Wie kaputt ist der italienische Fußball?

»Das System muss implodieren«

Leere Stadien, korrupte Funktionäre, miese Spiele – nie ging es Italiens Fußball schlechter. Blogger Kai Tippmann über zarte Pflänzchen der Hoffnung und die erschütternde Realität.

imago

Kai Tippmann, auf altravita.com bloggen Sie über die italienische Fußballkultur und die Ultras. Haben Sie die Nachrichten in Deutschland über das Vertragsende von Parma-Spieler Antonio Cassano mitverfolgt?
Das habe ich. Mit großer Verwunderung.

In den deutschen Medien, unter anderem auch im automatischen Nachrichtenverteiler auf 11freunde.de, war zu lesen: »Druck aus der Fanszene: Parma trennt sich von Cassano«. Cassano soll nach schlechten Leistungen von einem Ultraführer zur Rede gestellt worden sein und anschließend auch deshalb einer vorzeitigen Vertragsauflösung zugestimmt haben.
Das ist schlichtweg eine Ente. In Italien wurde das gar nicht thematisiert. Auch, weil Cassano mit folgenden Worten zitiert wurde: »Der Fan auf dem Foto hat mich nicht bedroht. Der weinte wegen der Lage von Parma und bat mich um ein Gespräch. Da gab es keine Drohungen, im Gegenteil. Nach 15, 16 Niederlagen hätten die uns eigentlich beleidigen müssen. Stattdessen haben sie nur völlig ruhig mit uns geredet.« Ich kann nur vermuten, dass deutsche Nachrichtendienste auf die Übersetzung dieses Zitats verzichtet haben und sich stattdessen eine eigene Interpretation des besagten Fotos geleistet haben.

Die Nachricht ließ den Umkehrschluss zu, dass Fans in Italien inzwischen eine bedrohliche Macht besitzen.
Wenn das mal so wäre! Vermutlich ginge es dem italienischen Fußball dann wesentlich besser. Stattdessen haben Fans in der Serie A gar keine Möglichkeiten, sich aktiv an der Vereinsarbeit zu beteiligen. Das lässt das weit verbreitete Mäzentum nicht zu. Die aktiven Fans hier können nur das tun, was Fans schon immer getan haben: Bei jedem Spiel dabei sein, Zeit und Geld investieren, Freundschaften und die eigene Beziehung riskieren – alles, um die eigene Mannschaft zu unterstützen. Und dafür verlangen sie natürlich, dass jeder Spieler sich den Arsch aufreißt. Ich will nicht verhehlen, dass das manchmal auch zu weit geht: Fans stürmen den Rasen, geigen Spielern oder Vereinsverantwortlichen die Meinung oder bedrohen sie. Aber das hat nichts mit tatsächlicher Macht zu tun. Ehrlich gesagt: Die Fans im Stadion waren den Klubs noch nie so unwichtig wie heute. Darin besteht ja das Dilemma.

Wie schlecht geht es momentan dem italienischen Fußball?
Sehr schlecht. Die Korruption ist weit verbreitet, die Stadien sind leer, die sportliche Qualität erschreckend niedrig. In der internationalen Elite spielen italienische Klubs keine Rolle mehr.

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