27.04.2013

Wie setzt man die perfekte Fußballwette, Matthew Benham?

Der beste Profiwetter der Welt

Bevor ihr heute den Tippschein ausfüllt, versorgen wir euch noch schnell mit brandheißem Insiderwissen. Matthew Benham betreibt eine professionelle Wettfabrik in London und verrät, was es für eine möglichst erfolgreiche Fußballwette zu beachten gilt.

Interview: Christoph Biermann Bild: Andrea Artz

Die Geschichte von deutscher Effektivität ist für Sie also ein Störgeräusch?
Bei allen Interpretationen besteht die Gefahr, dass sie deine Zahlen schlechter machen. Wir hatten zum Beispiel eine Diskussion über Borussia Mönchengladbach, nachdem sie zu Beginn der Saison in der Qualifikation zur Champions League bei Dynamo Kiew zwar gewonnen hatten, aber trotzdem ausgeschieden waren. Man konnte danach sagen, dass die Moral angeknackst ist, weil sie es nicht in die Champions League geschafft haben. Oder man behauptet, dass die Moral besser ist, weil sie nach der 1:3-Heimniederlage ein gutes Auswärtsspiel gemacht hatten. Die lange Reise in die Ukraine war wegen der Belastung negativ, oder die gemeinsame Reise hat die Harmonie im Team wachsen lassen. Man kann immer Faktoren finden, die stimmig sind. Aber wenn man sie in das Modell einzurechnen versucht, machen sie es möglicherweise kaputt, also ignoriert man das besser.

Für Ihr Wettmodell sind angeblich sogar die letzten Ergebnisse einer Mannschaft fast unwichtig. Viele Fans werden das kaum nachvollziehbar finden.
Resultate sind nicht völlig unwichtig, aber sie sind mehr Störgeräusch, als gemeinhin angenommen.

Weil es oft einfach Glück ist, dass ein Ball an den Innenpfosten geht oder ins Tor?
Genau. Glück ist sowieso im Fußball ein ganz entscheidender Faktor, weil es so wenig Treffer gibt. In den letzten sechs Jahren ist etwa die Deutsche Meisterschaft einmal von der viertbesten und einmal von der drittbesten Mannschaft gewonnen worden, 2007 vom VfB Stuttgart und 2009 vom VfL Wolfsburg. Damit meine ich nicht, dass diese Mannschaften über ihren Möglichkeiten gespielt oder ihr Potential mehr als die Konkurrenz ausgeschöpft haben. Nein, sie waren von ihren Leistungen her, wie wir sie sehr präzise zu erfassen glauben, Dritt- oder Viertbeste. Der Rest war Glück.

Das ist aber eine steile These.
Die wir aber belegen können. Wir machen ein eigenes Ranking, um die Qualität oder die aktuelle Form einer Mannschaft zu bestimmen. Und das ist besser als die Tabelle. Es heißt immer, dass sich Glück und Pech über den Verlauf einer Saison ausgleichen und die Tabelle nicht lügt. Aber das stimmt einfach nicht.

Ihr Ranking entsteht, indem Sie weniger auf die Tore als auf die Torchancen schauen, die ein Team herausspielt oder zulässt?
Es geht auch um die Qualität der Torchancen oder um Ballbesitz und dessen Qualität. Man sieht doch oft, dass eine Mannschaft in Führung eine Menge Torchancen zulässt. Wenn sie dann kein Tor kassiert, ist alles in Ordnung, dabei haben die Spieler haufenweise Fehler gemacht. Oder sie haben doch ein Tor reingelassen, und dann heißt es, dass die ganze Verteidigung schlecht war. Aber die Sache ist komplizierter.

Deshalb sitzen bei Ihnen dutzende von Analysten, die Spiele von Mannschaften aus aller Welt systematisch erfassen und so zu einer statistischen Bewertung der Form von Teams kommen?
Genau. Aber die meisten Leute denken bei Statistiken an den nutzlosen Kram, der einem heute im Fernsehen um die Ohren gehauen wird. »Das ist das sechste Mal, dass er mit links ein Tor gegen eine Mannschaft in Gelb geschossen hat.« Mit der akademischen Disziplin Statistik hat das wenig zu tun. Wir benutzen den Begriff der »Voraussagebrauchbarkeit«, und da ist eine Statistik wie die genannte wertlos.

Man muss also die richtigen Statistiken finden?
Klar.

Aber welche das sind, ist Ihr Betriebsgeheimnis?
Genau.

Auf wie viele Spiele wetten Sie jede Woche?
Wir decken 40 bis 50 Ligen ab, weil man auf einzelne Spiele nur begrenzte Summen setzen kann. Um den Umsatz zu vergrößern, müssen wir auf mehr Spiele setzen.

Bei Ihnen arbeiten Mathematiker, IT-Experten und Spielanalytiker. Wird inzwischen automatisiert auf Spiele gesetzt?
Es wird immer automatisierter, langfristig ist das unser Ziel. In sehr kleinen Ligen, wo man auf nur wenige Spiele wetten kann, ist es aus Kostengründen bereits so, weil der Aufwand für die Analyse einfach zu groß ist.

Gibt es ansonsten etwa vor jedem neuen Spieltag in der Bundesliga ein Meeting Ihrer Experten für deutschen Fußball, um die kommenden Wetten zu besprechen?
Ja, denn natürlich ist immer Platz für menschliche Intervention. Vor einigen Jahren hatten wir mal den Fall, in dem ein sehr unerfahrener Mitarbeiter auf einen Erfolg von Sporting Gijon in der spanischen Liga setzen wollte. Das stimmte zwar, wenn man auf die Zahlen allein schaute. Aber es gab auch verlässliche Informationen, dass die Spieler ihren Trainer loswerden wollten. Er sagte dann: »Ich wusste nicht, dass wir darauf auch achten sollen.« Aber dazu braucht es nur gesunden Menschenverstand.
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