Wie ernst ist der »Pfalzüberfall«?

»Kein Gewaltaufruf«

Wie ernst ist der »Pfalzüberfall«?Privat

Rudolf Köhler und Ben Vogt, wie reagieren Sie auf die Aktion »Pfalzüberfall 2010 – Schlachtfest in Kaiserslautern«?

Rudolf Köhler:
Verbale Scharmützel sind im Fußball nichts Ungewöhnliches. Ich möchte diese Aktion nicht beschönigen oder gutheißen. Eigentlich möchte ich diese Aktion gar nicht bewerten. Oft sind es aber nur verbale Attacken. Wenn dort steht: »Pflastersteine für Lautern-Schweine« nimmt doch keiner wirklich Pflastersteine in die Hand.

Ben Vogt: Wir als Abteilung können dazu relativ wenig sagen. Dies ist ein Aufruf unserer Ultrà-Gruppe. Das Einzige, was wir dazu sagen können, ist, dass die Medienberichterstattung wenig differenziert ist. Wir können von unserer Seite keinen Gewaltaufruf, der so oft proklamiert wird, erkennen.

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  Auf dem Plakat sieht man einen Metzger mit einem blutverschmierten Messer und im Hintergrund eine Schweinehälfte mit dem FCK-Logo. Das dazugehörige Video mit dem Titel »Pfalzüberfall 2010 – Lauternschweine vs. Eintracht Frankfurt« zeigt einen Metzger, der mit Blut und abgetrennten Schweinsköpfen hantiert.


BV: Das ist eine sehr martialische Darstellung, sowohl in Optik als auch im Duktus. Wir können in dieser Darstellung dennoch keinen Aufruf zur Gewalt feststellen.

RK: Die Polizei sieht darin gewiss einen indirekten Gewaltaufruf. Es wird daher ein massives Polizeiaufgebot vor Ort sein, das dafür sorgt, dass die Fanlager nicht aneinander geraten. Am Ende hat man dann wieder die Auseinandersetzung mit der Polizei.

Was meinen Sie damit? 


RK: Ich erinnere mich an ein Spiel in Kaiserslautern, wo Polizeihunde ohne Maulkorb zum Einsatz kamen und mehrere Fans durch Bisse verletzt wurden.

Aber Sie würden nicht sagen, dass bei dieser Aktion eine Grenze überschritten wird?


RK: Ich möchte das nicht beurteilen, das muss jeder für sich entscheiden. Diese Aktion ist schon heftig, das gebe ich zu. In Ultrà-Kreisen ist es üblich, dass man sich provoziert. Manchmal geht es dabei eben auch unter die Gürtellinie.

BV: Klappern gehört nun mal zum Handwerk. Ich glaube das sind typische Begleiterscheinungen, die ein solches Derby mit sich bringen. Die »Generation Luzifer« (Ultrà-Gruppe des 1.FC Kaiserslautern Anm. d. Red.) würde sich gewiss ähnlich präsentieren und ein entsprechendes Video aus Kaiserslautern ist mittlerweile auch online. Außerdem muss man dabei bedenken, dass es Aufrufe bereits in den 80ern in Form von Handzetteln in kleinen Auflagen gegeben hat. Insofern reden wir nicht unbedingt über ein neues Phänomen, stattdessen werden nun über die Verbreitung im Internet deutlich mehr Leute erreicht.

Verschärfte Einlasskontrollen in Leverkusen und ein Risikospiel gegen Kaiserslautern. Ist der Ruf der Fans so schlecht oder ist die Vorsicht berechtigt?

RK: Einen Ruf hat man sich ja erarbeitet. Die Ultrà-Gruppe in Frankfurt will die beste und die größte Deutschlands sein. Dann muss man auch damit leben, dass man einem gewissen Druck ausgesetzt ist. Was in Leverkusen passiert ist, ist noch einmal eine andere Sache.

Frankfurt-Fans mussten sich beim Spiel in Leverkusen bis auf die Unterwäsche ausziehen und wurden nach Pyrotechnik durchsucht.
 

RK: Dort wird jetzt verzweifelt eine Begründung für das Vorgehen gesucht. Ich finde aber, dass es kein angemessenes Verhalten war. Jeder Sicherheitsbeauftragte weiß, dass wenn jemand etwas ins Stadion schmuggeln will, schafft er es auch irgendwie. Wenn sich jetzt jeder Zuschauer am Eingang nackt machen muss, verdirbt das den Spaß am Fußball.

Eintracht Frankfurt musste erneut eine Geldstrafe von 8000 Euro zahlen, da es bei Spielen gegen Wilhelmshaven, Hannover und Mönchengladbach zu Zwischenfällen gekommen ist. Heribert Bruchhagen sagte dazu, dass Eintracht Frankfurt »hochgradig gefährdet« sei. Was meint er damit?

RK:
Eintracht Frankfurt könnte bei weiteren Vorkommnissen mit noch höheren Geldstrafen oder mit einem Spiel ohne Zuschauer bestraft werden. Bei den so genannten Geisterspielen gibt es zwei Möglichkeiten: Erstens werden uns keine Auswärtstickets zur Verfügung gestellt und zweitens kann es zu einem Spiel vor leeren heimischen Rängen.

BV: Das sind aber alles Spekulationen. Alle Kanäle reden momentan von Geisterspielen und von Strafen, die kommen könnten. Wenn es dazu kommen sollte, können wir uns im Nachgang dazu gerne unterhalten. Heribert Bruchhagen wollte damit aber sicherlich nochmals an die möglichen Konsequenzen erinnern. Die Mechanismen, die im Nachklang auf solche Aktionen greifen könnten, sind unseren Fans aber bekannt.

Was glauben Sie persönlich: Wird es zu einem Zwischenfall in Kaiserslautern kommen?

BV:
Die Landespolizei aus Rheinland-Pfalz und die Bundespolizei wird entsprechend aufgestellt sein und versuchen, Zwischenfälle zu verhindern. Im Raum steht eine Zahl von etwa 850 Kräften.

RK: Wenn sich die Fans treffen, wird es auch zu einer Auseinandersetzung kommen. Die starke Fantrennung wird das aber verhindern. Außerdem wurde das Spiel für Sonntag angesetzt, die Zugangsstraßen sind frei geräumt und es herrscht striktes Glasverbot in den Zügen. Soweit ist alles dafür getan, dass es ruhig verläuft.    



Das entsprechenden Video zum »Pfalzüberfall 2010«:

Die Videoantwort aus Kaiserslautern:

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