Wie K'Naan den Song zur WM schrieb

»Ich kickte bei Bob Marley«

Der Hip-Hopper K' Naan liefert den Song zur WM. Der Titel lautet »Wavin' flag«. Im 11FREUNDE-Interview spricht der aus Somalia stammende Sänger über die Entstehung und den Text des Liedes. Wie K'Naan den Song zur WM schriebUniversal

K' Naan, wann hast du davon gehört, dass Dein Titel der WM-Song wird?

Vor sechs Monaten ungefähr. Ich war gerade auf Tournee und mein Manager rief mich an und erzählte mir, dass ich in der Endauswahl sei. Ich fragte ihn, wie viele andere Künstler noch im Rennen wären, und er antwortete: »45.« Da dachte ich, dass ich keine Chance habe. Aber am Ende haben sie sich dann doch für meinen Song »Wavin' flag« entschieden.


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Hattest Du von vornherein das Gefühl, dass der Song es packen könnte?

In dem Song geht es zwar nicht um Fußball, aber es geht um Hoffnung. Hoffnung, dass die Auseinandersetzungen in der Welt ausgeräumt werden – und genau so scheint es während einer Fußball-Weltmeisterschaft. Menschen verbinden den Song mit Fußball. Vor einem Jahr haben wir ihn an Produzenten für Musikvideos geschickt. Von sieben Produzenten haben uns vier unabhängig voneinander geantwortet, dass sie das Musikvideo zum Song mit der Fußballthematik verbinden wollten.

Die Lyrics des Songs sind klar politisch. Da heißt es etwa: »We fight their battles, then they deceive us.« Das passt erst einmal nicht zu einem frenetischen Fußballlied.

Wir haben Teile des Liedes umgeschrieben, aber die Grundstimmung sollte erhalten bleiben. Der Geist des Liedes, das Thema Hoffnung, bleibt bestehen. Es ist jetzt nun mehr eine schnellere und freudigere Nummer für die WM, aber es gibt genug Verbindungen zwischen dem ursprünglichen Song und der WM-Version. Auch einzelne Lyrics sind erhalten, die das kritische Element betonen. Wir leben in einer Zeit, in der es möglich sein sollte, dass fröhliche Stücke auch mit intelligenten, kritischen Aussagen vereint werden.

Du hast deine Kindheit in Somalia verlebt, warst dort ein Kindersoldat im Bürgerkrieg. Beziehen sich die anklagenden Töne auf dein Heimatland?

Es kann um Somalia gehen, viele verbinden das direkt. Aber die Textpassagen können sich auch auf Amerika beziehen, auch dieses Land schickt Menschen in den Krieg. Es geht um die menschliche Natur, die sich immer wieder diese Gräueltaten antut.



Man könnte diese Situation, die der ursprüngliche Song beschreibt, auch auf Südafrika ausweiten. Auch hier leiden die Menschen unter Armut.

Das stimmt. Es ist mir wichtig, mit meinen Songs Vorhänge zu öffnen und hinter die Fassade zu schauen. Vielleicht bietet sich für Südafrika mit der WM auch die Chance dazu, dass sich etwas verändert.

Du hast einmal erzählt, dass Dein Großvater zwischen zwei Clans in Somalia vermittelt hat, indem er ein Gedicht vortrug. Haben Musik und Fußball auch die Möglichkeit, Menschen zusammenzuführen?

Als ein Künstler muss ich daran glauben, dass es so ist. Ich habe keinen normalen Job, ich bin kein Anwalt oder Bauarbeiter. Ich bin Künstler, also geht es bei mir um Sensibilität für die Gefühle der Menschen. Musik hat die Kraft, Leben zu verändern. Beim Fußball ist es genauso. Es gibt nichts anderes, dass die Menschen auf der Welt so vereinen kann wie Musik und Fußball. Ich habe von Soldaten zweier Kriegsgegner gelesen, die sich tagsüber bekriegten und abends zusammen Fußball spielten.

Kann man die Verbindung von Musik und Fußball noch woanders sehen?

Ich mag die Spielweise lateinamerikanischer Mannschaften. Das ist Musik auf dem Platz. Ich meine die Art, wie sie sich auf dem Platz bewegen. Die Engländer beispielsweise kommen mehr von der physischen Seite und über die Kraft in ein Spiel. Südamerikaner wirken hingegen so, als würden sie auf dem Platz tanzen.

Spielst du auch selbst Fußball?

Vor zwei Jahren, als ich mein Album »Troubador«, auf dem auch der WM-Song ist, aufgenommen habe, da spielte ich jeden Tag Fußball. Ich habe das Album in Bob Marleys Haus aufgenommen. Ich war der erste Musiker, der nach Marleys Tod den Schlüssel zu seinem Haus erhalten hat. Ich fühlte mich sehr geehrt und wir haben das komplette Album dort aufgenommen. Nachmittags spielten wir dann im Garten des Hauses mit der Familie von Bob Marley, mit seinen Kindern, Fußball – und das jeden Tag.

Bob Marley war selbst ein großer Fußballfan.

Richtig. Er wurde einmal gefragt, was für ihn Freiheit sei. Er antwortete: »Fußball ist Freiheit.«

Abschließend: Was glaubst du, wer Weltmeister wird?

Spanien ist stark, aber auch viele andere Teams. Ich weiß es nicht, aber ich halte zu den Underdogs. Ich habe schon Finalkarten, vielleicht spielt dort ja dann ein Außenseiter.

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