25.03.2013

Wie motiviert man Spieler, Michael Wiesinger?

»Ich weiß, wie es ist, auf der Bank zu sitzen«

Seit Michael Wiesinger mit Armin Reutershahn das Traineramt beim 1.FC Nürnberg übernommen hat, konnte bislang nur Borussia Dortmund den Club bezwingen. Wir sprachen mit Michael Wiesinger über den Unterschied im Umgang mit Talenten und Stars, seine Erfahrungen als Spieler und das Erfolgsrezept der Nürnberger Doppelspitze.

Interview: Sebastian Wolf Bild: Imago

Michael Wiesinger, unter Ihnen und Armin Reutershahn hat der Club von neun Spielen nur eines gegen den deutschen Meister verloren. Nach zuletzt zwei Siegen in Folge ist nun Länderspielpause. Sind Sie froh über eine kleine Verschnaufpause oder befürchten Sie, dass Ihre Mannschaft aus dem Rhythmus kommt?
Wir hätten gerne am Wochenende gespielt. So kehren unsere Nationalspieler spätestens erst am Donnerstag zurück und es bleiben uns nur drei Tage Vorbereitungszeit auf das Spiel gegen Wolfsburg. Grundsätzlich ist es aber auch positiv mit diesen Erfolgerlebnissen in eine Länderspielpause zu gehen, denn das wirkt sich dementsprechend auf die Stimmung in der Mannschaft und das Trainingsklima aus.

Wie gehen Sie als Trainer zwei Trainingswochen an, in denen Ihnen allein elf A- und fünf Jungendnationalspieler fehlen?
Auch in dieser Zeit können wir einige Dinge umsetzen. Wir wollen mit den verbliebenen Spielern vor allem individuell arbeiten. Es ist aber auch eine Möglichkeit sich einmal Jungs aus der U-23 oder U-19 genauer anzuschauen und sie kennenzulernen. Eine Länderspielpause hat also auch ihre positive Seiten.

Viele Trainer nutzen diese Auszeit, um insbesondere mit Ersatzspielern Einzelgespräche zu führen. Folgen Sie dieser Tradition?
Es ist natürlich einfacher sich gezielt mit dem Einzelnen zu befassen, wenn man nur eine kleine Trainingsgruppe um sich hat. Ich mache aber keinen großen Unterschied zum normalen Bundesligaalltag. Wir reden immer viel, ob in Einzelgesprächen oder in der Gruppe.

Kommunikation gilt heutzutage als entscheidendes Erfolgskriterium für die Arbeit eines Trainers. Welchen Stellenwert messen Sie dieser Arbeit abseits des Rasens bei?
Kommunikation ist für mich sehr wichtig. Ich muss als Trainer wissen, was in meinen Spielern vorgeht. Oft unterscheiden sich die Wahrnehmung von Trainer und Spieler. Dann ist es für uns als Trainerteam die Aufgabe, mit dem Spieler zu einem Konsens zu kommen. Das geschieht, in dem wir gemeinsame Zielvorgaben entwickeln.

Wie kommunizieren Sie zum Beispiel mit Ihrem Japaner Hiroshi Kiyotake?
Wir haben einen Dolmetscher, der uns permanent zur Verfügung steht und den ich zu jedem Gespräch mit Kiyo dazu hole.

Benötigt solch ein Spieler, der neben der Sprachbarriere ja auch über einen ganz anderen kulturellen Background verfügt, eine Art Sonderbehandlung?
Es ist schon eine besondere Situation. Wir versuchen ihm deshalb manche taktische Inhalte schon vor dem Training zu vermitteln, damit er sich darauf besser einstellen kann. Auch unser Feedback beziehungsweise unsere Spielanalyse teilen wir ihm generell nicht vor der Mannschaft mit, sondern in einem Acht-Augen-Gespräch mit Armin Reutershahn, dem Dolmetscher und mir. Aber grundsätzlich gibt es im Fußball eigentlich keine Verständigungsprobleme, gerade bei einem solch spielintelligenten Typen wie Kiyo.

Motivation ist ein ebenso großes Schlagwort in der modernen Fußballlehre. Inwieweit sehen Sie sich als Trainer in der Pflicht, Ihre Spieler speziell zu motivieren?
Die Motivation ist ebenfalls ein großer Bestandteil unserer Arbeit. Aber ein hohes Maß an Motivation sollte natürlich bei jedem Fußball-Profi ohnehin vorhanden sein. Wir Trainer können letztendlich nur eine Hilfestellung leisten, der Rest liegt bei jedem einzelnen.  

Beim 1.FC Nürnberg sind es in dieser Saison gerade junge Talente wie Alexander Esswein, Robert Mak oder Sebastian Polter denen ein Problem in Sachen Einstellung nachgesagt wurde. Warum haben ausgerechnet junge Spieler damit ein Problem?
Junge Spieler sind in dem Sinne ja noch keine Profis. Sie sind erst auf dem Weg dahin. Unsere Aufgabe ist es deshalb sie auf diesem Weg zu begleiten und ihnen gewisse Dinge zu vermitteln.

Die da wären?
Konzentriert und nie zufrieden zu sein. Auf sich und seinen Körper achten. Mancher dieser jungen Spieler braucht da schon mal den ein oder anderen Hinweis und das vielleicht nicht nur einmal. Man muss aber gleichzeitig die Messlatte so hoch legen, dass der Spieler diese Dinge in einem gewissen Zeitraum begreift und sie umsetzt. 

Jungen Profis bieten sich heutzutage aber auch immer mehr Möglichkeiten, um sich vom Fußball abzulenken. Stichwort Smartphones, Facebook Partys.
Vielleicht, aber auch ich hätte mich zu meiner aktiven Zeit mit anderen Dingen beschäftigen können, wenn ich es gewollt hätte. Es gehört einfach dazu, eine gewisse Charakterstärke zu zeigen und zu begreifen was notwendig ist, um sein Potenzial am Wochenende abzurufen zu können. Die größere Gefahr besteht für mich darin, dass du heute bereits nach einem guten Spiel in den Himmel gelobt wirst. Für junge Menschen ist es schwerer geworden, sich selbst einzuschätzen. 

Was kann ein Trainer tun, um dieses Abheben zu verhindern?
Das funktioniert nur über permanente konstruktive Kritik. Der Trainer muss deutlich machen, dass es keinen Stillstand gibt und dass es immer noch genügend Dinge gibt, die es zu verbessern gilt.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden