Wie stressig ist der Berater-Job, Kon Schramm?

»Man muss kreativ sein«

Als Berater von Lukas Podolski gilt Kon Schramm (Agentur »Player Management«) als einer der einflussreichsten Spielerberater im deutschen Fußball. Im 11FREUNDE-Interview spricht er über die heißeste Phase der Sommerpause: Die Transferperiode. Wie stressig ist der Berater-Job, Kon Schramm?

Kon Schramm, für Sie als Spielerberater dürfte die Transferperiode im Sommer doch jetzt die anstrengendste Zeit des Jahres sein.

Kon Schramm: Das stimmt, zumindest was das Transfergeschäft betrifft. Aber unsere Arbeit im Bereich Transfers beginnt nicht erst mit dem Saisonschluss: Während der gesamten Saison sehen wir pro Woche fünf bis sechs Partien im Stadion, treffen uns mit unseren Spielern und mit den Verantwortlichen der Vereine. Es ist immer wichtig, den Markt kontinuierlich zu analysieren, so dass wir alle relevanten Informationen vorliegen haben, lange bevor die heiße Phase beginnt.

---> Die Klienten von Kon Schramm in der 11FREUNDE-Bildergalerie!

[ad]

Hat sich der Markt denn in den vergangenen Jahren geändert?

Kon Schramm: Ja. Noch vor fünf Jahren waren rund 80 Prozent aller Transfers bereits Ende Mai unter Dach und Fach. Inzwischen sind es höchstens 20 Prozent. Die Klubs arbeiten wirtschaftlicher, wollen kleinere Kader und warten oftmals bis zum Ende der Transferperiode am 31. August 2011. Die Clubs hoffen darauf, dass sich die Marktsituation dann noch mal kurzfristig ändert.

Der »kicker« hat erst kürzlich in einem Titelthema gefragt: »Ist jeder zehnte Profi bald arbeitslos?« Ihre Meinung?

Kon Schramm: Das ist das Szenario, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Es gibt mehr Spieler als Arbeitsplätze in den Profiligen. Ich würde sagen, dass im Schnitt jeder der 36 Erst- und Zweitligavereine momentan drei bis vier Spieler hat, die er noch abgeben möchte. Schauen Sie sich an, was auf dem Markt passiert: Dass ein Zweitligaverein wie Eintracht Frankfurt 500.000 Euro für Matthias Lehmann zahlt, ein Spieler, der vergangene Saison noch in der ersten Bundesliga gespielt hat, ist eine absolute Ausnahme.

Was meinen Sie damit?

Kon Schramm: Mittlerweile sind fast nur noch Vereine aus dem – finanziell gesehen – oberen Drittel  der Bundesliga in der Lage, eine hohe bzw. überhaupt eine Ablösesumme zu zahlen. Ein Transfer eines Spielers von einem Verein aus dem oberen Drittel der Bundesliga zu einem Verein aus dem unteren Drittel beispielsweise ist heutzutage eine Ausnahme. Daher ist es auch keine Überraschung, dass die Zahl der Ausleihgeschäfte in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat.

Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Kon Schramm: Man muss kreativ sowie flexibel sein und sich den wirtschaftlichen Gegebenheiten anpassen.

Dann wird es Sie sicherlich enttäuschen, dass Ihr wertvollster Spieler, Lukas Podolski, noch einen Vertrag bis 2013 beim 1. FC Köln besitzt und offenbar auch nicht vorhat, den Verein zu wechseln?

Kon Schramm: Definitiv nicht. Wir sind dann zufrieden, wenn unsere Spieler bei einem Verein spielen und dort glücklich und erfolgreich sind. Zwar bekommen wir in diesen Tagen immer mal wieder Anfragen aus dem In- und Ausland von Vereinen und Medien, die wissen wollen, wie die Modalitäten eines möglichen Podolski-Transfers sind. Aber wir blocken dann immer schnell ab, da Poldi aktuell kein Interesse an einem Vereinswechsel hat. Poldi passt zu Köln und Köln zu Poldi.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!