17.11.2011

Wie eine Blogger-Kampagne gegen Homophobie kämpft

»Schwarz ist offenbar schlimmer als schwul«

Die »Aktion Libero« vereint 60 Sportblogger in ihrem Engagement gegen Homophobie im Fußball. Wir sprachen mit Alex Feuerherdt, einem der Initiatoren, über die Motive, den Vergleich zum Rassismus und die Normalität von Beleidigungen.

Interview: Erik Peter Bild: Imago
Alex Feuerherdt, welche Motivation steht hinter der »Aktion Libero - Sportblogs gegen Homophobie im Fußball«?

Alex Feuerherdt: Wir sind der Ansicht, dass die Problematik der Homosexuellenfeindlichkeit weiterhin aktuell ist. In den vergangenen Monaten hat es ganz konkrete Anlässe gegeben, die uns dazu bewogen haben, aktiv zu werden. Profispieler wie Philipp Lahm oder Arne Friedrich waren der Ansicht, sich offensiv dazu bekennen zu müssen, nicht schwul zu sein. Oliver Bierhoff fühlte sich durch den in einem »Tatort« geäußerten Satz »Die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, das ist doch schon so eine Art Volkssport, das zu verbreiten« provoziert und erwiderte darauf, er empfinde solche Äußerungen als Angriff auf seine Familie. Und DFB-Präsident Theo Zwanziger hat in der Affäre um Manfred Amerell ein sehr unglückliches Krisenmanagement gefahren, denn plötzlich stand das Thema Homosexualität im Mittelpunkt und nicht der mögliche Machtmissbrauch eines Chefs gegenüber seinem »Untergebenen«.



Hat sich denn in den letzten Jahren gar nichts zum Besseren gewendet?

Alex Feuerherdt: Der DFB ist seit einigen Jahren dabei, offensive Kampagnen gegen Homophobie durchzuführen. Doch die Belastungsproben dieser Kampagnen fallen immer wieder negativ aus. Die Affäre Amerell ist dafür ein gutes Beispiel. Einerseits gibt es schöne Worte, aber wann immer es eng wird, bleibt nicht mehr viel davon übrig.

Wie sieht es auf Seiten der Fans aus. Gibt es wenigstens dort Fortschritte?

Alex Feuerherdt: Der Einsatz des Wortes »schwul« in beleidigender Absicht ist zwar zurückgegangen, denn es gibt einzelne Initiativen, die sich gegen Homophobie einsetzen, und es haben sich in den ersten beiden Ligen etwa 20 schwul-lesbische Fanclubs gegründet. Doch es ist immer noch so, dass sich kein Profifußballer in Deutschland geoutet hat, nicht zuletzt in der Befürchtung, er könnte von den Fans, besonders der gegnerischen Mannschaft, verhöhnt und durch die Medien gezogen werden. Wir sind also noch weit davon entfernt, dass Homosexualität als etwas Selbstverständliches angesehen wird, so wie es aus unserer Sicht eigentlich sein sollte.

Was würde mit einem Spieler passieren, der sich outet?

Alex Feuerherdt: Das ist ungewiss und es gibt auch aus der Innenansicht des Fußballs unterschiedliche Meinungen dazu. Philipp Lahm hat gesagt: »Ich würde es keinem raten, es zu tun.« Andererseits hat Mario Gomez erwidert: »Ich glaube schon, dass es eine gute Idee ist, denn dann würde von dem Spieler eine Last abfallen und er könnte befreiter aufspielen.« Doch die bereits angesprochenen Rückschläge lassen uns daran zweifeln, dass es bereits die Möglichkeit gibt, im Profifußball mit seiner Homosexualität offen zu leben. Ein weiteres Indiz sind die Recherchen für das Buch »Das Schweigen der Männer«. Die Autoren haben alle Profivereine angeschrieben und gefragt, ob und wie sie mit den Themen Homosexualität und Homophobie umgehen. Nur zwölf haben überhaupt reagiert, davon lediglich vier in einer Form, die über eine reine Verlautbarung hinausging.
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