Wie schlecht steht es um die Ost-Klubs wirklich, Ede Geyer?

»Die Dritte Liga wäre fatal«

Drei von vier ehemaligen DDR-Klubs stehen vor dem ersten Zweitligapieltag nach der Winterpause auf einem Abstiegsplatz. Wir fragten bei Eduard Geyer nach, wer den Klassenerhalt packt, wer fliegt und was in Dresden, Cottbus und Aue schief läuft.

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Eduard Geyer, ab heute geht es nach der Winterpause auch in der 2. Bundesliga weiter. Energie Cottbus steht am Tabellenende - mit acht Punkten Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Unter Ihnen hat der Verein deutlich bessere Zeiten erlebt. Warum ist es für Cottbus in der Hinrunde so schlecht gelaufen?
Man hat bei Energie Cottbus in der Vergangenheit öfter mal nach oben geschaut und gehofft irgendwann wieder in der Ersten Liga zu spielen. Währenddessen wurden einige Dinge vernachlässigt.

Zum Beispiel?
Die Heimstärke ist völlig verloren gegangen. Es heißt zwar »Stadion der Freundschaft«, aber wenn man den Gegner nur begleitet und zu wenig Kampf, Initiative und Leidenschaft zeigt, ist es schwer zu Hause zu gewinnen. Der Mannschaft fehlten zwei oder drei Akteure, die mal richtige Schweinehunde sind. Die Mannschaft war einfach zu brav.

Wie beurteilen Sie die Offensive nach 19 Spieltagen?
Die Mannschaft hat es nicht geschafft, die einfachen Tore zu machen. Konter wurden nicht konsequent zu Ende gespielt und die Standards haben bei den Gegnern nur für wenig Verunsicherung gesorgt.

Trauen Sie der aktuellen Mannschaft als ehemaliger Trainer in Cottbus eine  Aufholjagd zu?
Wenn man ganz realistisch an die Situation herangeht, sind die Chancen gering. Die anderen Teams müssten schließlich auch einige Punkte liegen lassen. Den Glauben darf man aber nie verlieren.

Was hätte ein Abstieg für Folgen?
Die Dritte Liga wäre für Cottbus fatal. Ich weiß nicht, ob in diesem Fall so schnell der Wieder-Aufstieg gelingen würde. Eine längere Phase im Spitzenfußball rückt dann definitiv in weite Ferne. Deswegen hoffe ich auch, dass der Trainer das nötige Quäntchen Glück bei seinen Entscheidungen hat.

Ein weiteres Sorgenkind der laufenden Saison ist Ihr ehemaliger Verein Dynamo Dresden. Die Führungsetage von Dynamo bezeichneten Sie vor einiger Zeit als »Quatschbude«. Hat sich die Situation an der Elbe seitdem noch verschlechtert?
Das habe ich gesagt, als Dynamo vor einem dreiviertel Jahr in die Relegation musste. Zu der Zeit stand der Verein nicht geschlossen hinter Trainer Peter Pacult. Das geht in so einer Situation einfach nicht.

Sind die Probleme bei Dynamo Dresden also hausgemacht?
Ganz falsch ist das sicher nicht, aber die Situation hat sich entspannt, seit Olaf Jansen Trainer ist.

Wie sehen Sie das sportliche Potenzial der Mannschaft?
Ich glaube, dass der Klassenerhalt in Dresden zu schaffen ist. Die Ausgangslage ist deutlich besser als in Cottbus. Mit vier Punkten aus den ersten zwei Spielen hat man wieder Anschluss an das Mittelfeld. Das halte ich für machbar.

Der dritte Ostklub im Tabellenkeller ist Erzgebirge Aue. Wie schätzen Sie die Lage dort ein?
Wenn man die Größe des Vereins und der Stadt sowie die Sponsorentätigkeit betrachtet, lässt sich schnell feststellen, dass der Club nicht gerade zu beneiden ist. Der große Vorteil der Region ist aber, dass im Umfeld meist Ruhe herrscht und die Verantwortlichen kluge Entscheidungen treffen. Trotzdem: Sollte Aue den Klassenerhalt schaffen, ist das als riesige Leistung anzuerkennen.

Hat Dresden demnach auf lange Sicht die besten Möglichkeiten wieder obere Tabellenregionen zu erreichen?
Mit der Stadt, den Fans und der Region im Rücken erfüllt Dresden natürlich am ehesten die Voraussetzungen. Die große Frage wird sein, ob es auf Dauer gelingt, den Verein wirtschaftlich zu stabilisieren und weiter nach oben zu bringen. Da fehlt es häufig am Geld. Wichtig ist es deshalb, klare Entscheidungen zu treffen und im Verein für Ruhe zu sorgen.

Zum Schluss noch Ihr Tipp: Wer packt's und wer spielt nächste Saison in Liga drei?
Viel hängt von den ersten drei Partien ab. Da kann noch einiges passieren. Wenn ich mich festlegen müsste: Aue und Dresden schaffen es. Cottbus steigt ab. Ich hoffe aber natürlich, dass alle drei Vereine in der zweiten Bundesliga bleiben.

Eduard Geyer ist ein Kind des Ostfußballs. Er wurde am 7. Oktober 1944 in Bielitz geboren, wuchs aber nach der Flucht seiner Familie aus Oberschlesien in Dresden auf. Dort machte Geyer auch seine ersten Schritte als Fußballer und reifte beim damaligen DDR-Oberligisten Dynamo Dresden zum Nationalspieler. Als Trainer war Geyer unter anderem für Sachsen Leipzig und die DDR-Nationalmannschaft aktiv. Seine erfolgreichste Zeit als Coach hatte er jedoch bei Dynamo Dresden (1986-1990 und 2007-2008) und Energie Cottbus (1994-2004). Dynamo machte er 1989 zum DDR-Oberligameister, mit Cottbus gelang 2000 der Aufstieg in die Bundesliga.

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