31.07.2013

Wie ist es als ewige Nummer Zwei, Stefan Wessels?

»Ich kann Rensings Reaktion nachvollziehen«

Mit 20 Jahren war Stefan Wessels der jüngste deutsche Keeper, der bis dato in der Champions League debütierte. Mittlerweile trainiert er die Torhüter des SV Meppen. Wir sprachen mit ihm über Trainingseinheiten mit Oliver Kahn, den TuS Lingen und David Moyes.

Interview: Tobias Ahrens Bild: Imago

Ihre Leistungen, ebneten Ihnen kurz darauf den Weg in den Bundesliga-Kader?
Nein, das war eher Glück. Kahn hatte sich im Urlaub am Fuß verletzt, auch Scheuer fiel aus. Deshalb durfte ich nach nur einem Jahr am Sommertrainingslager teilnehmen und während der ersten beiden Spieltage auf der Bank Platz nehmen. Nachdem die beiden Kollegen wieder fit waren, ging es für mich zurück zu den Amateuren.

Konnten Sie sich mit dieser Situation abfinden?
Überhaupt nicht, da ich aufgrund eines ganz hässlichen Gegentors sogar dort auf der Bank sitzen musste. Glücklicherweise ging es daraufhin mit der U21 in den Oman...

… dort kamen Sie jedoch nie an…
… sondern landete im Glasgower Ibrox-Park. Erinnern Sie sich noch an das legendäre Samstagabendspiel zwischen dem FC Bayern und Eintracht Frankfurt?

Sie meinen, als Michael Tarnat als Torhüter einspringen musste?
Ganz genau! Sammy Kuffour hatte Kahn mit dem Knie am Kopf getroffen und der eingewechselte Bernd Dreher riss sich nach wenigen Minuten das Kreuzband. Ich lag träge auf dem Sofa meiner Eltern und bereitete mich innerlich auf den Flug mit der U21 vor, bis mir plötzlich klar wurde, dass unserer Mannschaft ein Torwart für das anstehende Champions-League-Spiel bei den Rangers fehlen würde. Kurz darauf rief Co-Trainer Michael Henke an.

Wie reagierten die Mitspieler auf den ungewohnten Rückhalt im Tor?
(lacht) Alle hatten mit Sicherheit einen Riesenbammel, haben es aber ganz gut versteckt. Für mich war das ein Raketenstart, ohne den meine Karriere vielleicht anders verlaufen wäre. Lothar Matthäus und Stefan Effenberg kamen in der Kabine noch einmal zu mir und sprachen eindringlich auf mich ein. Die Mannschaft wollte mir ja schließlich die Sicherheit vermitteln. Ich habe dann dem Team sehr gut helfen können. Wir spielten 1:1. Nach dem Abpfiff musste ich mich trotzdem wieder hinter Oli einreihen.

Sie sagen »Oli«. War das Verhältnis zwischen Ihnen auf Augenhöhe?
Sicherlich nicht. Er hat damals die Hochphase seiner Karriere erlebt, während ich im Training lernwillig hinter ihm stand. Es war ein ordentliches Verhältnis, aber für mich eher ein Konkurrenzkampf ohne Hoffnungen.

Stimmt es eigentlich, dass Ottmar Hitzfeld seine Nummer Eins nie kritisiert hat?
Nur sehr selten. Das kann man natürlich kritisch sehen, aber die Menschenführung zeichnete diesen Trainer immer aus. Oli hatte seinen unantastbaren Status, auch innerhalb der Mannschaft. Falls ihm Fehler unterliefen, wurde in den ganzheitlichen Mannschaftssitzungen nie darüber gesprochen. Das hat Hitzfeld sicherlich berechnet, aber die groben Patzer blieben ja eigentlich auch immer aus.

Während Sie 2003 zum 1. FC Köln wechselten, rückte für Sie Michael Rensing nach. Ein junger Torwart vom TuS Lingen. Kannten Sie ihn bereits vorher?
Ich habe mit seinem Bruder Thomas in einer Mannschaft gespielt. Auf dem Bolzplatz war Michael natürlich auch immer dabei und wir hatten vor seinem Wechsel noch miteinander gesprochen.
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