Wie stark ist Belgien wirklich, Nico van Kerckhoven?

»Wir müssen Deutschland aus dem Weg gehen«

Als Belgien das letzte Mal bei einer WM antrat, stand Nico van Kerckhoven mit auf dem Platz. Zwölf Jahre später spricht er über die Chancen des nicht mehr ganz so geheimen Geheimfavoriten.

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Nico van Kerckhoven, Belgien gilt für viele als Geheimfavorit. Sehen Sie das auch so?
Die Leute sollten mal die Füße auf dem Boden lassen. Es ist zwölf Jahre her, dass Belgien zuletzt bei einer WM dabei war. Da sollte man nun nicht gleich übertreiben. Die Qualifikationsgruppe war nicht leicht, aber sie war auch nicht unbedingt schwer. Ich kann es nicht verstehen, wenn jetzt über das Halbfinale oder Finale geredet wird. Erst einmal muss die Mannschaft die Gruppe überstehen.

Die Euphorie ist groß in Belgien, die Heimspiele waren zuletzt immer ausverkauft.
Ja, das ist das Verdienst von Marc Wilmots. Er hat das Gefühl reingebracht, das Herz. Den Nationalspielern muss man nicht mehr das Fußballspielen neu beibringen, aber man muss ihre Emotionen kitzeln. Früher hatten die belgischen Spieler keinen Spaß dran, zur Nationalmannschaft zu fahren, heute ist das anders. Heute spielen sie begeistert auf, dazu kommt der sportliche Erfolg. Klar, dass dann die Zuschauer auch wieder ins Stadion gehen.

Es heißt, die Nationalelf habe selbst die Brücke zwischen Wallonen und Flamen geschlagen. Sehen Sie das auch so?
Da ist sicherlich etwas dran. Hier muss ich wieder Marc Wilmots loben. Er lebt diese Einheit vor, ist selbst Wallone, verheiratet mit einer flämischen Frau. Marc hat allen klar gemacht: Es ist scheiß egal, wo du herkommst. Was zählt, ist Belgien. Zu meiner Zeit als Nationalspieler war es noch so, dass die Wallonen und Flamen an zwei verschiedenen Tischen zu Mittag gegessen haben. Wir hatten nicht unbedingt Streit miteinander, aber es gab eine gewisse Distanz.

Sie haben mit Marc Wilmots zusammen auf Schalke gespielt. Haben Sie noch Kontakt?
Nein, nicht mehr so viel. Jeder geht seine eigenen Wege. Aber ich habe ihm natürlich nach der erfolgreichen Qualifikation eine Glückwunsch-SMS geschickt.

Bei der WM 2002 schieden sie beide zusammen höchst unglücklich gegen Brasilien aus.
Ja, Marc erzielte ein Tor, das zu Unrecht aberkannt wurde. Wir verloren dann gegen die Brasilianer, die späteren Weltmeister. Das war mein letztes Länderspiel, deswegen denke ich natürlich noch an dieses aberkannte Tor. Doch wir haben uns in den folgenden Tagen nach dem Ausscheiden trotzdem noch schöne Tage gemacht in Japan und Südkorea.

Klingt nach Sightseeing, aber auch nach Feiern.
Oh ja. Auch da war Marc unser Anführer. Nur soviel: Marc weiß, was man für den Erfolg tun muss, wie man hart arbeiten muss. Aber er erkennt auch den richtigen Zeitpunkt, wann man das Leben genießen muss.

Abschließend: Was trauen Sie der belgischen Nationalmannschaft zu?
Ich denke schon, dass wir die Gruppe überstehen. Doch es wäre schon wichtig, den ersten Platz zu schaffen, um in der nächsten Runde Deutschland aus dem Weg zu gehen. Ab dem Viertelfinale ist alles möglich, da kann es schnell gehen, positiv wie negativ.

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