Wie Rory Allen sich ausklinkte

»Geld ist nicht alles«

Als Jan Simak oder Adriano ihren Teams den Rücken kehrten, hatte dies mit der Psyche zu tun. Nicht so bei Rory Allen: 2002 verschwand er aus Portsmouth und tauchte putzmunter in Australien als Zuschauer beim Cricket wieder auf. Wie Rory Allen sich ausklinkte
Heft #92 07/2009
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Rory Allen, warum sind Sie vor sieben Jahren Knall auf Fall nach Australien abgehauen?

Um die berühmte Cricketserie zwischen Australien und England zu sehen, ein bisschen am Strand zu liegen, zu entspannen, neue Leute und gutaussehende Frauen kennenzulernen – muss ich mehr sagen?

War die Sache von langer Hand geplant?

Ich hatte schon eine Weile darüber nachgedacht, aber ernst wurden die Pläne erst etwa sechs Wochen, bevor ich ging. Ich war dann drei Monate unten, kehrte nach England zurück und flog im nächsten Jahr noch mal drei Monate hin, um die Rugby-WM anzusehen, die England ja auch auf grandiose Weise gewann.

Portsmouths Vorstandsvorsitzender Peter Storrie war außer sich und echauffierte sich gegenüber den Medien, dass er so etwas noch nie erlebt hätte. Haben Sie irgendjemanden eingeweiht, dass Sie verschwinden würden?

Nur meine Familie und enge Freunde, darunter einige Mannschaftskameraden, denen ich vertrauen konnte. Natürlich habe ich den Funktionären des FC Portsmouth nichts erzählt. Ich schrieb aber einen Brief an Trainer Harry Redknapp, den ich einem guten Freund gab, damit er ihn Redknapp nach meinem Verschwinden überreichte.

Es war mitten in der Saison.

Mein Vertrag wäre noch ein Jahr gelaufen, doch Geld ist nicht alles im Leben. Das persönliche Glück ist viel wichtiger. Ich hatte ja auch eine Menge Probleme mit Verletzungen während meiner Karriere: zwei gebrochene Beine, eine schwere Bänderverletzung im Knöchel, die drei Operationen erforderte, und ein Knorpelschaden, wegen dem ich gleich viermal operiert wurde.

Haben Sie jemals wieder mit Peter Storrie gesprochen?


Nein. Ich bin aber auch nicht sicher, ob ich vorher mal mit ihm gesprochen habe. Er hatte nicht viel Kontakt zu den Spielern.

Wie fühlte es sich an, diese Entscheidung zu treffen – einfach mit dem Fußball aufzuhören?


Es fühlte sich gut an. Ich wollte schon immer durch die Welt reisen und etwas Verrücktes tun – wie alle meine Freunde, die auf die Uni gingen, es auch konnten. Und ich habe es nie bereut, die Schuhe an den Nagel zu hängen, nicht eine Minute.

Und das privilegierte Leben als Fußballer?

Ich wurde als Spieler geliebt und habe eine Menge Geld verdient, doch ich konnte mit diesem Lifestyle nie besonders viel anfangen. Danach durfte ich endlich reisen, aufregende Dinge tun und mich neuen Herausforderungen stellen. Natürlich vermisse ich auch einiges: Die Atmosphäre in der Kabine war manchmal echt spaßig, drei oder vier meiner damaligen Teamkameraden gehören noch immer zu meinen besten Freunden. Das Gehalt war annehmbar und die Aufmerksamkeit der Damen hin und wieder ein Bonus.

Wenn Sie sich als Fußballer beschreiben müssten …

Pelé, Maradona, Allen. Nein, im Ernst, ich war ganz solide: ziemlich schnell, gut in der Luft und mit einem ordentlichen Abschluss.

Was haben Sie gemacht, als Sie aus Aus
tralien zurückkehrten?

Ich wollte etwas tun, was überhaupt nichts mit Fußball zu tun hatte. Ich habe ein ganzes Jahr damit verbracht, Cricket und Golf zu spielen, habe verschiedene Urlaube unternommen, mich mit Freunden getroffen … Um die Wahrheit zu sagen, habe ich nicht allzu viel gemacht. Mittlerweile arbeite ich für das Außenministerium und koordiniere Teams von speziell geschulten Diplomaten, die britischen Staatsangehörigen in Krisensituationen im Ausland beistehen. Es ist ein sehr interessanter Job und mit einer Menge Reisen verbunden, was ich liebe. Davor leistete ich drei Monate Dienst in der britischen Botschaft in Lissabon, vorher war ich in einer Abteilung, die sich mit den Beziehungen zur EU beschäftigt.

Steve Claridge (berüchtigter englischer Wandervogel, Anm. d. Red.) sagt, dass ihn während seiner Zeit als Spielertrainer in Weymouth ein Mann kontaktiert habe, der behauptete, Rory Allen zu sein, und um ein Probetraining bat, zu dem er dann nicht erschien. Waren Sie das?

Nein, definitiv nicht. Ich kenne die Geschichte auch. Aber in Weymouth spielen, unter Steve Claridge? Ich bin nicht sicher, ob ich mir irgendetwas Schlimmeres vorstellen kann 
– sorry, Weymouth-Fans.

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