14.11.2013

Wie ein sehbehinderter Fußballer einen Elfmeter verwandelte

»Ich schaute nach links und schoss nach rechts«

Andreas Engström hat nur ein Prozent Sehkraft. Trotzdem lief er vor einigen Wochen für seinen Heimat­klub auf – und verwandelte einen Elfmeter.

Interview: Ron Ulrich Bild: Sveriges Radio

Andreas Engström, Sie haben in der sechsten schwedischen Liga ein Elfmetertor geschossen, obwohl Sie fast nichts sehen. Wie war das möglich?
Ich habe dafür zwei Wochen lang mit meinem Vater trainiert. Ich habe geschossen und er hat mir danach gesagt, ob der Ball drin war oder nicht. Ich wusste schließlich, dass ich die Chance bekommen würde, einen Elfmeter in einem echten Ligaspiel zu schießen.

Warum?
Ich habe immer für Ulvsby IF gespielt, bis ich 2006 krank wurde und nicht mehr richtig sehen konnte. Doch auch danach habe ich meine Zeit beim Verein verbracht, das Team betreut oder die Website am Laufen gehalten. Gerade kümmere ich mich um das Mitgliederverzeichnis. Alle im Verein wussten, was es mir bedeuten würde, noch ein einziges Mal zu spielen.

Also standen Sie jedes Mal im Kader?
Zumindest bei den vorherigen beiden Spielen. Ich habe mich aber nicht mit den anderen warm gemacht oder so. Ich habe nur auf der Bank gesessen und gewartet. Die anderen sagten: »Wenn wir hoch führen und einen Elfmeter bekommen, dann wirst du eingewechselt und schießt ihn.« Gegen Bäckhammar war es dann so weit, wir führten 5:0.



Wussten die Gegner von Ihrer Geschichte?
Nein, die haben es hinterher erfahren. Meine Mitspieler haben den Ball auf den Punkt gelegt und mich dann verbal dorthin gelotst. Der Pfiff ertönte und ich lief an. Ich habe nach links geschaut und den Ball nach rechts geschossen. Muss wohl professionell ausgesehen haben, aber ich war verdammt nervös, das kann ich Ihnen sagen. Doch dann hörte ich den Jubel der anderen und mir war klar: Das Ding ist drin.

Wie haben Sie Ihren Treffer gefeiert?
Gar nicht großartig. Mein Vater rief mich an. Ich erzählte ihm: »Du glaubst es nicht, ich durfte heute den Elfer schießen. Doch leider habe ich verschossen.« Erst am Abend zeigte ich meinen Eltern das Video des Tores – sie brachen in Tränen aus.

Sind Sie jetzt der etatmäßige Elferschütze?
Nein, von jetzt an trainiere ich nur Freistöße.

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