Wie kickt man bei –30 Grad, Vitali Solowzow?

»Gespielt wird, wenn sicher ist, dass wir überleben«

Vitali Solowzow spielt seit 30 Jahren in der sibirischen Winterfußballliga. Sein Tipp für Fußball bei minus 30 Grad: Plastiktüten an die Füße und Schnaps in den Pausentee.

Christian A. Werner

Vitali Solowzow, in Tomsk herrschen heute 21 Grad minus.
Ideales Fußballwetter, wenn Sie mich fragen. In Sibirien haben wir sechs Monate Winter, da sind solche Temperaturen normal.

In Mitteleuropa fällt Sport bei mehr als 20 Grad minus in der Regel aus.
Da hätten wir hier aber ein Problem.

Ab welcher Temperatur wird bei Ihnen das Spiel abgesagt?
Bis minus 30 Grad wird bei Windstille gespielt. Ist es kälter oder bläst der Wind, müssen Schiedsrichter und Spieler entscheiden.

Die kälteste Temperatur, bei der Sie je gespielt haben?
Minus 30 Grad mit Wind. Danach war aber alles eingefroren, besonders das Gesicht.

Was ist, wenn der Schiedsrichter absagt und die Teams auflaufen wollen?
Wenn beide Mannschaften wollen, kann der Schiedsrichter die Regeln brechen und sie spielen lassen. Zumindest wenn er sicher ist, dass sie es überleben.

Der Winterfußball hat modifizierte Regeln. Es spielen zwei Teams à neun Spieler jeweils zwei Mal 25 Minuten. Es gibt zwei Schiris. Die Saison dauert von Mitte Dezember bis Mitte März. Was unterscheidet Schneefußball sonst noch vom Spiel auf dem Rasen?
Der Ball ist viel unberechenbarer. Das ist bei jedem Wetter und bei jeder Temperatur anders. Wenn es richtig kalt und eisig ist, springt er perfekt. Wenn es schneit, bleibt er öfter am Schnee haften oder springt unerwartet. Außerdem spielen wir mit fliegendem Wechsel. Die Kicker können sich jederzeit und so oft sie wollen ein- und auswechseln, um auszuruhen. Und wenn es zu kalt ist, dann spielen wir drei statt zwei Halbzeiten.

Wird auch auf Eis gespielt?
Manchmal, kurz vor Frühlingsbeginn, wenn alles taut und wieder neu gefriert, lässt sich das nicht vermeiden. Im Zweifelsfall tragen wir die Eisschicht vor Anpfiff dann bis auf den Kunstrasenuntergrund ab, damit es nicht so hart ist. Aber auf richtig dickem Eis lässt sich nicht spielen, das ist viel zu gefährlich.

Woran erkennen Sie im Schnee die Spielfeldbegrenzungen?
Auf dem Feld werden die Linien mit einem Pulverisator in roter Farbe markiert. Für die Seitenauslinien spannen wir ein schwarzes oder rotes Gummiseil. Das muss man nicht ständig nachziehen.

Und woran erkennen Sie den Ball?
Der muss entweder orange, gelb oder rot sein, damit er sich vom Schnee abhebt. Er sollte bei Kälte elastisch bleiben und nicht gefrieren. Viele Bälle werden bei Minusgraden steinhart, dann springen sie nicht mehr vernünftig und man tut sich beim Schießen höllisch weh.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!