Wie Fotograf Paul Ripke das WM-Finale 2014 erlebte

»Die Haare so lassen«

Am 13. Juli 2014 spielte Deutschland gegen Argentinien im WM-Finale. Und als Mario Götze traf, brachen alle Dämme. Rauschhafte Bilder einer rauschhaften Nacht von Paul Ripke.

Paul Ripke
Heft: #
157

Paul Ripke, Deutschland wird Weltmeister und du fotografierst in der Kabine. Wie konnte das passieren?
Ich hatte vor der WM die Autogrammkarten der Spieler fotografiert und nach diesem Termin Oliver Bierhoff gefragt, ob ich nicht im Falle eines WM-Triumphs die Mannschaft fotografisch begleiten dürfte. Mir war natürlich klar, dass ich einer von hundert Fotografen mit dieser Idee war. Dann durfte ich drei, vier Tage mit ins Trainingslager und machte mir ein wenig Hoffnung. Trotzdem war bis kurz vor dem Finale nicht klar, ob es klappen würde.

Wann bekamst du dann die Erlaubnis?
Am Sonntag hatte ich eine flehende Mail an Oliver Bierhoff geschrieben und ihn gebeten, mir den Zugang zu erlauben und bin schon alle möglichen Ablehnungsgründe durchgegangen: »Liegt es an meinem Aussehen: Ich rasiere mich gerne und trage eine Frisur eurer Wahl.« Die Antwort: »Lieber Paul, immer locker bleiben. Haare so lassen und mitkommen. Wir schießen die Tore, du die Fotos!«

Dann saßt du plötzlich im Stadion.
Ja, Reihe 1, Platz 1. Ich wollte nach dem Spiel auf keinen Fall mit leerem Akku und vollen Speicherkarten dastehen und hab während des ganzen Spiels nur 23 Bilder gemacht. Kurz nach dem Spiel bekam ich das Signal: »Keine Regeln mehr. Mach alle Fotos, die du machen willst!« Mein Glück war, dass ich mit den Spielern gut klar kam. Lukas Podolski rief »Komm in die Kurve, Paul, wir machen Fotos mit den Fans!« So was ist unbezahlbar. 

Zwischendurch Angst vor der eigenen Courage gehabt? Das Projekt deines Lebens und dir gelingen nur gewöhnliche Bilder?
Angst nicht. Aber ich war sehr konzentriert und habe mich abgesichert, etwa durch Kontakt zum Steadycam-Operator, der die Fernsehbilder vom Platz geliefert hat. Wenn ich dem die ganze Zeit vor der Linse herumgesprungen wäre, wäre ich schneller vom Platz geflogen, als ich hätte gucken können.

Während der Siegerehrung sah man dich oben auf der Tribüne die Mannschaft fotografieren.
Die Situation war so surreal, mich hätte auch nicht mehr überrascht, wenn mir Angela Merkel plötzlich noch eine Medaille umgehängt hätte. Aber gerade diese Bilder sind wichtig, weil der Betrachter den Spielern sehr nahe ist.

Du hast mit einer Leica fotografiert.
Und sehr offenblendig. Wenn man so fotografiert, muss man sich seinen Motiven nähern, auf ungefähr zwei Meter. Aus größerer Entfernung wirken die Bilder schnell sehr konventionell. Ich habe an diesem Abend unzählige Bilder aus der Hüfte gemacht. Es war auch viel Ausschuss dabei, sicher 60 bis 70 Prozent.

Die Nationalmannschaft hat einen opulenten Fotoband mit deinen Aufnahmen herausgebracht. Unter all den beeindruckenden Fotos, hast du ein Lieblingsbild?
Ja, habe ich. Am Flughafen in Rio musste auch der WM-Pokal durch die Sicherheitsschleuse und wurde in eine Plastikschale gelegt. Auf dem Kontrollmonitor tauchte der Pokal als dunkle Silhouette auf. Das habe ich eingefangen. Wunderschön.

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Eine erste Auswahl findet ihr hier in der Bildergalerie:

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