27.04.2013

Wie setzt man die perfekte Fußballwette, Matthew Benham?

Der beste Profiwetter der Welt

Bevor ihr heute den Tippschein ausfüllt, versorgen wir euch noch schnell mit brandheißem Insiderwissen. Matthew Benham betreibt eine professionelle Wettfabrik in London und verrät, was es für eine möglichst erfolgreiche Fußballwette zu beachten gilt.

Interview: Christoph Biermann Bild: Andrea Artz

Das bedeutet, dass Sie auch ein Netz von Informanten haben, die Ihnen sagen können, wo es Konflikte gibt oder wo wichtige Spieler vielleicht kurzfristig verletzt sind?
Ja, wir haben Kontakt zu gut hundert Leuten, die in ihren Ländern gut verdrahtet sind. Das sind zumeist Journalisten oder auch gut informierte Fans.

Wie viele Wetten gehen trotz des großen Aufwands daneben?
Oh, das sind eine ganze Menge.

Wann ist eine Woche erfolgreich?
Wenn wir mehr als die Hälfte der Wetten gewinnen. Das ist unser Ziel.

Inwiefern beeinflussen Spielmanipulation Ihr Geschäft?
Negativ natürlich. Weil unser Modell mathematikbasiert ist, setzen wir immer dann, wenn wir glauben, dass die Buchmacher oder der gesamte Wettmarkt falsch liegen. Aber wenn sich die Quoten anders entwickeln, weil Spiele manipuliert sind, führt uns das in die Irre. Wenn es sehr extrem ist, kann man die Sache kommen sehen und die Finger davon lassen. Manchmal aber auch nicht.

Wie oft passiert das?
Viel häufiger, als die meisten Leute denken.

Anfang Februar hat Europol insgesamt 380 Spiele der letzten Jahre als verschoben gemeldet. Wie hat sich das Problem aus Ihrer Sicht entwickelt?
Meiner Ansicht nach ist es leicht rückgängig. Außerdem hat es sich vom Ligafußball zu Länderspielen zwischen kleinen Fußballnationen verschoben. Aber die Manipulationen werden extremer. Das klassische Beispiel dafür ist der Gold Cup 2011, wo 20 Minuten vor Abpfiff plötzlich hohe Wetten platziert wurden, dass noch drei Tore fallen würden. Und dann sind die beiden Mannschaften quasi stehengeblieben.

Gibt es Ligen auf die Sie gar nicht setzen?
Wir sind einer Menge osteuropäischer Ligen gegenüber misstrauisch. Traditionell würde man denken, dass Italien in Westeuropa am schlimmsten ist, aber dort ist die Polizei inzwischen sehr aktiv. Schlimm sind hingegen Österreich und Spanien. In Spanien steckt allerdings nicht unbedingt die Wettmafia dahinter. Es geht dort eher um Mannschaften, die im Abstiegskampf oder für den Aufstieg noch Punkte brauchen. Dann wetten die Leute auch noch darauf, weil sie wissen, wie es ausgeht.

Wie sieht es in Deutschland aus?
Vor einigen Jahren war es sehr schlimm, auch in der Bundesliga gab es so komische Quotenverläufe, dass viel dafür sprach, dass Spiele verschoben sein könnten.

Von wie vielen Spielen in welchem Zeitraum und in welchen Ligen würden Sie sprechen?
Etlichen, dabei sind uns 2004 und 2005 auch zwei Bundesligaspiele aufgefallen, das 1:5 von Kaiserslautern bei Hannover 96 und noch ein weiteres Spiel. Da haben sich die Quoten auf Siege mit drei oder mehr Toren Unterschied vor Spielbeginn drastisch verschlechtert. Das legt die Vermutung nahe, dass Leute, die offensichtlich wussten, wie es ausgeht, sehr hohe Geldbeträge platzierten.

Und wie ist es inzwischen?
Es ist viel besser geworden, in der ersten und zweiten Liga hatten wir schon seit einigen Jahren kein auffälliges Spiel mehr. Vermutlich haben die Spieler nicht mehr das Gefühl, dass Manipulationen so risikolos sind, wie es 2004 war. Viele Leute aus dem professionellen Wettgeschäft haben damals die FIFA, die UEFA, den englischen Fußballverband oder den Deutschen Fußball-Bund kontaktiert. Es gab damals auch ein berühmtes Posting in einem Wettforum, dass der DFB benachrichtigt worden sei, nachdem es im Herbst 2004 in Deutschland viele seltsame Spiele gab. Dann wurde der Fall Hoyzer publik, aber man konzentrierte sich bei der Aufklärung vor allem auf die Schiedsrichter, wobei eher die Spieler das Problem waren.

Haben Sie selbst mit Verbänden gesprochen?
Ja, ich habe dem ehemaligen UEFA-Sicherheitschef Peter Limacher schon 2005 gesagt, dass das sogenannte Frühwarnsystem totale Augenwischerei ist. Es schaut nämlich nur auf den europäischen Wettmarkt und auf Wetten, die vor Spielbeginn abgeschlossen werden. Aber die Betrüger haben fast immer in Asien gesetzt und oft während des Spiels auf besondere Ereignisse. Aber meiner Meinung nach stecken die Verbände bei diesem Thema sowieso in einem ähnlichen Interessenkonflikt wie der internationale Radsportverband bei Lance Armstrong und Doping. Es beeinflusst das Geschäft negativ, wenn so etwas herauskommt, deshalb müssten sich statt der Verbände auch staatliche Behörden darum kümmern.
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