschen Trainerszene, Christian Streich. Wir sprachen mit seinem ehemaligen Schützling Julian Reinard über die Macken des exzentrischen Übungsleiters.

Julian Reinard, wer oder was war für die sensationelle Saison des SC Freiburg verantwortlich?
Einen großen Anteil hatte Trainer Christian Streich. Er hat es geschafft, die Mannschaft immer super einzustellen und sie zu motivieren. Während des Spiel sind die Jungs 90 Minuten um ihr Leben gerannt. Da ist definitiv die Handschrift von Trainer Christian Streich zu erkennen.

Streich war vor seinem Engagement als Cheftrainer bei den Profis Jugendtrainer. Auch Sie haben unter ihm in der Jugend gespielt. Was ist er für ein Typ?
Ein Fußball-Verrückter im positiven Sinne. Wenn er auf den Platz geht, dann legt sich bei ihm ein Schalter um. Streich ist aber auch ein extremer Fußballfachmann und ein sehr lieber und freundlicher Mensch. Er hat sich auch für die Person hinter dem Jugend-Fußballer interessiert.

Während er in Freiburg schon eine Art Volksheld ist, könnte man ihn anderswo in der Republik auch für etwas durchgeknallt halten. Sehen Sie das genauso?
Ich mag Leute geben, die Christian Streich nicht mögen oder die sagen: »Was ist denn das für ein Kasper?« Ich mag ihn jedenfalls und ich kann sagen, dass er einfach so ist, wie er ist. So war er schon in der Jugend und so ist er heute noch. Da ist nichts aufgesetzt. Soweit ich das beurteilen kann, hat der Erfolg und der Status eines Bundesligatrainers Christian Streich nicht verändert. 

Eine Tageszeitung aus Freiburg kürt regelmäßig den »Streich der Woche«. Eine Hommage an die öffentlichen Auftritte von Streich. Zurecht?
Er ist anders – definitiv. Es gibt Trainer, die können sich nicht verkaufen und es gibt solche, die es können. Jürgen Klopp kommt in den Medien auch sehr gut rüber. Aber es gibt auch Stimmen, die behaupten, er wäre aufgesetzt.

Fällt Ihnen noch konkret eine Story aus Ihrer Zeit als Jugendspieler mit Christian Streich ein, in der dieses »Spezielle« durchkam?
Einige Spieler hatten Angst vor ihm. In der Halbzeit kam es manchmal vor, dass er vor der Ansprache erst einmal das gekippte Fenster geschlossen hat, weil er nicht wollte, dass man draußen hört, was drinnen in der Kabine gleich abgehen würde.

Was ging denn in der Kabine ab?
Sir Alex Ferguson wurde ja auch schon mal als »Hair-Dryer« (Haartrockner) bezeichnet, weil es vorgekommen sein soll, dass er Spieler auch mal gerne aus nächster Nähe anschrie und sich das wie ein Fön anfühlte. Das konnte bei Christian Streich auch vorkommen. Wenn die Halsschlagader raus kam, wusste man, dass es gleich laut wird.

Was haben Sie in solchen Momenten gedacht?
Klar, dachte man, warum dreht er jetzt wieder so ab? Aber grundsätzlich hatte ich das Gefühl, dass er nur das Beste für einen wollte.

Gibt es noch Spieler, die mit Ihnen im Jugendbereich unter Christian Streich gespielt haben und jetzt noch aktiv Fußball spielen?
Einige. Wirklich regelmäßigen Kontakt habe ich aber nur noch zu Sascha Riehter. Seit wir 14 Jahre alt waren, haben wir zusammen gespielt. Erst in der südbadischen Auswahl, dann in der A-Jugend vom SC Freiburg und anschließend bei den Profis.

Der SC Freiburg ist bereits wieder in der Vorbereitung auf die neue Saison. Was trauen Sie ihrem ehemaligen Verein in der kommenden Spielzeit zu?
Ehrlich gesagt, denke ich vor jeder Saison: Freiburg wird es schwer haben, die Klasse zu halten. Nun bin ich gespannt, wie sich der SC schlägt. Ich hoffe einfach, dass sie die ganzen Abgänge kompensieren und die Liga halten können. Denn meines Wissens ist der SC Freiburg jedes Mal, wenn er international gespielt hat, im darauffolgenden Jahr abgestiegen. Das soll natürlich verhindert werden und ehrlich gesagt: mit Christian Streich als Trainer hat der SC auch realistische Chancen das zu schaffen. 

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Julian Reinard wurde am 5. März 1983 in Scherzingen geboren. Nach der Ausbildung im Jugendinternat des SC Freiburg stieg er zu den Profis auf. Dort absolvierte er in zwei Spielzeiten (2003/04 und 2004/05) 12 Pflichtspiele (elf Liga- und ein DFB-Pokalspiel). Am Ende der Saison 2005/2006 lief der Vertrag aus und wurde in beiderseitigem Einvernehmen nicht verlängert. Die nächste Station Reinards war in Israel bei Hakoah Ramat Gan. Heute arbeitet er in Shanghai. Den Torwart gibt er nur noch in der Hobbymannschaft.

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