Wie läuft die Saison, Arne Friedrich?

»Hertha ist eine Wundertüte«

Arne Friedrich geht in seine achte Saison mit Hertha BSC. Wir sprachen mit dem Kapitän über den Saisonstart, Kaffeetrinken mit den Mitspielern und die neue Defensive seines Teams nach dem Abgang von Joe Simunic. Wie läuft die Saison, Arne Friedrich?

Herr Friedrich, Sie starten in Ihre achte Saison bei Hertha BSC – entwickelt man im Laufe der Jahre ein Gefühl dafür, wie eine Spielzeit verlaufen wird?

Schwer zu sagen, gerade in diesem Jahr. Ich möchte mich da nicht festlegen. Wir brauchen einen guten Start, gerade zu Hause gegen Hannover, weil wir danach zwei Auswärtsspiele haben. Aber wo wir am Ende landen werden, ist ganz schwer vorherzusagen. Für mich ist Hertha wie auch viele Mitbewerber in diesem Jahr wieder eine Wundertüte. Es gibt schlechtere Ausgangslagen.

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Sagt Ihr Bauch etwas anderes als Ihr Kopf?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich noch gar nicht in mich reingehört. Es reicht mir zu wissen, dass Hannover uns alles abverlangen wird.

Hannover ist gerade im Pokal gegen den Viertligisten Trier rausgeflogen.


Eben. Und deshalb glauben jetzt alle, wir werden das Ding schon schaukeln. Aber das ist die falsche Denkweise. Hannovers Spieler haben in dieser Woche ordentlich Feuer bekommen. Die große Gefahr ist, dass wir denken: Okay, Hannover zu Hause, das machen wir schon irgendwie. Ich glaube, wir werden diesen Sieg erzwingen müssen. 

In der vergangenen Saison hat Hertha davon profitiert, dass die Mannschaft unterschätzt wurde. 


Wenn wir die ersten drei Spiele gewinnen, wird uns niemand unterschätzen. Aber im Grunde genommen ist es doch so, dass viele uns für schwächer halten als in der vorigen Saison. Die Experten sehen uns eher irgendwo im Mittelfeld als ganz oben. Aber wenn wir die ersten drei Spiele gewinnen, werden die sich noch wundern. 

Sie glauben also, dass die Mannschaft sogar stärker ist.


Das werden wir sehen. Klar ist, dass wir mit Josip Simunic, Marko Pantelic und Andrej Woronin Qualität verloren haben. Die neuen Spieler haben alle ihre Anlagen, aber sie müssen sich auch erst einmal integrieren. Das gilt auch für Artur Wichniarek, obwohl er den Verein kennt. Er brennt auf seine zweite Chance und wird sich auf jeden Fall hundertprozentig reinknien. Unser Vorteil ist, dass wir einen super Teamgeist haben. Wir gehen mittags in Gruppen zusammen essen, wir gehen gemeinsam Kaffee trinken. In dieser Hinsicht sind wir bestens gerüstet. 

Viele Hoffnungen fokussieren sich auch auf Trainer Lucien Favre und seine Arbeit. Könnte ihn das überfordern? 

Warum? Ich weiß nicht, wie stressresistent er ist. Der Trainer hat die Mannschaft zusammengestellt, natürlich wird sie als sein Werk angesehen. Aber das gilt bei Erfolg genauso wie bei Misserfolg. Diesem Druck wird er sich – wie wir alle – stellen müssen.

Sie haben Favre übel genommen, dass Sie in den letzten beiden Saisonspielen nicht in der Startelf standen.


Ach, diese alte Geschichte. Das ist doch längst ausgeräumt. Unser Verhältnis ist sehr vernünftig. 

Ärgern Sie sich denn nicht mehr, dass Hertha am Ende der vorigen Saison eine vielleicht einmalige Chance verspielt hat? 


Was nützt das noch? Das kostet nur Kraft. Natürlich haben die anderen Vereine wesentlich mehr Geld zur Verfügung. Wir müssen sehr genau kalkulieren und sehen, wen wir uns überhaupt leisten können. Aber wenn du viele Stars hast, kann es genauso Probleme geben. Trotzdem wäre es ganz schön, wenn wir auch mal ein bisschen Geld zur Verfügung hätten. Ich würde das gerne mal ausprobieren. 

Sind Sie trotz beschränkter Mittel zufrieden mit Ihren drei neuen Nebenleuten in der Abwehr?

Zu Rasmus Bengtsson kann ich noch nichts sagen. Nemanja Pejcinovic hat wirklich sehr gute Anlagen, er ist schnell, robust, kopfballstark, konditionell gut. Christoph Janker ist ein ganz feiner Kerl. Er ist sehr motiviert, lernwillig und wissbegierig. Er hat das Zeug dazu, sich schnell ins Team zu spielen. Charakterlich passt er jedenfalls hervorragend.

Reicht die Qualität auch, um Josip Simunic zu ersetzen?

Das geht doch gar nicht, vor allem nicht auf die Schnelle. Bei Joe und mir haben die Automatismen funktioniert, ohne dass wir viel miteinander reden mussten. Jetzt müssen wir uns erst in einer neuen Formation wieder finden. Ich hoffe, dass wir nicht zu lange dafür brauchen. 

Trotzdem werden Sie jetzt der eindeutige Chef in Herthas Abwehr sein.


Nein, das ist Schwachsinn. Wenn ich den Begriff Abwehrchef schon höre… Vorige Saison war Joe mal der Abwehrchef, dann war ich es, dann hat Steve gespielt, und plötzlich war er Abwehrchef. Soll ich Ihnen was verraten? Einen Abwehrchef gibt es gar nicht. Beide Innenverteidiger sind gleichberechtigt dafür verantwortlich, die Defensive zu organisieren. Und dafür ist es im Prinzip auch egal, wer spielt. Ich weiß nicht, wie der Trainer die Viererkette besetzen wird, aber Steve von Bergen zum Beispiel ist ein Spieler, der viel spricht. Das macht die Sache leicht. Gerade jetzt am Anfang müssen wir sehr viel miteinander kommunizieren.

Neben Simunic haben auch Pantelic und Woronin den Verein verlassen, drei wichtige Typen im Berliner Mannschaftsgefüge. Was bedeutet das für Ihre Rolle als Kapitän?

Ich denke, dass ich noch mehr gefragt sein werde und noch mehr Einfluss nehmen muss. Als Kapitän bin ich ja so was wie der Kopf der Mannschaft, und ich weiß, dass ich Verantwortung habe. Aber auf dem Platz kann jeder Kommandos geben, egal ob er 18 oder 35 ist. Simunic, der ohne Zweifel eine überragende Saison gespielt hat, war nicht unbedingt derjenige, der immer den Mund aufgemacht hat. Dass jetzt alle wortstarken Spieler weg sind, stimmt ja gar nicht. Ich glaube, wir werden das schon hinbekommen.

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