Wie sich David Odonkor in der 5. Liga fit hielt

»Er hat eine enorme Leidenszeit hinter sich«

David Odonkor war 2006 einer der Sommermärchenhelden. 2011 suchte er einen neuen Verein und hielt sich in der 5. Liga beim TuS Dornberg fit. Wir sprachen mit TuS-Manager Hans-Werner Freese über Odonkor, Starrummel und Tipps von Jimmy Hartwig. Wie sich David Odonkor in der 5. Liga fit hielt

Hans-Werner Freese, wie kam es dazu, dass sich David Odonkor bei ihrem Klub fit hielt?

Hans-Werner Freese: David ist mit der Cousine unseres Co-Trainers verheiratet. So kam innerhalb der Familie die Idee auf. David hatte gerade sein Fitnessprogramm in Stuttgart zu Ende gebracht und wollte wieder gegen den Ball treten. Da er auch hier in der Nähe wohnt, kam dann eins zum anderen.

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Sie müssen doch Luftsprünge gemacht haben.

Hans-Werner Freese: Klar, wann passiert das schon einmal, dass ein 16-facher Nationalspieler hier mit seiner Sporttasche zum Training angelatscht kommt? Mal ganz zu schweigen von der enormen Aufmerksamkeit, wir hatten hier alle möglichen Fernsehanstalten zu Gast. Letzten Endes war das eine Win-win-Situation.

Welchen Eindruck haben Sie von David Odonkor?

Hans-Werner Freese: Er ist ein lieber, netter Junge, der auch nie den großen Star hat raushängen lassen. Er hatte hier sehr viel Spaß und hat sich auch mit vielen Mitspielern angefreundet. Diese sieben Wochen waren für alle eine super Zeit, dafür hat er sich auch noch einmal ausdrücklich bedankt.

Normalerweise muss der Neue in einer Mannschaft doch die Bälle schleppen.

Hans-Werner Freese: Ich glaube schon, dass er mit angefasst hat. Er war sich dafür nicht zu schade. Manche Mitspieler hatten schon ordentlich Respekt, andere haben ihn sofort ausgefragt über 2006 und anderes. Wenn er gefragt wurde, hat er natürlich nach dem Training solche Dönekes erzählt, aber David hätte nie mit seinen Erlebnissen geprahlt. Noch einmal: Ein super Junge, sehr bodenständig.

Wie sehen Sie ihn sportlich?

Hans-Werner Freese: Man darf nicht vergessen, dass die Ärzte ihm schon fünf Mal ins Knie geschaut haben, er hat eine enorme Leidenszeit hinter sich. Da war er doch manchmal froh, überhaupt lebend aus dem Krankenhaus zu kommen. Auf der anderen Seite hat er riesiges Talent und ist erst 27 Jahre alt. Ich würde ihm gönnen, dass er es in Aachen packt.

Freitag spielen die Aachener in Paderborn. Wird sich da in Dornberg ein Fanclub vor dem Fernseher versammeln?

Hans-Werner Freese: Klar, wir sehen Aachen jetzt mit anderen Augen. Aber auch David ist ein Fan von uns geworden. Am kommenden Sonntag spielen wir gegen die Zweite von Arminia Bielefeld, da will er vorbei schauen und auch noch mal in die Kabine kommen.

Die Arminia soll auch an einer Verpflichtung von Odonkor interessiert gewesen sein.

Hans-Werner Freese: Er wäre liebend gern zur Arminia gegangen, aber bei den Verhandlungen schickte Bielefeld die 1b-Führung und hat sich auch nicht vernünftig bemüht. Da hätten sie sich anders verhalten müssen, das gebietet der Respekt vor einem 16-fachen Nationalspieler. Aber das ist ein anderes Thema. Wir von Dornberg konzentrieren uns auf das Spiel gegen die Zweite von Arminia.

Wird Dornberg jetzt zur ersten Adresse, wenn Stars einen Neuanfang probieren?

Hans-Werner Freese: Sie werden es nicht glauben, aber in den Achtzigern lief für sechs Wochen Jimmy Hartwig hier rum. Der hat auch das Training geleitet. Einmal wollten wir beide noch einen trinken gehen, doch der Wirt der Kneipe um die Ecke hatte davon schon Wind bekommen. Er hat auf großen Plakaten eine Talkrunde mit Jimmy angekündigt. Die Autos stauten sich vor dem Laden. Da hat Jimmy zum Wirt gesagt: »Hättest du mich gefragt, wäre es kein Problem gegeben. Rück 300 Mark raus, sonst haue ich sofort ab.«

Was passierte dann?

Hans-Werner Freese: Der Wirt konnte es sich nicht leisten, das Ding abzublasen, also hat er das Geld abgedrückt. Jimmy hatte 300 Mark für den Klub rausgeholt, dann drehte er sich zu mir und sagte: »Siehst du, so musst du das machen.«

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