14.01.2010

Wie englische Klubs deutsche Talente abwerben

»Das ist Spielgeld für die«

Der Welle von deutschen Talenten nach England scheint verebbt. Doch der VfB Stuttgart musste mit Loris Karius ein Talent Richtung Manchester City ziehen lassen. Jugendleiter Thomas Albeck fordert jetzt von der DFL eine neue Regelug.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Herr Albeck, ein Spieler aus ihren Reihen, Loris Karius, hat vor kurzem ein Angebot von Manchester City angenommen. Hatten Sie damals überhaupt Chancen, den Spieler zu halten?

Wir können Spieler bei uns erst ab dem 16. Lebensjahr vertraglich binden.  Das wissen die Engländer, und deswegen gehen die genau auf diese Altersstufe los. Wir können lediglich Förderverträge abwickeln, also von 16 bis zur A-Jugend und dann noch einmal zwei Jahre. Anders können wir die Spieler vertraglich nicht binden. Wir haben mit der DFL darüber schon einmal gesprochen, dass wir da eine 4+1-Regelung (4 Jahre Jugend + 1 Jahr Anschluss) haben wollen, um unsere Spieler vor Abwerbungsversuchen zu schützen. Im Fall Karius lagen unser Angebot und das von Manchester City dann soweit auseinander, dass Karius` Vater gesagt hat: Auch wenn das schief geht, hat er nach drei Jahren Vertrag schon ein Einfamilienhaus dastehen. Das ist abgehoben, aber in England an der Tagesordnung.



Gab es so etwas wie eine Aufwandsentschädigung?

Ja. Wir haben den Spieler jahrelang aufgebaut, er hat bei uns in der Jugendakademie gewohnt. Es gibt eine FIFA-Regel, dass eine Aufwandsentschädigung gezahlt werden muss. Diese hängt davon ab, wie lange der Spieler schon ausgebildet worden ist und ob der Spieler schon Länderspiele bestritten hat. Dieser Betrag ist aber Spielgeld für die Engländer. Das, was wir in die Ausbildung investiert haben, kriegen wir nie mehr zurück.

Sollte es bei diesem Abwerben von jungen Spielern vielleicht Alters- oder Gehaltsgrenzen geben?


Definitiv. Man sollte beides limitieren.

Manche sprechen davon, dass es eine gute Erfahrung für die jungen Spieler ist, ins Ausland zu wechseln. Andere warnen davor, dass die Spieler an dem schnellen Ruhm zerbrechen könnten. Wie stehen Sie dazu?

Das ist ambivalent. Man ist da hin- und hergerissen. Auslandserfahrungen erweitern sicherlich den Horizont. Für die Persönlichkeitsbildung ist es ein wichtiger Schritt. Es hat viele positive Dinge. Allerdings wachsen die Spieler dann meist ziemlich isoliert heran; um den Einzelnen wird sich nicht so intensiv gekümmert. Es scheitern viele daran, dass sie keinen Anschluss haben. Aber das ist auch abhängig von der jeweiligen Persönlichkeitsstruktur.

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