31.01.2011

Wie Hotspur-Fans gegen den Stadionumzug protestieren

Tim Framp: »Der Sargnagel für Tottenham Hotspur«

Die Fan-Initiative »We are N17« möchte verhindern, dass Tottenham Hotspur Nachmieter für das Londoner Olympiastadion wird. Wir sprachen mit N17-Mitglied Tim Framp über einen Verein, der droht, seine Seele zu verlieren.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Tim Framp, warum ist West Ham United der bessere Nachmieter für das Londoner Olympiastadion als Ihr Verein Tottenham Hotspur?

Tim Framp: Weil West Ham das olympische Erbe erhält. Paris zum Beispiel hatte eine großartige Bewerbung, aber London hat den Zuschlag bekommen, weil wir versprochen haben, das Erbe der Athleten zu bewahren. Das tut das Angebot von Tottenham allerdings nicht.



Tottenhams Angebot und die Pläne, das Stadion gleich wieder abzureißen, widersprechen also dem olympischen Gedanken, dem London 2012 sich verpflichtet hat?


Tim Framp: Genau. Man hat 500 Millionen Pfund ausgegeben, um dieses Stadion zu bauen. Eine Menge Geld. Und dann soll das Stadion abgerissen und für eine gigantische Summe ein neues gebaut werden. Die »Olympic Parc Legacy Company« in Stratford will unbedingt verhindern, dass da nach den Spielen ein teures Stadion herumsteht, was nicht anständig genutzt wird. Das kann ich nachvollziehen. Aber es kann doch nicht der richtige Weg sein, das Stadion einfach abzureißen, nur um zu verhindern, dass das alte ein teurer Klotz am Bein der Stadt wird. Das wäre eine monströse Geldverschwendung. Aber es besteht offensichtlich die Annahme, dass Tottenham am ehesten eine angemessene Nachnutzung gewährleisten könnte.

Was ist mit dem Neubau der »White Hart Lane«? Der wurde in der letzten Woche bewilligt.


Tim Framp: Die Planungen sind abgeschlossen und alles ist unterschrieben. Drei Jahre lang hat der Verein erzählt, dass ein Stadionneubau in unserem Stadtteil das Ziel ist. Und plötzlich haben sie ihre Meinung geändert. Eine Menge Fans sind sehr enttäuscht darüber. Es gibt keine nachvollziehbaren Gründe gegen einen Neubau in der direkten Nachbarschaft.

Es heißt, mit einem Umzug nach Stratford würden die »Spurs« eine Menge Geld sparen. Geht es nur um finanzielle Vorteile?

Tim Framp: Ganz sicher. Es brächte dem Verein vor allem deswegen finanzielle Vorteile, weil »AEG« in Stratford mit den Spurs zusammenarbeiten will, was sie in Tottenham nicht tun würden. Diese Firma betreibt den Londoner »Millenium Dome« und will auch im neuen Olympiastadion Konzerte und andere Events veranstalten, um viel Geld zu verdienen. Ein Fußballspiel wäre nur noch ein Event unter vielen. Es geht aber auch darum, wie diese Zahlen präsentiert wurden. Sie wurden manipuliert und so gedreht, dass sie das Vorhaben des Vereins sinnvoll erscheinen lassen. Es hieß, der Neubau Stratford koste 250 Millionen und wäre damit 200 Millionen billiger als ein Bau in Tottenham.

Eine gewaltige Differenz.

Der Hauptgrund dafür ist, dass sie hier nicht nur ein Stadion, sondern auch Häuser, ein Hotel und einen Supermarkt bauen würden. Das Stadion an sich würde den Verein nicht mehr kosten als eines in Stratford. Dort erhoffen sie sich aber, dass es mehr Profit abwirft. Hier wurden Zahlen veröffentlicht, die nicht miteinander vergleichbar sind.

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Diese Irreführung ist aber nicht der Hauptgrund dafür, dass die Fans ein großes Problem mit den Umzug nach Ost-London haben.

Tim Framp: Ein Beispiel: Das neue Stadion der Bayern hätte überall in München gebaut werden können, weil dieser Verein die Stadt als Ganzes repräsentiert. Tottenham aber repräsentiert nicht London, sondern nur einen kleinen Teil der Stadt. Mit einem Umzug trennt man den Klub von den Menschen des Stadtteils, den er repräsentiert. Die Leute, die in den Londoner Osten umziehen wollen, leugnen die Wurzeln des Klubs.

Ein Albtraum.

Tim Framp: Für mich wäre es genau das, es würde den Fußball verändern. Es gibt einen Haufen Gründe, warum ich Tottenham-Fan bin. Dass der Klub jetzt bereit ist, die Geschichte des Klubs aufzugeben, macht es sehr schwer für mich, »Spurs«-Fan zu bleiben. Ein Umzug würde viel in meinem Leben verändern und darüber hinaus wäre es der letzte Nagel in den Sarg des Klubs. Der Verein, mit dem man sich identifiziert hat, wäre plötzlich komplett ausgelöscht. Es ist doch so: Klubbesitzer oder oder -Vorsitzende und deren Ideen kommen und gehen, ein echter Fan bleibst du ein Leben lang. Nicht einmal mehrere Abstiege könnten meine Liebe zu Tottenham erschüttern. Der Verkauf unserer Seele allerdings schon. 

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